Netzwelt-Ticker Alter schützt vor Zocken nicht

Was macht Papa, wenn er sich im Arbeitszimmer verrammelt? Zocken, ballern, daddeln natürlich: Gamer, behauptet die US-Spieleindustrie, sind viel älter als gedacht. Außerdem: Vista läuft auch auf alten PC-Krücken, AMD immer öfter in Notebooks, Apple macht den Kernel dicht und mehr.

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Was Vista wirklich will

Heute soll das Rätselraten um die Systemanforderungen des Windows XP-Nachfolgers Windows Vista endlich ein Ende haben. Sagt unter anderem "eWeek". Demnach wird Microsoft heute endlich die Katze aus dem Sack lassen und verraten, wie viel Computer man denn nun wirklich braucht, um das neue Betriebsystem zu installieren. Laut CNet soll es zwei Kategorien geben. Zum einen die "Vista-capable"-PCs, deren Hardware die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt, um Vista überhaupt zum laufen zu bringen. Zum anderen soll es "Premium Ready"-Rechner geben, die so gut ausgerüstet sind, dass sie alle neuen Vista-Funktionen, inklusive der Hochglanz-Oberfläche "Aero", nutzbar machen.

Für die erste Kategorie soll ein PC der 800-MHz-Klasse mit 512 MB RAM und eine DirectX 9-Grafikkarte ausreichen. Um den "Premium"-Aufkleber tragen zu dürfen sind dagegen eine 1 GHz-CPU, 1 GB RAM und eine 128 MB-Grafikkarte, die Vistas neues Treiber-Modell unterstützt, vonnöten. Das hört sich doch recht bescheiden an.

Die Alten: Daddelheinis

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Timothy St. Hilaire

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Wenn Papa sich mal wieder im Arbeitszimmer verrammelt, dann nicht etwa, um noch an den letzten Feinheiten der Steuererklärung zu feilen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er sich still und heimlich einem Computerspiel hingibt. Das legt zumindest der Jahresbericht der US-amerikanischen Entertainment Software Association (ESA)nahe. Deren Untersuchungen zufolge sind es nämlich nicht in erster Linie junge Kerls, die sich bei einer gepflegten Partie World of Warcraft, den Sims oder Fifa 2006 vergnügen. Stattdessen rekrutieren sich satte 44 Prozent der Gamer aus der Gruppe der 18 bis 49-jährigen. Und damit nicht genug. Ein Viertel der PC-Spieler ist bereits 50 und älter – zumindest in den USA, wo für die Studie 1700 Haushalte befragt wurden.

Ich auch, ich auch...

Das war wirklich schlechtes Timing. Nachdem wir gestern bereits berichteten, dass AOL dem Video-Service YouTube mit einem eigenen Angebot Konkurrenz machen will, legt jetzt auch Google hektisch ein paar Kohlen nach. Mit einem Update soll das hochladen von Filmen auf Google Video deutlich vereinfacht werden. Vor allem benötigt man dazu nun keine externe Software mehr, sondern kann die Filme direkt über den Browser ins Web schaufeln. Zudem soll die Zeitspanne zwischen dem Upload und der Verfügbarkeit auf der Website verkürzt worden sein. Müssen wir uns nun darauf einstellen, alle Filme dreimal zu sehen? Einmal bei YouTube, einmal bei AOL und einmal bei Google? Das wäre ja wie Fernsehen. Lieber nicht.

Urge gestartet, WMP 11 auch

Wie erwartet haben MTV und Microsoft am Mittwoch gemeinsam eine Beta-Version des Media Player 11 und MTVs Musikabo- und Kauf-Shop URGE der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Während der Player überwiegend gute Kritiken einsteckt, glauben von "CNet" befragte Analysten daran, dass MTVs hohes Ansehen unter der jugendlichen Kundschaft für Microsoft als Türöffner dienen könnte. Wer einen Blick hinter die Türen des neuen Online-Shops wagen will, sollte allerdings die Finger von der deutsch lokalisierten Fassung des Media Player 11 lassen. Von der aus ist URGE nämlich nicht erreichbar. Ebenso wenig übrigens wie andere Online-Musik-Shops. Deren Kunden sollten also lieber die Finger von der neuen Software lassen, bis die endgültige Version herausgegeben wird, mit der wieder voller Zugriff auf alle Shops möglich sein soll. Wer dagegen experimentierfreudig ist und Kaufmusik ohne Microsofts Unterstützung besorgt, sollte mit der US-Variante des Players zum Bummeln in den MTV-Shop starten.

AMD will auch in Notebooks

Mit einer neuen Serie von Mobil-Prozessoren will der Chip-Hersteller AMD sich ein größeres Stückchen vom wachsenden Markt für Mobilcomputer abschneiden, berichtet die "PC World". Als Verkaufsargument dient dabei, dass die neuen Turion 64 X2 genannten Chips die ersten 64 Bit-fähigen Dualcore-CPUs für Notebooks seien und beste Voraussetzungen für Windows Vista mitbringen sollen. Zudem lockt AMD die Notebook-Produzenten mit einer breiten Palette unterschiedlicher Komponenten, die zusammen mit den neuen Chips verbaut werden können. Hersteller, die auf Intels Centrino-Technologie setzen, sind dagegen verpflichtet, fest vorgegebene Komponenten aus dem Intel-Baukasten zu verwenden, um das prestigeträchtige Centrino-Logo tragen zu dürfen.

Zumindest vorläufig dürfte es AMD gelingen, mit dieser neuen Technologie und Flexibilität Marktanteile zu gewinnen, glaubt die "PC World". Nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Current Analysis ist AMDs Technologie bereits jetzt in immer mehr Notebooks zu finden. So soll der Anteil AMD-basierter Laptops an allen in den USA verkauften Klapprechnern im vergangenen Jahr von 15,14 auf 44,66 Prozent gestiegen  sein. Im weltweiten Vergleich dagegen hat Intel die Nase weiter vorn und überreicht AMD mit einem Anteil von 12,2 Prozent auf die rote Laterne. Daran dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern, so das Blatt. Schließlich plant Intel, im August ebenfalls eine neue Notebook-Technologie mit 64 Bit Dualcore-Prozessoren und weiter reduziertem Stromverbrauch einzuführen.

Apple macht den Kernel dicht

Während der Kernel, also das Grundgerüst des Apple-Betriebsystems Mac OS X bisher Open Source war, also von jedem Programmierkundigen nach eigenem Gutdünken modifiziert und umgebaut werden konnte, soll damit nun Schluss sein. Offenbar als Reaktion auf die Vielzahl von Versuchen, die Intel-Version des Betriebssystems auf Standard-PCs lauffähig zu machen, hat Apple den Quellcode nun zurückgezogen, schreibt die "Macworld". Lediglich die Variante für Rechner mit Power-PC-Prozessor ist weiterhin frei veränderbar. Mit dieser Maßnahme, so das Blatt, will Apple Mac OS X offenbar fest an Apple-Hardware binden und billige PC-Kopien verhindern.

Handy als Model-Fernsteuerung

Es hört sich an wie der feuchte Traum pubertierender Pennäler, soll aber Kaufhäusern helfen, mehr Ware an die Frau zu bringen: eine Handy-Fernsteuerung für digitale Mannequins. Per Tastendruck am Handy sollen vorbeischlendernde Konsumenten den Look des auf einem großen Flachbildschirm posierenden Digital-Models variieren können. Das soll sie motivieren, den Laden zu betreten und das am Bildschirm zusammengestellte Outfit zu kaufen. Hier in Hamburg gibt es etwas Ähnliches schon seit Jahrzehnten. Kobern wird das genannt und dient dazu, ahnungslose Landeier zum Verzehr gnadenlos überteuerter "Herrengedecke" in den einschlägigen Etablissements St. Paulis zu animieren.

Eine Boeing in der Hand

Wenn der US-Flugzeug-Hersteller Boeing sich schon zu fein ist, an der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin teilzunehmen, kann man ihn wenigstens in die Tasche stecken. Das nötige Tool dazu gibt es bei Boeing selbst in Form der "Boeing Commercial Airplanes Pocket Reference Guides for Pocket PC and Palm OS Handhelds". Die kleinen Programme enthalten detaillierte Informationen zu allen Fliegern der Firma aus Seattle (ja, da wo Microsoft wohnt). Wer weiß, könnte ja mal nützlich sein, sowas dabei zu haben.

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