Netzwelt-Ticker Armee der Zombies

Einer von 311 Windows-PCs ist mit Trojanern verseucht und wird als Zombie zum Versand von Spam oder für Cyber-Angriffe ferngesteuert, sagt Microsoft. Außerdem im Überblick: Sony verzögert Blu-ray, Google bastelt TV-Lösungen,  The Who spielen live im Web und mehr.


Zombies sind der schlimmste Windows-Feind

Glaubt man den Daten, die Microsoft mit seinem Windows Malicious Software Removal Tool zwischen Januar 2005 und März 2006 gesammelt hat, dann stellen Trojaner, die eine Hintertür installieren, die größte Gefahr für Windows-Systeme dar. Insgesamt kommt auf 311 Computer ein mit Malware infizierter Rechner. Über 60 Prozent davon konnten von Außen über eine Trojaner-Hintertür ferngesteuert werden, berichtet Cnet News.com. Diese sogenannten Zombie-PCs werden gerne von Spam-Versendern als willenlose Verteilerstation und von Hackern als Zombie-Armee für Cyberattacken missbraucht.

Unsymphatisch: Zombies sind Untote, die nie Gutes im Schilde führen
DPA

Unsymphatisch: Zombies sind Untote, die nie Gutes im Schilde führen

Die seit dem Sony-Skandal ins Gerede gekommenen Rootkits spielen im Vergleich zu den Trojanern allerdings eine relativ geringe Rolle – 14 Prozent aller Infektionen gehen laut Microsoft auf Rootkits zurück, die sich ins System einnisten, um zum Beispiel den Kopierschutz von Musik-CDs zu gewährleisten. Lässt man Sonys skandalträchtiges Rootkit außen vor, verbleiben 9 Prozent, die meisten davon gehen mit einer Trojaner-Infektion einher, die vom Rootkit verschleiert wird.

Diese Zahlen stehen im Widerspruch zu denen von McAfee, die noch im April vor einem rapiden Anstieg von Rootkit-Fällen warnten.

Interaktives Fernsehen

Entwickler der Google Labs arbeiten einem Bericht von VNUnet.com zufolge an einer Anwendung für interaktives Fernsehen, das Kontext-relevante Inhalte anhand von Fernsehgeräuschen anzeigen kann. Dazu analysiert die Software die laufende Sendung über ein Mikrofon und schaltet zum Beispiel in Spielpausen auf Fußballer-Statistiken oder Highlights des Spiels um. Ist die Pause vorbei, geht das normale Programm weiter.

Google Labs behauptet, dass das auch bei zappenden Fernschauern funktioniert, der Software genügen kurze Soundschnipsel, um eine Ausstrahlung oder Teile davon zu erkennen. Das bedeutet vor allem auch, dass Fernsehsender keinen speziellen Code ins laufende Fernsehprogramm einstreuen müssen, um der Software zu sagen, was gerade läuft. Das Google-Programm erkennt den Inhalt von selbst. Aber viel mehr noch: Gegenüber den längst gescheiterten Ansätzen für interaktives Fernsehen kommt diese neue Herangehensweise gänzlich ohne Tastatur aus!

Pläne für die Zukunft hat Google auch schon: "Wenn man da weiterdenkt, könnten wir Details zu Schauspielern oder Karten von Orten anzeigen, die im Film vorkommen. Egal ob der Film gerade live ausgestrahlt wird oder zuvor aufgenommen wurde."

Blu-ray auf August verschoben

Statt den ersten Blu-ray-Player wie angekündigt am 30. Juni zu veröffentlichen, hat Sony den Release auf Mitte August verschoben. Das geht aus einer Website zum 1000 Dollar teuren BDP-S1 hervor. Auch Pioneer hat den eigenen BDP-HD1-Player auf Mitte August verschoben – mit 1500 Dollar ist das Abspielgerät jedoch 300 Dollar günstiger als zunächst angekündigt. Als Grund der Verschiebung gab ein Sprecher von Pioneer gegenüber Gamesindustry.biz halbherzig an, dass man noch ein weniger warten und sicherstellen wolle, dass alles mit den Studios funktioniert, die Filme im Blu-ray-Format veröffentlichen wollen.

Was die IT-Welt nun aber wirklich verwundert: Wenn die Player für 1000 bis 1500 Dollar Mitte August herauskommen, ist der PlayStation-3-Launch im November nicht mehr weit, die PS3 ein vollwertiger Blu-ray-Spieler – und satte 400 Dollar billiger als die Sony Standalone-Lösung…

MacBook verfärbt sich

Zwei bis drei Wochen nach dem Kauf, so beschweren sich einige Käufer des neuen MacBook im Apple-Forum, verfärbt sich die Handauflage und das Gebiet um das Trackpad orange bis grau/schwarz. Was die Ursache für das Problem ist, scheint nicht bekannt zu sein. Hitze und chemische Reaktionen zwischen Handschweiß und dem Polycarbonat, das Apple für das Mac-Gehäuse verwendet, stehen natürlich unter besonderem Verdacht. Ähnliche Probleme treten auch beim Toshiba Satellite P30-Notebook auf, dessen Gehäuse aus dem selben Material besteht.

Apple habe bislang keine Reaktion auf das Problem gezeigt – zumindest einem betroffenen User wurde allerdings angeboten, sein MacBook einzuschicken. Bei den anderen Betroffenen könnte allerdings die Verwunderung in Wut umschlagen: Apples Garantie-Klauseln, so schreibt der Apple Insider, schließen "kosmetische Probleme" aus…

Sony-Boss: Kein Sieg im Kampf gegen Raubkopien

Albhy Galuten, Vizepräsident, Digital Media Technology Strategy von Sony America, sieht den Kampf gegen Piraterie wenn zwar nicht als verloren, aber doch als nicht zu gewinnen an. Galuten nahm an einer Podiumsdiskussion über die Politik der harten Linie der amerikanischen Musik– und Filmindustrie teil, die klären sollten, ob entschiedenes Durchgreifen gegen P2P-Filesharer einen Nutzen hat.

Eine Erkenntnis des Podiums: Wenn die Verbraucher Inhalte über autorisierte Kanäle nicht bekommen, wann und wie sie das wollen, werden sie auf weniger legitime Quellen zurückgreifen.

Im Januar, so PCPro.co.uk, berichtete der internationale Verband der Phonoindustrie (IFPI), dass 35 Prozent aller Filesharer in den letzten zwölf Monaten ihre P2P-Aktivitäten eingeschränkt bis eingestellt haben und nur 14 Prozent vermehrt aktiv wurden. Allein in Europa sollen drei Millionen Menschen illegales Filesharing reduziert bis gestoppt haben, die Hälfte davon angeblich aus Furcht vor den rechtlichen Konsequenzen.

Die von Galutens geäußerte Kritik an den Attacken gegen Filesharer könnte nun auch als ein weiteres Anzeichen für einen Trendwende in Sachen Onlineverkauf von Musik, der Sündenbock Allofmp3 als Vorbild für zukünftige Webshops angesehen werden. Verschiedene Formate, flexible Preise, Interoperabilität, sprich: User-orientiert zum Erfolg – und nicht mit Klagen, Strafen, Drohungen.

The Who und In the Attic: Live & Online auf Tour

In the Attic und The Who machen gemeinsame Sache, um die erste große Welt-Tournee Live und Online zu starten. Die gesamte Tour, so die Website Thewholive.tv sei gemütlich von zu Hause auf dem Sofa aus zu genießen: "Fühle die Atmosphäre, sei Teil des Teams und seiner Gäste in diesem atemberaubenden globalen Event."

Alle Webstreams von den Konzerten und dem Drumherum seien kostenlos, einzig einige Charity-Übertragungen kosten 99 Cent, die kompletten Einnahmen werden für einen guten Zweck gestiftet. Wer wissen will, wie das Ganze abläuft, kann's schon heute ausprobieren. Um 19 Uhr Londoner Ortszeit (18 Uhr unserer Zeit) spielen The Who und In the Attic für eine Stunde umsonst im Netz auf thewholive.tv. Mehr Einsichten zu In the Attic bietet Rachel Fuller in ihrem Blog. Heute in Großbuchstaben, der kommenden Show wegen…

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