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05. Januar 2007, 18:11 Uhr

Netzwelt-Ticker

Internet schadet Porno-DVDs

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Die Terabyte-Festplatte ist da, Word wird endlich volljährig, es gibt einen Tablet-Mac - aber nicht von Apple. Außerdem im Überblick: Wie das Internet der Porno-DVD schadet und wie Sandisk Festplatten richtig fest macht.

Die Porno-Industrie: ein Opfer des Internet

Die Porno-DVD, lange Jahre die Geld-Kuh einer ganzen Industrie, ist auf dem absteigenden Ast. Schuld, so „Red Herring" ist das Internet – natürlich. Denn, statt sich getreu dem Motto „support your local dealer“ beim Sexshop um die Ecke mit Nackedei-Filmchen einzudecken, bevorzugen immer mehr Kunden digitale Vertriebswege. Für insgesamt 2,8 Milliarden US-Dollar ließen sich US-Bürger im vergangenen Jahr mit Porno-Bildern, Live-Chats und Video-Streams versorgen. Die Umsätze mit Porno-Pay-TV stiegen um 400 Millionen US-Dollar auf 1,7 Milliarden, während die Umsätze aus dem DVD-Verkauf gleichzeitig um dramatische 15 Prozent einbrachen. Das hört sich nach wirklich harten Zeiten für Porno-Filmer an - oder wenigstens für Videotheken.

Auf Wiedersehen Megabyte, hallo Terabyte

Gute Nachricht für alle Daten-Sammler und –Jäger: Hitachi bringt die erste Terabyte-Festplatte auf den Markt. Für 399 US-Dollar, so „cNet“, soll das Deskstar-7K1000-Laufwerk noch in diesem Quartal in die Läden kommen. Insbesondere HDTV-Videoanwendungen sollen von der gigantischen Speicherkapazität profitieren. Schließlich, so rechnet Hitachi vor, benötigt HDTV mit vier Gigabyte pro Stunde viermal mehr Speicherplatz als Standard-TV. Die Viertelmillion MP3-Popsongs, welche auf ein solches Speichermonster passen, wird wohl kaum jemand ernsthaft benötigen. Stattdessen kann man sich mit der Terabyte-Festplatte ein grünes Gewissen erkaufen. Laut „cNet“ müssten 50.000 Bäume zu Papier gemacht werden, um die ein Terabyte (1000 Gigabyte) an Informationen analog zu abzulegen.

Sandisk bringt feste Festplatte

So richtig fest sind Festplatten ja eigentlich nicht. Schließlich rotieren im Inneren der Massenspeicher eine oder mehrere magnetisch beschichtete Scheiben. Beim Einsatz in Notebooks birgt dieses Prinzip zwei Probleme: Erstens reagieren solche Scheiben anfällig auf Stöße, und zweitens verbraucht der Antriebsmotor unnötig Strom. Mit der SSD UATA 5000 will der Speicher-Hersteller SanDisk beide Probleme auf einmal lösen. Anstelle eines rotierenden Mediums beherbergt die Platte in ihrem Inneren sogenannten NAND-Flash-Speicher. Man kennt das von den Speicherkarten in Digicams: Da bewegt sich nichts und der Speicherinhalt bleibt auch ohne Stromzufuhr erhalten. Mit dieser Technologie könnten Notebooks einen ordentlichen Leistungsschub erhalten. Mit einem Datendurchsatz von 62 MB pro Sekunde und einer durchschnittlichen Zugriffszeit von 0,12 Millisekunden ist Sandisks Lösung gut 100-mal schneller als rotierende Notebook-Massenspeicher. Gleichzeitig liegt der Stromverbrauch mit 0,4 Watt gerade bei der Hälfte dessen, was normale Laufwerke sich genehmigen. Einen Haken hat die Sache allerdings noch: Derzeit liegt die Kapazität bei mageren 32 Gigabyte, während der Preis auf üppige 600 US-Dollar angesetzt wird.

Word wird volljährig

Kaum zu glauben, aber Microsofts Textverarbeitung wird tatsächlich 18. Zumindest wenn man Microsofts offizieller Lesart folgt. Die gibt nämlich 1989 als Geburtsstunde vor. Damals wurde „Word für Windows“, meist „Win-Word“ genannt, eingeführt. Den Grundstein legte der Programmierer Charles Simonyi allerdings schon 1981, als er den Textprozessor Bravo entwickelte, aus dem zwei Jahre später Word für DOS hervorging. Die Macintosh-Version erschien 1985. Heute, so zitiert „eWeek“ einen Firmensprecher, wird Word, das mittlerweile in Microsoft Office aufgegangen ist, von 450 Millionen Anwendern weltweit genutzt. Glückwunsch!

Nicht von Apple: der Tablet-Mac

Wenn am kommenden Dienstag die jährliche Macworld Expo ihre Pforten öffnet, wird das Publikum den ersten Tablet-Mac bestaunen können. Allerdings nicht am Apple-Stand. Stattdessen kündigt das kalifornische Unternehmen Axiotron ein Gerät namens „Modbook“ an. Dabei scheint es sich um ein modifiziertes MacBook zu handeln, das Axiotron mit Hardware des Zeichentablett-Herstellers Wacom um die Möglichkeit der Bedienung per Stift erweitert hat. Optional, und am Mac ein Novum, soll auch ein GPS-Modul integrierbar sein. Über weitere Details, wie etwa die Prozessorleistung oder den Preis, hüllt das Unternehmen den Mantel des Schweigens.

Fujifilm macht auf SD

Pünktlich zu CES stellt Fujifilm eine Reihe neuer Digitalkameras vor. Darunter die Einsteigermodelle A610 und A800, die mit der bisher nur aus teureren Modellen bekannten Super CCD-Technologie ausgerüstet sind. Deutlich spannender ist allerdings die FinePix F40fd. Diese 8,3-Megapixel-Kamera glänzt mit einer Lichtempfindlichkeit von bis zu 2000 ISO und ist vor allem mit Fujifilms Gesichtserkennungstechnologie ausgestattet. Die soll bis zu zehn Gesichter in einem Motiv erkennen und Bildschärfe sowie Belichtung optimal darauf einstellen können. Interessant ist aber vor allem, dass alle drei Neulinge neben den seit Jahren von Fujifilm propagiertern xD-Cards auch SD-Cards als Speichermedium akzeptieren. Die offizielle Begründung dafür lautet, dass man Umsteigern, die bisher SD-Cards nutzten, den Wechsel zu einer Fujifilm-Kamera leichter machen will. Inoffiziell könnte man vermuten, dass sich die Festlegung auf die xD-Card gegenüber SD-Card-kompatiblen Modellen als Hemmschuh erwiesen hat.

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