Netzwelt-Ticker 3. Oktober - Tag gegen DRM

Deutschland feiert Einheit, Bürgerrechtler protestieren gegen Gängelei durch DRM. Gleichzeitig verkauft der berüchtigte DVD-Hacker Johansen sein Wissen über Apples iTunes-DRM. Und in Firefox sollen richtig schlimme Sicherheitsfehler stecken. Nur HP hat mal eine wirklich lässige Idee.


Ja, der 3. Oktober ist ein besonderer Tag. Sogar weltweit, nur nicht zwangsläufig ein Feiertag. Während Deutschland sich über die Einheit freut, ärgern sich Bürgerrechtler über die Schutzmechanismen der Content- und Hardwareindustrie.

Protest-Poster: Hardware mit DRM sei von Anfang an kaputt, findet die Free Software Foundation

Protest-Poster: Hardware mit DRM sei von Anfang an kaputt, findet die Free Software Foundation

Ausgerechnet ein Disney-Boss soll zum Thema digitales Rechtemanagement (DRM) gesagt haben: "Wenn die Kunden merken, dass es einen DRM-Schutz gibt, was er ist und wie er funktioniert, dann sind wir schon gescheitert." Das Zitat ist freilich aus dem Zusammenhang gerissen, verdeutlicht aber trotzdem, wohin die Anti-DRM-Bewegung will, indem sie heute weltweit zum Protesttag gegen DRM aufruft: Die unbedarften Konsumenten aufklären, in welcher Weise die Unterhaltungsindustrie den freien Umgang mit Inhalten beschränkt, die Käufer gängelt und letzten Endes deren Bürgerrechte einschränkt.

Kaputt von Anfang an, Defective by Design heißt die Initiative der Free Software Foundation, der Urheberin der Kampagne. Mit Aufklebern und spektakuläreren Aktionen – Demonstranten im Schutzanzug warnen Apple-Käufer vor einer "DRM-Infektion" ihrer iPods – soll beim den Kunden das Bewusstsein geschärft werden, auf DRM-geschützte Produkte zu verzichten. Wenn nicht aus ideologischen Gründen, dann zumindest aus dem Unwillen heraus, defekte Ware zu kaufen.

Fairplay: Hacker ärgert Apple

Der Schlüssel zu Apples Erfolg mit dem iPod ist die enge Verknüpfung der Hardware mit dem Online-Musikladen iTunes, in welchem mit dem Digitalen-Rechtemanagement-System (DRM) FairPlay behaftete Songs angeboten werden. Doch genau die Triade iPod-iTunes-FairPlay will der als "DVD John" bekannt gewordene norwegische Hacker Jon Lech Johansen nun aufbrechen. Rechtlich reichlich in der Grauzone empfand er in Heimarbeit den DRM-Schutz von Apple nach. Dieses Know-How will er jetzt an Firmen lizenzieren, die ihre Musik oder Filme auf Apple-Geräten abspielbar machen wollen. Bislang kann Apple andere Anbieter hier effektiv ausschließen.

Für Apple würde das den Verlust der Goldesel-Triade bedeuten: Also weniger Musik- dafür wohl mehr Hardware-Verkäufe. Wie GigaOM spekuliert, könnte Apple deswegen erst mal ein Auge zudrücken. Apple-Chef Steve Jobs verlor bei einer Konferenz mit Johansen milde Worte über dessen Pläne: Pass auf, wir sind nicht streitsüchtig, vielleicht sind es aber andere Firmen...

JavaScript-Sicherheit bei Firefox "a complete mess"

Schlimme, schlimme Sicherheitsprobleme - die beiden Hacker Mischa Spiegelmock und Andrew Wbeelsoi ließen bei einer Präsentation auf der Hacker-Konferenz ToorCon offenbar kein gutes Haar an der Einbindung von JavaScript in Firefox. Mindestens dreißig neue Exploits – Programme, die Sicherheitslücken ausnutzen, um bösartigen Code auszuführen – wollen die beiden entwickelt haben. Wie genau die funktionieren, mochten sie dann aber doch nicht ausplaudern. Sehr zum Missfallen der Firefox-Entwickler von der Mozilla Foundation. Die müssen nun selber herausfinden, wie die angeblichen Löcher zu stopfen sind. Doch laut der von Ars Technica zitierten Mozilla-Sicherheitschefin Window Snyder dürften die Firefox-Kritiker bei der Präsentation immerhin genügend Informationen preisgegeben haben, um anderen, auch böswilligen Programmierern, die Entwicklung weiterer Schadprogramme zu ermöglichen, bevor ein Patch von Mozilla veröffentlicht wird.

Heißer Laptop - Sony soll cool geblieben sein

Bereits im Dezember, so ein Bericht der japanischen Tageszeitung Yomiuri Shimbun, habe Sony von den explodierenden Batterien gewusst, die in den letzten Monaten zunächst für Aufsehen gesorgt und letztlich zu umfassenden Rückrufaktionen geführt haben. Doch obwohl das Überhitzungsproblem prinzipiell bekannt gewesen sei, versäumte Sony die Batterien zu überprüfen, die das Unternehmen an den Computerhersteller Dell lieferte. Dell-Laptops waren die ersten Computer, die durch fehlerhafte Akkus Feuer fingen oder gleich explodierten.

Wäre Sony frühzeitiger die Probleme angegangen, hätten die laufenden, weltweiten Rückrufaktionen möglicherweise vermieden werden können. Das Sony-Management dürfte nun wegen der laschen Haltung abgewatscht werden, vermutet Yomiuri Shimbun nach Darstellung der Nachrichtenagentur AFP.

Der letzte Rückruf betraf die Firma Lenovo, deren ThinkPads (vormals im Portfolio von IBM) als gefährdete Modelle gelten, seit ein Exemplar spektakulär in Flammen aufgegangen ist. 526.000 Lithium-Ionnen-Batterien, die von Sony hergestellt wurden, ersetzt das Unternehmen nun kostenlos.

Fußschwenk macht den Klick

Ein gezielter Tritt, so die Wartungstechniker-Faustregel, und jeder zickige Rechner kommt wieder auf Trab. Ein paar Forscher bei HP haben diese Idee wohl ein wenig weitergesponnen und einen Patentantrag eingereicht, der eine Revolution für Jongleure, Häkelfans und Daumenwrestler bedeuten könnte: Freihändig am PC dank Fußmaus! Anstatt eine Hand ständig der Maus widmen zu müssen, könnte die Arbeit am PC so künftig freihändig genossen werden. Der nötige Controller wird einfach auf den Fuß geschnallt und kann per Magnet- und Beschleunigungssensoren Fußbewegungen erfühlen und diese in Computeraktionen umdeuten. Besonders für "wearable computer", also zum Beispiel in Kleidung eingenähte Rechner wäre das eine interessante Eingabemöglichkeit, urteilt Ars Technica – statt Augenbewegungen (schwierig) oder Fingerkrümmungen (nervig) abzutasten reichen hier kleine, nervöse Fußzuckungen. Ein Fußschwenk bedeutet Klick, eine kreisende Bewegung: Website neu laden.

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