Netzwelt-Ticker Geheimagenten-Gift im Webshop

Die Suche nach der Quelle der Substanz, mit der der ehemalige russische Agent Alexander Litwinenko vergiftet wurde, könnte kompliziert werden: Der gefährliche Stoff ist sogar im Web zu haben. Außerdem: per Gesetz gegen AllofMP3, Opera Mini 3 ist da, Universal will Geld und mehr.

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Wer sich den Kopf darüber zermartert hat, auf welchen verschlungenen Wegen die Mörder des russischen Ex-Agenten wohl das hochgiftige Polonium 210 aus einem osteuropäischen Reaktor entwendet und nach London geschmuggelt haben, wird vom "San Fransisco Chronicle" in die Gegenwart zurück geholt. Das radioaktive Polonium 210, welches laut "Chronicle" 100 Milliarden-mal giftiger ist als Zyanid, muss man heute nämlich nicht schmuggeln. Man bestellt es einfach online und lässt es vom UPS-Mann bringen.

Sonderbares Angebot: Radioaktive Isotope aus dem Webshop - "Sorry, no international Sales!"

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Für 69 US-Dollar pro Portion bietet es der Physiker und UFO-Fan Bob L. in seinem Webshop an. Vollkommen legal, wie das Blatt anmerkt, denn in den USA ist der Handel mit kleinen Mengen radioaktiver Substanzen ohne spezielle Genehmigung erlaubt.

Aus den Werbetexten der Webseite: "All isotopes are produced fresh in a Nuclear Reactor and shipped directly to you from the NRC licensed isotope manufacturer."

Die US-Atomwaffenschmiede Lawrence Livermore National Laboratory versucht dem "San Francisco Chronicle" zufolge herauszufinden, welche Dosis Polonium-210 man braucht, um einen Menschen zu töten. Doch selbst wenn man zu einem Ergebnis komme, werde man es nicht veröffentlichen, betonte der Livermore-Physiker Gary Mansfield: Man wolle den bösen Buben nicht auch noch das Rezept liefern, mit dem sie anderen Schaden zufügen könnten.

In England ist man da offenbar weniger zimperlich. Die Royal Society of Chemistry hat schon vor einigen Tagen detaillierte Informationen über Polonium-210 veröffentlicht. Demnach reicht schon ein Mikrogramm der Substanz - was in etwa einem Staubkorn entspreche - aus, um einen Menschen umzubringen. Allerdings nur, wenn es eingeatmet oder geschluckt wird: Weder Polonium-210 selbst noch seine radioaktive Alphastrahlung kann die menschliche Haut durchdringen.

Opera Mini 3.0

Die neue Version 3.0 des Handy-Browsers Opera Mini beherrscht endlich das sichere Übertragungsprotokoll https. Damit sollen künftig vom Handy aus sichere Verbindungen zu Mail- und Homebanking-Servern möglich sein. Außerdem versteht sich die Software jetzt darauf, RSS-Feeds abzurufen. Mit einer als "Content Folding" bezeichneten Technologie will der norwegische Browser-Hersteller zudem komplexe Webseiten und tief verschachtelte Menüs besser auf kleinen Handy-Displays abbilden. Das Highlight der neuen Software dürfte allerdings die "Photo Sharing"-Funktion sein. Mit deren Hilfe soll man Fotos der Handy-Cam in wenigen Schritten auf ein Weblog oder in ein Forum laden können. Wie gehabt steht die Software weiterhin kostenlos zum Download bereit und läuft auf einer Vielzahl Java-fähiger Mobiltelefone.

Universal will iPod-Abgabe

Wie "paidcontent.org" berichtet hat Doug Morris, Chef der Universal Music Group, auf dem Reuters Media Summit so einiges von sich gegeben, das unter anderem die Damen und Herren bei MySpace interessieren dürfte. Zum Beispiel die Hoffnung, bald mit MySpace zu einer Einigung in Urheberrechtsfragen zu kommen - und zwar außergerichtlich, zugunsten von Universal, doch für MySpace bezahlbar, weil jedes Urteil gegen MySpace für die Social-Networking-Seite ja wohl kaum zu verdauen sein werde.

Universal hatte das Portal aufgrund andauernder Copyright-Verletzungen verklagt. Sehr vernünftig scheint auch Morris’ Apell an die Betreiber der Mobilfunk-Netze, die Preise für mobile Musik-Downloads zu senken. Nach seiner Ansicht ist die Annahme der Netzbetreiber falsch, die Anwender seien bereit, deftige Aufpreise für den Komfort zu zahlen, Musik jederzeit und überall aufs Handy laden zu können. Wirkliches Aufsehen erregte er jedoch mit der Äußerung, er sei geneigt, auch Apple zur Zahlung einer pauschalen Lizenzgebühr pro verkauftem iPod zu verpflichten.

Mit Microsoft hat dieser Trick ja bereits funktioniert. Für jeden Zune MP3-Player den der Konzern verkauft erhält Universal einen US-Dollar. Angesichts der mäßig erfolgreichen Abverkäufe des Microsoft-Players wohl kaum ein sonderlich lohnendes Geschäft. Ein Deal mit Apple dürfte da erheblich einträglicher sein. Schließlich gingen allein im letzten Apple-Geschäftsjahr, das am 30. September endete, rund 39 Millionen iPods weltweit über die Ladentheken.

Das Aus für AllofMP3?

Die Einschläge kommen näher. Zumindest für die russischen MP3-Grossisten von AllofMP3.com. Einem Dokument zufolge, dass auf der Website des US-Handelsministeriums aufgetaucht ist, will die russische Regierung bis zum 1. Juni 2007 ein Gesetz verabschieden, das Websites, die internationales Urheberschutzrecht verletzten, den Garaus machen soll. Als Beispiel wird explizit AllofMP3.com genannt. Zusätzlich will man auch die Massenproduktion illegaler optischer Datenträger unterbinden und in etlichen anderen Bereichen zu internationalen Standards aufschließen. Damit, so "Betanews", soll der Weg zur Aufnahme Russlands in die Welthandelsorganisation WTO geebnet werden.

Du bist der Draht

Kabelverbindungen sind out. Online geht man lieber per WLAN, das Headset wird via Bluetooth ans Handy gekoppelt und schnurlose Telefone findet man sowieso in jeder Hütte. Selbst für MP3-Player gibt es schon drahtlose Adapter zum Kopfhörer. Allerdings gibt es auch einige Menschen, die fürchten, die elektromagnetischen Felder, mit denen man die Kabel von gestern heutzutage ersetzt, könnten schädliche Wirkungen auf den Menschen haben.

Sony scheint nun eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben. Zumindest was MP3-Player angeht. Einem Bericht auf "TechWeb" zufolge hat der japanische Konzern ein Patent auf eine Technologie angemeldet, die den menschlichen Körper als Kommunikations-Medium und -Gerät nutzt. Hört sich erstmal komisch an – und ist es auch.

Durch Spezialkleidung aufgeladen, soll der Körper dabei als Kondensator dienen, durch den elektrostatische Ladungen von einem Sender zu einem Empfänger geleitet werden. Beispielsweise, um Musik vom Player zu den Kopfhörern zu leiten. "TechWeb" gibt an, Sony beziffere die Übertragungsrate des Körpers mit 48 Kilobit pro Sekunde. Ob sich dieser Wert nach erhöhtem Alkoholkonsum, bei Fettleibigkeit oder während der Schwangerschaft ändert, ist nicht angegeben. Ja, ist denn schon April? Oder meinen die das tatsächlich ernst?

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