Netzwelt-Ticker Frauen, wo seid ihr?

Immer weniger Frauen lassen sich in Informations- und Kommunikationstechnologie ausbilden, murrt die EU. Dabei, glaubt Kommissarin Viviane Reding, könnten die für Schwung in der Branche sorgen. Außerdem im Überblick: Neuer HD-Hack, Wikipedia prüft Zeugnisse und mehr.


Nachwuchs gesucht

In Europa droht ein akuter Fachkräftemangel im Techniksektor. Anlässlich des Weltfrauentages stellte EU-Kommissarin Viviane Reding in Brüssel aktuelle Statistiken vor, nach denen der Anteil der Frauen in den Tech-Branchen in den letzten Jahren sogar rückläufig war. So sei der Anteil weiblicher Informatik-Absolventen von 1998 auf 2006 von 25 Prozent auf magere 22 Prozent gefallen.

Weil es im Rest der Welt deutlich besser aussieht, drängt Reding auf mehr weibliches Engagement: Zum einen verspräche die Kreativität der Frauen neuen Schwung für die Branche, zum anderen drohe der ja auch akuter Nachwuchsmangel. Ein Problem, das sich über mehr Frauen in der IT lösen ließe.

HD-Hacks in Serie

Bei dem Versuch, den Kopierschutz von HD-Filmen zu knacken, führen offenbar viele Wege nach Rom. Nach ersten Hacks von HD-DVD- und Blu-ray-Kopierschutzschlüsseln demonstrierte ein Hacker nun eine neue Methode, an die kostbaren Inhalte heran zu kommen. Der Hack gelang offenbar durch das Knacken von Schlüsseln, über die der Hacker durch das Knacken eines Software-Players heran kam, wie einem Posting im Doom9-Forum zu entnehmen ist.

Der aktuelle Hack wird für die Anbieter von HD-Filmen kein permanentes Problem darstellen, ein Update der Softwareplayer dürfte die Lücke bald wieder schließen. Doch Ars Technica sieht darin einen weiteren Tropfen, der den Stein HD-Kopierschutz auf Dauer höhlen dürfte: Je mehr Kopierschutz-Schlüssel geknackt würden und je mehr Erfahrung die Hacker dabei sammeln, desto wahrscheinlicher werde es, dass sie das komplette AACS-Kopierschutz-System knacken werden.

Babelgum statt Joost

Was man gemeinhin über Busse sagt, trifft leicht abgewandelt durchaus auch auf das Thema IPTV zu: Erst wartet man ewig auf ein Programm für Internet-Fernsehen - und dann kommt gleich ein ganzer Haufen auf einmal. Nach dem mit viel medialen Tamtam begleiteten Joost (gesprochen: tschuust) will nun auch Silvio Scaglia, zweitgrößter Aktionär des italienischen Providers Fastweb, mit seinem IPTV-Tool Babelgum auftrumpfen. The Register sieht erstaunliche Parallelen zwischen beiden Programmen. Die unterschieden eigentlich vor durch die Art ihrer Finanzierung – und wie frei Inhalte-Zulieferer sind.

Wer auf IPTV nicht warten will und nicht nur edle Inhalte sucht, sollte einmal einen Blick auf den Democracy Player werfen. Der abonniert RSS-Streams mit Videoinhalten (zum Beispiel von YouTube) und spielt die auf Wunsch ab. Sehr einfach zu handhaben, kostenlos und open source.

Samsung stellt Hybrid-Festplatte vor

Samsung stellt als erster Hersteller eine Hybrid-Festplatte vor (Hybrid Hard Drive, HHD), die herkömmliche Festplattentechnik und Flash-Speicher zusammenführt. Der Flash-Speicher wird dabei als großer Cache benutzt, was zu halbierten Boot-Zeiten, einer kürzeren Aufwachphase aus dem Schlafzustand und niedrigerem Stromverbrauch führen soll.

Damit ist die HHD besonders interessant für mobile Anwendungen, was auch aus Samsungs ersten Modellen ersichtlich wird: Die ersten Festplatten dieser Art sollen unter der Serienbezeichnung MH80 in drei Modellen auf den Markt kommen: im 2,5 Zoll Format mit 80, 120 oder 160 Gigabyte. Jede Platte ist mit 128 oder 256 MByte OneNAND-Flash-Speicher ausgestattet. Zu den Preisen war nichts in Erfahrung zu bringen, Samsung kündigte OEM-Kunden jedoch an, sofort liefern zu können.

Einen wichtigen Mangel hat HHD jedoch: Die Vorzüge der Festplatte kommen nur unter einem Betriebssystem zum Zuge, das diese auch unterstützt. Laut Golem.de sei das bislang jedoch nur unter Windows Vista mit "ReadyDrive" verwirklicht.

Südkorea entwickelt Roboter-Ethik

Satte 57 Jahre ist es her, dass der Schriftsteller Isaac Asimov seine drei Gesetze der Robotik entwarf:

  • Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  • Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel Eins kollidieren.
  • Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel Eins oder Zwei kollidiert.

Ein feiner Ansatz, aber vielleicht nicht genug: Asimovs Gesetze dienen in erster Linie dem Schutz des Menschen vor dem Robot. Teil seiner Utopie war schließlich auch die düstere Vision einer

Politisch hoch korrekt hat die südkoreanische Regierung laut BBC nun eine Kommission eingesetzt, weitere Richtlinien im Umgang mit und bei der Produktion von und mit Robotern zu entwickeln. Fünf Experten, darunter ein Science-Fiction-Autor, sollen sich darüber Gedanken machen, "welche Rollen und Funktionen Roboter erfüllen sollen, nachdem erwartet wird, dass sie in naher Zukunft eine starke Intelligenz entwickeln werden", so das südkoreanische Ministerium für Handel, Industrie und Energie.

Das dürfte dann hoffentlich auch verhindern, dass Roboter von Menschen gehänselt, verspottet und nicht ins Freibad gelassen werden.

Dell-Kunden meutern gegen Microsoft

Für den Computerversender Dell ist der direkte Draht zum Kunden lebenswichtig: Als Hersteller, der ausschließlich direkt verkauft, muss er allein durch seine Produkte und Services überzeugen - auf die unterstützende Beratung durch eifrige Verkäufer kann er sich nicht stützen. Umso wichtiger für Dell, heraus zu finden, was die liebe Kundschaft wirklich will.

Und so was macht ein Internet-Versender natürlich per Web-Umfrage. Was Dells Kunden in einer aktuellen Umfrage häufiger als alles andere wünschten, war eine Alternative zu Microsofts Windows. Über 100.000 entsprechende Aussagen habe Dell laut Reuters erhalten. Nun erwäge Dell, seinen Kunden in Zukunft Linux als Alternative anzubieten.

Der zweitgrößte Wunsch der Dell-Kunden: Eine Alternative zu Microsofts Office-Paket, namentlich OpenOffice, der Open-Source-Alternative zu Word, Excel, PowerPoint, Access und mehr. Zeichen der Zeit - oder nur typischer Ausdruck der bekannten Open-Source-Affinität web-versierter Zielgruppen?

Wikipedia überprüft Zeugnisse

Als Antwort auf den Trubel um einen falschen Professor im ehrenamtlichen Expertenstab von Wikipedia hat Gründer Jimmy Wales eine Änderung der Wiki-Regeln angekündigt. Auch künftig dürfe man zwar weiterhin anonym Beiträge verfassen. Wer sich jedoch auf seine eigene Expertise berufe, müsse diese fortan auch beweisen können.

So ein Vorgehen schlug Wales laut AP bereits vor zwei Jahren vor. Aber erst jetzt scheint dessen Wichtigkeit erkannt, nachdem bekannt wurde, dass hinter dem aktiven und angesehenen Wikipedia-Zuarbeiter Essjay kein Theologie-Professor, sondern ein 24-jähriger Studienabbrecher steckt.

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