Netzwelt-Ticker Fehler im Wikipedia-Logo

Die US-Behörde NSA belauscht zwar den weltweiten Datenstrom, hat aber oft keinen Strom für die Heizung. Tausende US-Webradios betreiben "stillen Protest" gegen Rundfunkgebühren. Im Wikipedia-Logo finden sich Phantasie-Buchstaben. Dies und mehr im Netzticker.

Von Sönke Jahn


Buchstabensalat bei Wikipedia

Das Logo der freien Enzyklopädie Wikipedia ist nicht ganz korrekt: Auf jedem der Puzzlesteine des stilisierten Erdballs steht ein Schriftzeichen aus einem anderen Alphabet - Japanisch, Klingonisch, Sanskrit, Kyrillisch, alles dabei. Der Haken: Einige der Zeichen bedeuten nichts, berichtet die "New York Times". In den Augen von Gestalter Paul Stansifer ist das Logo der nichtexistenten Buchstaben ein Statement dafür, dass die Website nach wie vor "under construction" ist.

Wikipedia-Logo: "Dateivorlage verschollen"
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Wikipedia-Logo: "Dateivorlage verschollen"

Auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sieht die Fehler ganz entspannt: Weil jeder zu Wikipedia beitragen könne, passierten eben Fehler; diese werden jedoch von anderen Usern entdeckt und korrigiert.

Genau da aber liegt das Problem: Eingebaut hat die Fehler vor mehr als zwei Jahren der Computerwissenschaftler und Linguist David Friedland. Dem nämlich war das Logo nicht hübsch genug, er gestaltete den Globus daraufhin etwas plastischer, verfälschte ein paar Schriftzeichen. Heute sagt er: "Ich kann's nicht mehr ändern." Die Dateivorlage sei seit seiner Studentenzeit verschollen, und alle Versuche, das Logo komplett neu zu bauen, seien misslungen.

NSA spioniert stromlos

Oje. Bei der NSA, der US-Abhörbehörde, die den weltweiten Datenstrom belauschen soll, kommt kaum noch Strom aus der Steckdose – jedenfalls nicht mehr genug, um den riesigen Laden am Laufen zu halten. Die Leitungen glühen, die "Baltimore Sun" berichtet von stundenlangen Stromausfällen, die die enormen Computeranlagen lahmgelegt haben. Nötige Investitionen in neue Spionagetechnik seien nicht möglich, weil diese nur noch mehr Energiehunger, noch mehr Wärme produzierten, was wiederum größere Klimaanlagen erforderlich machte. Missmanagement an höchster Stelle habe verhindert, diese bereits seit 1998 absehbaren Probleme zu vermeiden, heißt es. Im nun anstehenden heißen Sommer werde sich die Energiekrise noch zuspitzen. Bereits letzten Sommer mussten zu Spitzenlastzeiten ganze Systeme abgeschaltet werden. Klimaanlagen in den Büros wurden stillgelegt; im letzten Winter sollen Mitarbeiter in Handschuhen am Schreibtisch gesessen haben, weil die Heizung abgestellt werden musste.

Bildt-Blog diskreditiert

Wie die "taz" meldet, wird gegen den schwedischen Außenminister Carl Bildt offiziell wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ermittelt: In Carl Bildts Blog wimmle es nur so von rassistischen und volksverhetzenden Kommentaren unbekannter Autoren. Seit März sei er wiederholt öffentlich darauf hingewiesen worden, unternahm aber nichts gegen entsprechende Einträge.

In Schweden sind radikale Äußerungen umgehend von der Webseite zu entfernen. Erst letzten Donnerstagnachmittag habe Bildt begonnen, einschlägige Einträge zu löschen. Und das erst, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen aufgenommen hat.

Die verspätete Entfernung der fraglichen Kommentare entschuldigte Bildt damit, dass in seinem Blog – einer der populärsten Schwedens - mittlerweile 13.000 Kommentare zu seinen Beiträgen geschrieben worden seien. Die "besonders unpassenden" Kommentare habe er schlicht "übersehen".

Stiller Protest im Internet-Äther

Einige tausend Webradios in den USA zelebrieren morgen einen "Tag der Stille". Nicht als Kunst-Projekt, sondern um gegen eine massive Erhöhung Lizenzgebühren zu protestieren. Die soll ab 15. Juli vom staatlichen Copyright Royalty Board (CRB) erhoben werden, angeblich rückwirkend zum 1. Januar 2006.

Diese Neuregelung dürfte vor allem kleineren Internetstationen das Genick brechen, befürchtet Mit-Veranstalter Kurt Hanson. Aber auch den großen US-Radiostreamern wie Yahoo! Launch, MTV Online, Rhapsody oder Radioio schmerzen höhere Abgaben. Die großen Betreiber kündigten an, sich dem stillen Protest anschließen zu wollen - der so still übrigens nicht sein wird: Man werde vor allem Endlosschleifen abspielen und die Hörer dazu auffordern, Protestmails an Abgeordnete zu schreiben. So hofft man, die Abgabenerhöhung abwenden zu können. 2002 hat dieses Vorgehen bereits funktioniert. Auch in Deutschland ist der Betrieb eines Internetradios mittlerweile ein teurer Spaß, schon der Weg zu einem mehrere hundert Euro teuren Mini-Senderecht wurde von den Rechteinhabern mit Anträgen und Formularen gepflastert.

Video-Kontext-Werbung bei Blinkx

Anders als Google Video und auch YouTube bietet die Videosuchmaschine Blinkx eine überaus nützliche Volltextsuche für ihre angeblich über zwölf Millionen Stunden Videomaterial an. Sie wertet nicht nur die händisch eingegebenen Metadaten der jeweiligen Clips aus, sondern nutzt zudem angeblich ausgereifte Spracherkennungstechnologien ( SPIEGEL ONLINE berichtete). "News.com" kündigt nun eine neue Geschäftsidee der Blinkx-Betreiber an: Ab heute will man kontextbasierte Anzeigen für die Videos verkaufen. Reklametreibende sollen ihr Produkt zukünftig mit einem zielgenau platzierten Werbefilm im Blinkx-Player präsentieren.

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