Netzwelt-Ticker Klingeltöne statt Pornos

Mit Klingeltönen und Musik lässt sich viel mehr Geld verdienen als mit Sexfilmen - sagt ausgerechnet ein Anbieter schlüpfriger "Körperkunst". Außerdem im Überblick: Viel Gerede um DRM, Raubkopierer sind geständig, und SCO vermisst eine Bloggerin.


Ringtones oder Pornos?

Mit Klingeltönen und Musik für Handys wird man auch weiterhin mehr Geld verdienen können, als mit mobiler Pornografie und Handyspielen. Diese Ansicht, so schreibt "The Register", vertrat ausgerechnet Blake Fayling, seines Zeichens Manager bei "Brick House Mobile", einem britischen Anbieter für sogenannten Erwachsenen-Content auf dem 3GSM-Kongress in Barcelona. Dennoch scheint der Markt für winzige Brust-und-Bauch-Bildchen zu boomen. So berichtet Fayling, seine Firma habe im sich vergangenen Jahr von den Niederlanden aus über ganz Europa ausgebreitet. In den USA hingegen seien die Mobilfunk-Provider noch zu konservativ, so Fayling.

Pornofilme: Lieber grob gepixelt auf dem Handy als Detailreich auf der PC-Festplatte.
REUTERS

Pornofilme: Lieber grob gepixelt auf dem Handy als Detailreich auf der PC-Festplatte.

Gegenüber den hochauflösenden Videos, die man im Internet bekommen könnte, sieht Fayling einige Vorteile in mobilen Porno-Angeboten. "Indem sie die nicht-jugendfreien Inhalte auf ihr Handy laden, können Anwender ihr kleines schmutziges Geheimnis wahren," sagte Fayling.

Als wichtigste Zielgruppe für sein Angebot hat er die 18- bis 40-jährigen ausgemacht. Die würden sich Sexfilmchen und Bilder immer dann aufs Handy laden, wenn gerade gerade Leerlauf sei, also etwa in der U-Bahn oder auf dem Klo. Die Hauptverkehrszeit auf seinen Servern sei aber, wen wundert's, gegen Mitternacht.

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Warner-Boss verteidigt DRM

Steve Jobs ruft die Plattenfirmen dazu auf, DRM-Kopierschutzsysteme fallen zu lassen, EMI kündigt genau das an, Yahoo Music will sich bis Ende des Jahres an freien MP3s versuchen. Seitdem die großen Plattenfirmen das Thema DRM zumindest ansatzweise überdenken, weht ein frischer Wind durchs Musikgeschäft. Jetzt äußerte sich auch Edgar Bronfman, Kopf der Warner Music Group in einer Rede auf dem 3GSM-Kongress konkret zum offenem Brief von Steve Jobs. Wie Infoworld berichtet, will er die Themen DRM und Interoperabilität getrennt wissen: Man könne die von Jobs geforderte Verwendbarkeit von Musikfiles auf verschiedenen Audio-Playern auch mit DRM möglich machen. Dazu müsse man nur – ein Verweis auf Apples FairPlay-DRM – die Spezifikationen seinen Industriepartnern mitteilen.

Bronfman fordert Interoperabilität und will auf DRM nicht verzichten: "Ich stimme nicht damit überein, dass geistiges Eigentum ungeschützt bleibt. Wir sollten uns alle einig sein, dass geistiges Eigentum einige Schutzvorrichtungen benötigt."

Coral Consortium: Lieber Mr. Jobs...

Da offene Briefe zurzeit nur so durchs DRM-Land sausen, wie Ars Technica ulkt, wundert es auch kaum, dass sich das Coral Konsortium zum Thema DRM und Interoperabilität zu Wort meldet. Die Gruppierung aus Elektronik-Herstellern und Rechteinhabern versucht schon seit Februar 2005, einen Standard für Interoperabilität mit DRM-Schutz zu etablieren - bisher mit wenig Erfolg. Auch Apple, so das Konsortium, ignoriert sie rundheraus. Der nun veröffentlichte offene Brief, sollte er denn Gehör finden, könnte einen wichtigen Schritt zur Umsetzung von Corals Plänen sein. Würde Jobs das Angebot annehmen, wäre das FairPlay-DRM kompatibel mit Microsofts Janus-DRM und der Open Mobile Alliance. Die FairPlay-Geheimnisse sollen trotzdem gewahrt werden.

Das Coral-Konsortium ist nicht die einzige Gruppierung, die Interoperabilität und DRM übergreifend kompatibel machen will, auch die Marlin-Koalition versucht sich – noch weniger erfolgreich als das Coral-Konsortium – daran. Jobs Aufruf, DRM fallen zu lassen, ist eine klare Absage an das "Interoperabilität plus DRM"-Ansinnen.

Geständnis im FTPWelt-Prozess

Im bisher umfangreichsten Verfahren um den Vertrieb von Raubkopien im Internet zeichnet sich das Ende ab. Zwei der vier Angeklagten haben ein vollständiges Geständnis abgelegt. Der dritte Angeklagte, der Rechtsanwalt Bernhard S., wies die Vorwürfe der Mittäterschaft und Steuerhinterziehung zurück, räumte aber Beihilfe ein. Er habe nichts mit der Gründung von FTPWelt zu tun gehabt, nicht gewusst, um was für einen Dienst es sich handelte und nicht von den Einnahmen des Angebots profitiert. Er habe lediglich die Server bestellt. Das Verfahren um den vierten Angeklagten wurde gegen Zahlung von 2500 Euro und die Ableistung von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit eingestellt.

Den mutmaßlichen Täten wird zur Last gelegt, von Juni 2003 bis zu ihrer Festnahme im September 2004 etwa 700.000 Euro mit dem Betrieb von Raubkopien über den Online-Dienst FTPWelt umgesetzt zu haben. Parallel zu den Ermittlungen gegen die Betreiber kam es auch zu Verfahren gegen die Nutzer des illegalen Angebots.

SCO findet Blogger nicht und vermutet Betrug

Seit drei Jahren schreibt Pamela Jones im Groklaw-Blog über die millionenteure Klage der SCO-Gruppe gegen IBM. SCO wirft IBM vor, durch den Vertrieb von Linux gegen die Nutzungsbedingungen und das geistige Eigentum von SCO an Unix-Produkten zu verstoßen. Nach dreitausend Postings ist jetzt für Jones Schluss: Sie zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Die SCO-Gruppe vermutet hinter Jones schon länger keine unabhängige Bloggerin, sondern eine Gruppe von Bloggern, die von IBM angeheuert wurden, um die Stimmung gegen SCO anzufachen. Ein Versuch von SCO, Jones als Zeugin vor Gericht vorzuladen, schlug fehl – sie sei nicht auffindbar. Zudem, so wird IBM vorgeworfen, schreibe Jones quasi rund um die Uhr, ihr Blog ist über eine Zwischenfirma angemeldet, ihre persönlichen Kontaktdaten damit nicht herauszufinden.

IBM streitet natürlich irgendwelchen Einfluss auf das Groklaw-Blog ab. Sollten sich die SCO-Vorwürfe jedoch bestätigen, so InformationWeek, wäre das nur ein weiteres Beispiel, wie ein Tech-Gigant mit unsauberen Mitteln die Blogosphäre zu manipulieren versucht. Zuletzt sorgte Microsofts Angebot an einen Blogger, für sie in der Wikipedia aktiv zu werden, für Aufsehen. Doch in der EU könnte demnächst Schluss mit dem Marionetten-Bloggern sein. Laut Times Online sei derzeit eine EU-Direktive in Arbeit, die es verbietet, sich selbst fälschlicherweise als Kunde darzustellen – und zum Beispiel die eigenen Bücher zu loben oder die Konkurrenz schlecht zu reden.

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