Netzwelt-Ticker Die Wii schlachtet die PS3

Der Underdog zog im Weihnachtsgeschäft klar am ehemaligen Platzhirschen vorbei: Im Wettkampf der 3G-Konsolen hinkt Sony deutlich hinterher. Außerdem im Überblick: Besser Lügen per Blackberry, Spam startet durch, die IT-Luftnummern des Jahres und mehr.


Besser Flunkern per Gadget

Das ist mal technologisch induzierter Fortschritt: Vier von fünf Briten, meldet Reuters, lügen mindestens einmal täglich - und zwar vorzugsweise per Handy, Blackberry, SMS oder E-Mail.

Ein besonders tolles Lügewerkzeug seien Gadgets wie Blackberry, will eine aktuelle Studie eines Marktforschungsunternehmens heraus gefunden haben. Der Technikeinsatz wirke sich unter anderem günstig auf die mentale Verfassung der Lügner aus, denn über die Hälfte gibt an, dass die elektronische Übermittlung der Flunkerei für sie das leiste, was dereinst nur der Pfarrer konnte: Per SMS oder E-Mail fühlten sie sich "weniger schuldig".

Was offenbar auch dem täglichen Lug und Trug im Arbeitsleben zugute kommt. Satte 67 Prozent der Befragten gaben an, im Berufsleben elektronische Lügen zu verbreiten. Zumindest die Chefs hinreichend stabiler Unternehmen wird dabei beruhigen, dass nur 18 Prozent lügen, um erhebliche Fehler zu verbergen. Immerhin 23 Prozent verbreiten "Jupp, ist erledigt!"-Nachrichten über verpennte Aufträge, und immerhin 43 Prozent wissen die falsche Krankmeldung per E-Mail zu schätzen. Ist ja auch einfacher, als am Telefon zu krächzen und zu stöhnen.

Großer Anstieg des Spam-Aufkommens

Im vergangenen Monat stieg das ohnehin schon hohe Spam-Aufkommen noch einmal um 35 Prozent und überraschte mit diesem Wachstum sogar die Experten. Damit sind 90 Prozent aller E-Mails im Netz lästige Werbung - nächstes Jahr könnte es noch schlimmer kommen. Neue Spam-Techniken, die zum Beispiel Bilder statt Text einsetzen und auf Bot-Netzwerke zurückgreifen, machen es IT-Sicherheitsunternehmen immer schwerer, der nervigen Flut etwas entgegen zu setzen.

David Mayer, Virenexperte von IronPort, meinte dazu gegenüber Neowin.net, das sei vor allem ein Problem der Reaktionszeit. Die Sicherheitsunternehmen brauchten Zeit, ihre Software um die entsprechenden Regeln zu erweitern, aber Spammer könnten mit ihren Bot-Netzwerken binnen Stunden mächtige Attacken durchführen. Wie Sicherheitsunternehmen diesen Vorsprung aufholen können, ist nun die große Frage.

Vaporware 2006

Wenig Überraschungen gibt es bei den diesjährigen Vaporware-Awards ("Luftnummer-Preise") von Wired.com. Die Liste der zehn sehnlich erwarteten, aber 2006 auch schmerzlich vermissten Produkte besteht aus den üblichen paar Spielen und Gadgets. Überraschende Ausnahmen: Der Airbus A380, ein iPod-Killer an sich und - der Duke.

Seit fast zehn Jahren verschiebt Spiele-Hersteller 3D Realms die Neuauflage des legendären Shooters um den reichlich coolen Action-Proleten Duke Nukem immer wieder. Wired.com verlieh ihm 2003 zwar schon den Vaporware-Award fürs Lebenswerk - in der Hoffnung, die Duke-Posse möge ein Ende finden - aber 2006 scheint in Sachen Vaporware einfach ein wenig zu gut gelaufen zu sein. Genauer: Die Verschiebungen innerhalb des Jahres waren wohl größer als die Verschiebungen über das Jahr hinaus. Der meiste angekündigte Kram erschien dann am Ende wirklich.

Wii schlachtet die PS3 im Weihnachtsgeschäft

Schon jetzt ein Kult-Spielgerät: Die Wii lebt nicht von protziger Tech-Power, sondern von pfiffigen Spielen - und ihrer unkonventionellen Steuerung
DPA

Schon jetzt ein Kult-Spielgerät: Die Wii lebt nicht von protziger Tech-Power, sondern von pfiffigen Spielen - und ihrer unkonventionellen Steuerung

Die endgültigen Zahlen sind da und beweisen: Im amerikanischen Weihnachtsgeschäft hat Nintendos Wii die Schlacht der Konsolen der nächsten Generation haushoch gewonnen: Wii schlachtet PS3, titelt TGDaily.com. Für jede Playstation 3, so Times Online, gingen zwei Wii über die Ladentheke. Wohlgemerkt: Eine voll ausgebaute PS3 kostet in etwa dreimal so viel, wie ein Standard-Wii für 300 Euro (inklusive eines zweiten Controller-Sets) - das für die Sony-Konsole eigentlich obligatorische HDTV-Gerät ist da nicht einmal mit eingerechnet.

Doch neben dem Preis könnte laut eines Gartner-Analysten noch etwas anderes für den Erfolg des Wii verantwortlich sein: "Nintendos Titel sind familienfreundlicher und machen mehr Spaß."

Letztlich scheint auch Nintendo von den guten Verkaufszahlen überrascht: Der aktuelle Mangel an Wii-Konsolen wird noch bis März 2007 anhalten, hat PCMag.com erfahren.

Was allerdings nicht vergessen werden darf: Die kritisch begrüßte Xbox 360 trägt immer noch die Next-Gen-Krone. So plante zum Beispiel der Spielwarenhändler Toys "R" Us für die Weihnachtsvorwoche in seinen 587 US-Shops über 6000 PS3s, tausende Wiis aber 30.000 Xbox-360-Geräte ein.

Übrigens: Nach Informationen der Digitimes.com wird Microsoft erst MItte 2007, statt wie geplant Anfang des Jahres die neuen, leiseren Xbox 360 ausliefern können. Dank 65nm-Herstellungstechnik sollte die neue CPU der Konsole kühler laufen - und damit weniger Lüftung benötigen. Und die ist wohl der Hauptgrund für die turbinenartigen Arbeitsgeräusche der Xbox 360.

Sun veröffentlicht Desktop-Alternative

Mit Hand und Fuß durch Files und Folder, so stellte sich Steven Spielberg einen anständigen Desktop der Zukunft vor (siehe "Minority Report"). Erst Mac OSX, jetzt auch Windows Vista versuchen den Visionen wenigstens ein bisschen nahe zu kommen. Harmloses Pseudo-3D und seidiges Glitzerbunt sollen richten, was jahrzehntelang völlig ignoriert wurde: dass Computer und Betriebssysteme für den normalen Anwender eigentlich untragbar sture, fehleranfällige und zudem noch völlig mysteriöse Blackboxen sind.

Die plattformunabhängige Desktop-Alternative Looking Glass 3D von Sun versucht dem etwas entgegenzusetzen. Das Open-Source-Projekt ist eine echte 3D-Umgebung, die neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen User und Computer ausloten soll. Das nun veröffentlichte stabile Installer-Paket (53 MB) bringt das Java Dev-Kit und die 3D-Engine Java3D gleich mit und beinhaltet damit alles, was der Looking-Glass-3D-Desktop zum Betrieb braucht. Er läuft auf Linux, Solaris und Windows, ein 1,5-GHz-Rechner mit 512 MB RAM und einer 3D-Grafikkarten haben genug Kraft, die intuitive aber noch nicht restlos stabile Oberfläche zu betreiben.

Codecsammlung für den Mac

Für Windows gibt es haufenweise Codec-Packs, die quasi alle erdenklichen Video- und Audio-(De)Komprimierer in einem gemeinsamen, ständig auf dem Laufen gehaltenten Download bündeln - zum Beispiel den K-Lite Codec Pack . Für den Mac sah es in Sachen Codecs bisher recht mau aus - Grund genug für Blogger Shaun, die wahrscheinlich erste solche Sammlung für OSX zusammenzustellen. Funktioniert allerdings nur auf den neuen Macs mit Intel Core(Duo)-Prozessor.

Apple fixt iTunes-Problem, warum Piraterie erfolgreicher ist als legale Videodownloads, die Geschichte eines Irakkrieg-Blogs, Samsungs neuer Mobilespeicher und zehn Jahre Schachmatt für indischen Schach-Schummler.

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