Netzwelt-Ticker Google vermehrt sich

Gleich vier neue Services stellte Google auf seinem "Pressetag" vor. Entgegen aller Gerüchte war nichts Gesundes dabei. Außerdem im Überblick: Mutti soll Handy-Daddeln, Präsident Putin wird Verteidiger des Urheberrechts, YouTube wird mobil, Festplatten bald flüssig und mehr.

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Vier Neue von Google

Um den diesjährigen Pressetag bei Google rankten sich im Vorfeld viele Gerüchte. Insbesondere die Geschichte von einem Google Health wurde reichlich heruntergebetet. Genützt hat es nichts, denn herausgekommen sind vier ganz andere Anwendungen. Zunächst einmal wäre da Google Desktop, das in seiner vierten Version nicht nur mit neuen Funktionen aufwartet. Stattdessen wurde die Software enger mit anderen Google-Produkten wie etwa dem Google-Kalender verknüpft. Zudem, so schreibt "CNet", kann man der Software nun auftragen, automatisch eine Homepage zu erstellen. "Es hat herausgefunden, dass ich ein Film-Fan bin, eBay nutze und gerne reise," beschreibt Google-Managerin Marissa Mayer ihre Erfahrungen mit dem neuen Produkt. Das kann man gut finden, muss man aber nicht.

Eingewickelt: Die Google-Entwickler Larry Page (unten) und Sergey Brin (oben) spinnen weiter am Google-Netz
AP

Eingewickelt: Die Google-Entwickler Larry Page (unten) und Sergey Brin (oben) spinnen weiter am Google-Netz

Als weitere Neuheit wurde ein virtuelles Notizbuch gezeigt, mit dem man zum Beispiel Suchergebnisse, Bilder und Texte organisieren oder per E-Mail verschicken kann. "Google Trends" hingegen zeigt zu beliebigen Begriffen an, wie häufig sie abgefragt werden. Einige Statistik-Funktionen ermöglichen dabei eine genaue Auswertung nach Regionen, Sprachen oder Ländern. Marketing-Menschen werden's lieben. Die Funktionsweise von "Google Co-op" hingegen ist wieder ganz auf Endanwender ausgerichtet. Mit diesem Tool kann jeder, der sich dazu berufen fühlt, Google darum bitten, eine bestimmte Website als besonders relevant zu einem bestimmten Thema zu markieren. Als Resultat würde jene Website besonders prominent in Suchergebnissen auftauchen. Klingt nach Google 2.0 - frei nach Web 2.0.

Mach dein Mobiltelefon zur Werbefläche

Den Namen JCDecaux kennt man von Bushaltestellen und Werbeflächen. Nun könnte es bald so weit sein, dass man ihn auch auf dem Handy-Display zu sehen bekommt. Die Idee stammt aus Frankreich und soll auch dort erprobt werden. Kleine Sender an Bushaltestellen und Werbetafeln werden laut einem Artikel von "ars technica" dazu genutzt, personalisierte Werbebotschaften auf das Mobiltelefon zu senden, sobald man an ihnen vorbei läuft. Anfang des Jahres hatte die Berliner Wall AG eine ähnliche Reklametechnik vorgestellt. Der Clou bei JCDecaux: bevor es funktioniert, muss man sich für dem "Dienst" anmelden. Da den Planern wohl klar ist, dass sich kaum jemand freiwillig auch noch das Handy vollspammen lässt, sollen Kunden mit kostenlosen Klingeltönen, Musik, Videos oder Einkaufsgutscheinen gelockt werden. Klappt bestimmt.

Mutti spielt am Handy

Das Wachstum der Handy-Games-Branche wird sich verlangsamen. Das kann nicht weiter schlimm sein, möchte man meinen. Schließlich erwartet die Branche in diesem Jahr Umsätze in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar und hat in den vergangenen Jahren fulminante Wachstumsraten hingelegt. Aber es nützt alles nichts, neue Märkte müssen her – meint zumindest das Wireless World Forum. In einem Bericht mit dem hübschen Namen "Den Nutzer mobiler Spiele verstehen" wird den Produzenten der Spiele empfohlen, sich nicht mehr wie bisher auf eine vornehmlich junge, männliche Kundschaft zu konzentrieren. Stattdessen habe man Frauen mittleren Alters als künftiges Ziel-Publikum ausgemacht. Ist ja auch logisch, meinen die Autoren in einer Pressemeldung, schließlich sei ja der Frauen-Anteil an der Online-Bevölkerung in letzter Zeit auch überproportional gestiegen. Graham Brown, CEO des Wireless World Forum, erwartet eine ähnliche Entwicklung auch bei den Daddel-Damen und geht sogar davon aus, dass es in diesem Jahr weltweit betrachtet erstmals mehr weibliche als männliche Gamer geben wird. Das wird bestimmt nett.

Kommt Vista-Beta 2 am 27. Mai?

Wer sich selbst ein Bild vom – früher oder später – kommenden Windows Vista machen möchte, könnte bald Gelegenheit dazu bekommen. Nach Informationen von "Windows IT Pro" plant Microsoft, eine als Beta 2 bezeichnete Vorabversion ab dem 27. Mai an interessierte Nutzer zu versenden. Bereits einige Tage vorher, am 23. Mai, sollen dem Bericht zufolge Entwickler in den Genuss des neuen Betriebssystems kommen. Mit der Herausgabe der öffentlichen Beta will Microsoft demnach demonstrieren, wie weit man mit der Entwicklung bereits ist und damit Gerüchte aus der Welt räumen, die Auslieferung von Vista würde sich erneut verzögern.

Adobe will Ajax einfach machen

Die Ajax-Technologie steht bei Betreibern interaktiver Webdienste derzeit hoch im Kurs. Populäre Seite wie etwa Google Maps oder die Online-Textverarbeitung AjaxWrite  basieren darauf. Die bisher noch recht hohen Hürden bei der Erstellung solcher Sites will der Software-Hersteller Adobe heute mit einer Vorabversion der Entwicklungsumgebung "Spry" aus dem Weg räumen. Damit sollen Entwickler Ajax-Seiten bauen können, ohne neue Programmiersprachen oder Techniken erlernen zu müssen. "Das ist sehr leicht und flexibel," gab Jennifer Taylor, Produkt-Managerin bei Adobe, gegenüber "InfoWorld" zu Protokoll. Hoffentlich stimmt’s, denn dann dürften sich demnächst noch viel mehr Anbieter mit schnellen interaktiven Angeboten ins Web wagen.

Aus für russische Musik-Sites?

Das laxe russische Urheberrecht ermöglicht es einigen Anbietern, Download-Musik zu unerträglich günstigen Preisen anzubieten. Rechteinhaber im Westen sehen von diesen Profiten natürlich keinen Cent, was den Plattenfirmen schon seit langem ein Dorn im Auge ist. Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn die Lücken im Urheberrecht sind einer der Gründe, weshalb Russland die Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO verweigert wird. Das passt Präsident Putin offenbar gar nicht, weshalb er in einer Rede zur Nation sagte: "Wir müssen das Urheberrecht im Lande verteidigen. Das sind wir unseren ausländischen Partnern schuldig". Tja, das hört sich so an, als würde dem MP3-Wildwuchs im Osten bald ein Riegel vorgeschoben.

YouTube macht mobil

Was Flickr für Fotos ist, ist YouTube für Videos. Nach eigenen Angaben werden Tag für Tag 35.000 Videos auf die YouTube-Website geladen und anderen Anwendern verfügbar gemacht. Ab sofort geht das auch vom Handy aus. Registrierte Anwender können per Video-Handy oder –PDA erstellte Filme als MMS-Nachricht verpackt auf das Portal laden, heißt es bei MobileTracker. Eine hübsche Idee mit zwei Haken. So ist der Service seitens YouTube zwar kostenlos, zur großen Freude der Mobilfunk-Netzbetreiber fallen jedoch die üblichen MMS-Gebühren an. Viel schwerer jedoch wiegt, dass dieses Angebot derzeit nur in den USA und auch dort nur über die Netze von Cingular, Sprint, T-Mobile und Verizon Wireless Networks nutzbar ist.

Gaming-to-Go

Endlich hat das Gejammer der von Bandscheibenvorfällen lädierten LAN-Party-Liebhaber ein Ende. Notebooks werden Gamer-tauglich. Hochgerüstete und zentnerschwere PC-Boliden können künftig zuhause bleiben. Das zumindest suggeriert eine Meldung des auf Gaming-PCs spezialisierten Herstellers Alienware, der auf der Spielemesse E3 erstmals ein Notebook mit Doppel-Grafikkarte vorführt. Damit dürften die Aurora mALX und Aurora m9700 getauften Laptops das letzte Hindernis für mobiles Highend-Gaming aus dem Weg geräumt haben. In beiden Geräten schaufeln jeweils zwei nVidia-Grafikkarten vom Typ GeForce Go 7900 die Pixelmassen zum Bildschirm. Im Falle des 17-Zoll-Notebooks M9700 genügt dafür die GS-Variante derweil das mALX mit seinem riesigen 19-Zoll Display die GTX-Version benötigt. Benötigt wird zudem eine prall gefüllte Geldbörse. Die Preise beginnen bei 2000 US-Dollar (mit nur einer Grafikkarte) und können mit zusätzlichen Optionen lässig auf weit über 5000 US-Dollar hochgeschraubt werden. Mit der Auslieferung will der Hersteller Mitte Juni beginnen.

Ein Glas Wasser und etwas Draht

"Stell Dir vor es gäbe einen Computerspeicher, der Daten so dicht packt, dass ein Kubikzentimeter 12,8 Millionen Gigabyte speichern könnte. Stell Dir einen iPod vor, der 100 Jahrtausende lang spielen könnte, ohne sich ein einziges Mal zu wiederholen, oder einen USB-Stick, auf den 32,6 Millionen DVD-Videos in voller Länge passen. Und jetzt stell Dir vor, man könnte all das erreichen, indem man eine Technologie aus den sechziger Jahren mit einem Glas Wasser sowie Draht von drei Milliardstel Millimetern Durchmesser kombiniert. Science Fiction? Nicht wirklich."

Mit dieser bildhaften Einleitung beginnt eine erstaunliche Pressemitteilung der Drexel University aus Philadelphia. Demnach haben Dr. Jonathan Spanier und seine Kollegen einen Weg gefunden, ferroelektrische Speicherbausteine im Nano-Maßstab zu realisieren. Bevor diese Technologie kommerziell nutzbar wird, so die Wissenschaftler, müssen allerdings noch einige Probleme hinsichtlich der Produktion solcher Speicher gelöst werden. Dann aber könne ihre Technologie sowohl Festplatte als auch die heutigen RAM-Speicher ablösen. Wann es soweit sein könnte, darüber schweigen sich Spanier & Co. allerdings noch aus. Hört sich trotzdem verlockend an.

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