Netzwelt-Ticker Handy bleibt beim Sex an

Junge Briten können nicht mehr ohne ihr Mobiltelefon - das gilt auch für den Paarungsakt. MTV will eine Art YouTube-TV starten. Und MySpace ist der Saft ausgegangen. Dies und mehr im aktuellen Nachrichtenüberblick.


Projekt Venice: Das Geheimprojekt der Skype-Erfinder

Der entscheidende Satz steht ganz am Schluss: Die Evolution des Fernsehens im Internet werde die Rechtsstreitigkeiten um Film und Musik im Netz nicht wiederholen. Es geht um das - vermutlich - neue Kind von Niklas Zennstrom und Janus Friis, die bereits mit Kazaa und Skype das Netz revolutionierten. Es geht um die Zukunft des Fernsehens, denn wie Businessweek erfahren haben will, sind die beiden drauf und dran, unter dem Projektnamen "Project Venice" TV Shows und andere Videos übers Internet zu verbreiten. Damit sind sie natürlich nicht allein, man denke nur an YouTube. Doch Zennstrom und Friis, so scheint es, wollen die kleinen Schritte, die YouTube im Moment in Sachen Lizenzierung und Deals mit Fernsehstationen macht, überspringen und gleich ins dicke Geschäft einsteigen. Kommentiert wird da im Moment noch nichts, die beiden sind beim Skype-Inhaber Ebay angestellt, Zennstrom wird von seinem Anteil der 1,5 Milliarden Dollar, die Ebay noch an die beiden auszahlt, einiges in das Projekt investieren und sonst nur ein wenig auf hoher strategischer Ebene planen, Friis soll ein Fünftel seiner Zeit ins neue Projekt investieren.

Sexanbahnung per SMS

Handy-Nutzerin: Alltag ohne Mobiltelefon nicht mehr vorstellbar
DDP

Handy-Nutzerin: Alltag ohne Mobiltelefon nicht mehr vorstellbar

Mehr als die Hälfte aller 18– bis 24-Jährigen in Großbritannien hat sich bereits einmal per SMS zu einem Date verabredet. Das geht aus einer Studie der Londoner School of Economics, dem Social Issues Research Centre und dem Gerätehersteller von The Carphone Warehouse hervor, aus der Heise.de zitiert. Für den Mobile Life Report 2006 (PDF), haben die Meinungsforscher 16.500 junge Erwachsene befragt, von denen 92 Prozent angaben, sich einen Alltag ohne Mobiltelefon nicht mehr vorstellen zu können. Vor allem, da sich die Mobiltelefonie zu einem Raum abseits normaler sozialer Regeln entwickelt habe, könnten sich die Menschen dort oft anders verhalten, als sie es sonst täten. Auch sonst enthält die Studie viel triviales Eh-schon-Wissen, wie The Register böse stichelt. Dass aber nur jeder Siebte sein Handy beim Sex ausschaltet, das hätte man sich dann doch nicht denken können. Oder etwa doch?

MySpace ohne Strom

Nicht nur in Deutschland ist es furchtbar heiß. Eine Hitzewelle hat zum zeitweiligen Ausfall der MySpace-Server in Los Angeles, Kalifornien geführt, wie das Unternehmen nun bekanntgab (AP). Der Strom wurde knapp, nachdem zu viele Leute mit Klimaanlagen gegen die Hitze vorgingen; ein typisches Problem in Nordamerika. Frustrierte MySpace-User mussten in der Zeit des Ausfalls aber nicht die Maus in die Ecke werfen. Eine Online-Version von Pac-Man half die Auszeiten, die bis zu sechs Stunden anhielten, zu überbrücken.

MTV bringt Uservideos ins Fernsehen

Flop oder große Chance? Nach den mehr oder weniger gescheiterten Versuchen könnte der ehemalige Musiksender MTV nun den elegantesten Weg zum interaktiven Fernsehen gefunden haben: YouTube für die Glotze! Unter dem Namen Flux plant MTV Networks, ab August einen Fernsehsender zu starten, der einzig von Usern gedrehte Videos und Nachrichten sendet. Hobbyfilmer können ihre eigenen Clips kostenlos hochladen, der Sender finanziert sich durch Werbung zwischen den Filmchen. Man wolle den Status Quo in Sachen TV-Programmgestaltung herausfordern, indem man die Kontrolle über die Sendungsinhalte dem Zuschauer übergibt, zitiert Imediaconnection.com einen Verantwortlichen von MTV Networks.

95 Thesen des Geek-Aktivismus

Geeks dieser Welt, vereinigt Euch und setzt Eure Interessen durch. Denn Eure Interessen sind die Interessen der Menschheit. Und da Ihr scheinbar keine Ahnung habt, was eure Interessen sind, sage ich es euch. Blogger Devanshu scheint mit seinen 95 Geek-Aktivismus-Thesen ins Schwarze getroffen zu haben. Sein Blog-Eintrag hat bereits 92 Kommentare, wird rund um die Welt zitiert. Kein Wunder, was vermeintlich locker und spaßig daherkommt, ist tatsächlich ein beinahe revolutionärer Aufruf zum Zusammenschluss. Millionen Geeks weltweit, die sich sicherlich auf die meisten der 95 Thesen einigen können, sollten ihre Stimme und Kraft zusammentun – klassische Geek-Probleme wie Netzneutralität, DRM-Verkrüppelung, Datenschutz und Abhörskandale fordern ein einheitliches Auftreten und eine laute Stimme.

"Geeks sind nicht gerade bekannt dafür, politisch oder lautstark zu sein (außerhalb unserer Zirkel) – das muss sich ändern, wenn wir wollen, dass sich die Lage verbessert. Hier ist also meine Liste all der Dinge, die jeder ... wissen sollte." Und dann geht es los … darunter auch folgende These:

"Lese die ursprünglichen 95 Thesen. Ja, sie sind für diese Sache irrelevant. Ja, sie sind religiös. Und ja, sie sind 500 Jahre alt. Aber sie zeigen, wie man die Welt verändern kann, wenn man nur klar und deutlich und öffentlich die Dinge, an die man glaubt, verlautbart und den Status Quo angreift."

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