Netzwelt-Ticker 100-Dollar-Laptop kostet 200 Dollar

Weil der Bildschirm teurer ist als angenommen, wird der Laptop für Entwicklungsländer wohl eher 200 als 100 Dollar kosten. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Musiklabels stoßen in China an ihre Grenzen, Schüsse um Sonys PS3 und ein gehackter Biometriepass.

100-Dollar-Laptop wird teurer

Vor allem für die armen Kinder dieser Welt ist die Aktion "One Laptop per Child" (OLPC) gedacht, die auch dem bedürftigen Nachwuchs in den Entwicklungsländern den Zugang zu moderner Kommunikationstechnologie ermöglichen soll. Wichtig dabei: ein möglichst niedriger Preis. Lange war die Rede vom 100-Dollar-Laptop, doch in einer Vereinbarung, die OLPC kürzlich mit dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi schloss, ist ein Preis von über 200 US-Dollar angegeben . Vor allem die Herstellung des Bildschirms wie auch der Akkus werde deutlich teurer als ursprünglich geplant, wurde der zuständige Softwareentwickler Walter Bender zitiert . Dennoch hoffe er, bei Einführung des Gerätes in zwei Jahren die Kosten wieder auf 100 Dollar drücken zu können.

Auf dem zur Aktion gehörenden Wiki wurden jetzt neue Fotos vom Prototyp "B1" veröffentlicht . Sie zeigen ein schulbuchgroßes, limettengrün-weißes Klappgerät, das ein bisschen aussieht wie die ersten iBooks von Apple.

Musikindustrie verliert in China

Sieben auf einen Streich, nach diesem Märchenmotto siegte Baidu, eine der größten chinesischen Suchmaschinen, in einem Prozess gegen sieben Unternehmen der internationalen Musikindustrie. Anlass des Streits: angeblich illegales Herunterladen von Musik. Die Musikunternehmen, darunter Emi, Sony BMG, Universal Music und Warner, hatten angeführt, die chinesische Plattform würde den Download und das Abspielen von insgesamt 137 Musiktiteln ermöglichen.

Wie China Economic Net meldet , hatten sie eine Entschädigung von umgerechnet 170.000 Euro gefordert. Das zuständige Gericht in Peking verwarf dieses Ansinnen jedoch. Die Dateien seien nicht von der Baidu-Seite selbst heruntergeladen worden, sondern von fremden Servern, auf die die Suchmaschine nur verlinkt habe.

PS3: Schüsse auf die Warteschlange

Wenn sich die Interessenten nun um Nintendos neue Spielkonsole Wii balgen, heißt das noch lange nicht, der Hype um Sonys Playstation 3 wäre vorbei – im Gegenteil. Die Kaufwütigen lassen beinahe nichts unversucht, um an das begehrte Hightech-Spielzeug zu gelangen. Wie vor einer Woche in Japan, so spielten sich auch beim Verkaufsstart in den USA zum Teil absurde Szenen ab: In einer kleinen Stadt in Florida namens Destin hatte sich vor dem örtlichen Geschäft, das die Konsolen anbot, eine lange Schlange gebildet. Für einen Jugendlichen, der ganz vorne stand, machte sich die Wartezeit bezahlt: Ein Mann bot dem Teenager nicht weniger als 3000 US-Dollar  im Tausch für den Platz vor der Schlange an. Andere scheinen nicht soviel Geld aufzubringen, aber auch nicht die fürs Warten erforderliche Gelassenheit. In Kentucky war ein Reporter gerade dabei, einige der vor einem Laden kampierenden PS3-Fans zu befragen, als ein Mann begann, um sich zu schießen. Offensichtlich war der Schütze darüber frustriert, das er es zuvor nicht auf die Vorbestellungsliste geschafft hatte. Zwar handelte es sich nur um vergleichsweise harmlose Luftgewehrmunition, dennoch wurden vier Personen verletzt, darunter der Reporter.

Viel einfacher haben es da jene, die sich gemütlich von zu Hause aus bei eBay umsehen, ob sich nicht auf diesem ungefährlichen Weg an das Gerät kommen lässt. Allerdings ist die Preisspanne dabei ziemlich groß: Der eine muss tief in die Tasche greifen und mehr als 10.000 US-Dollar bezahlen , der andere hat mehr Glück und ergattert das gleiche Gerät zum absoluten Schnäppchenpreis von zehn Dollar . Nur die Versandkosten von 50 Dollar werden bei beiden fällig.

Britischer Biometriepass gehackt

Schon in der Vergangenheit haben mehrere Computer- und Sicherheitsexperten demonstriert, dass es mit der Sicherheit der Biometrie-Pässe nicht so weit her ist, wie die Behörden gerne glauben machen. Nachdem zuvor schon die biometrischen Daten von Pässen in den Niederlanden und Deutschland erfolgreich ausgelesen werden konnten, wurden jetzt auch britische Biometrie-Dokumente gehackt, wie sie mittlerweile drei Millionen Inselbewohner mit sich tragen. Innerhalb von zwei Tagen gelang es Adam Laurie von "Bunker Secure Hosting", einer Sicherheitsfirma, eine Software zu programmieren, mit deren Hilfe der Datenaustausch zwischen Lesegerät (wie z.B. bei Grenzkontrollen) und dem RFID-Chip im Pass ausgelesen werden kann. Schnell versuchte das britische Innenministerium zu beruhigen, auf dem Chip seien schließlich nur die Daten enthalten, die auch in Papierform im Pass zu lesen wären. Doch wozu dann die hochtrabende 3DES-Verschlüsselung, die dreifach über dem militärischen Sicherheitsstandard liegt? Laurie kommentiert trocken : "Das ist so, als ob man eine solide Haustür aus Stahl hätte und dann den Schlüssel unter die Fußmatte legt."

Zickzackkurs für Wikipedia in China

Der Champagner kann wieder zurück in die Flasche: Wenige Tage, nachdem die Seiten der Online-Enzyklopädie Wikipedia nach einem Jahr der Sperre wieder zugänglich waren, scheint die Blockade seit dem vergangenen Wochenende wieder in Kraft getreten zu sein. Die indische Seite Zeenews.com beruft sich  auf Berichte von einigen Bloggern aus Peking und anderen Städten Chinas.

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