Netzwelt-Ticker Lonelygirl in Hollywood

Im Sommer 2006 avancierte Jessica Rose alias lonelygirl15 zum weltweit meistbeachteten Web-Star. Jetzt gelingt ihr der Sprung auf die große Leinwand - als Co-Star neben Lindsey Lohan. Außerdem im Überblick: Steve Jobs in Lästerlaune, allerlei googleiges, der 100-Dollar-Laptop in Serie und mehr.

Von Sönke Jahn


Vom Web-Star zum Film-Sternchen

Jessica Rose hat es geschafft, wenn auch auf Umwegen. Die neuseeländische Nachwuchs-Schauspielerin war vor rund zwei Jahren in die USA übergesiedelt, um dort ihr Glück beim Film zu suchen. Das klappte wie wir wissen zunächst nicht: Statt einer richtigen Rolle bei Film oder Fernsehen bekam Rose im Frühjahr 2006 eine Minirolle in einer Serie von Web-Kurzfilmen, die über die aufstrebende Videoseite YouTube verbreitet wurden.

Klingt wie Tellerwaschen, entpuppte sich aber schnell als mehr: Nach wenigen Monaten hatten die lonlygirl15-Filmchen Kultstatus erlangt, weltweit berichteten die Medien - auch, weil zunächst nicht klar war, ob es sich bei den Filmen wirklich um etwas produziertes oder nicht doch um sinistre kleine Zeugnisse echter Ereignisse handelte. Nach dem gleichen Mustern war einst das "Blair Witch Project" zum überraschenden Publikumserfolg gemacht worden.

Als im September 2006 die Illusion platzte und lonelygirl15 als Schauspielerin geoutet wurde, wurde Jessica Rose zu einem Name, den man kennt: Zahlreiche Artikel und Gastauftritte in TV-Shows taten ihr Übriges.

Jetzt, wo die Welt sich für lonelygirl15 kaum mehr interessiert, obwohl die Serie fortgeführt wird und nach wie vor als eines der erfolgreichsten YouTube-Angebote gilt, zahlt sich all das aus für Rose: Im derzeit produzierten Film "I know who killed me" spielt sie ihre erste größere Rolle. Der Film könnte allerdings noch überholt werden durch "Perfect Sport", eine kleinere Produktion, in der Rose sogar die Hauptrolle spielt. Denn die Dreharbeiten zu "I know who killed me" gestalteten sich durch den laufenden Entzug der Hauptdarstellerin, Teen-Idol Lindsey Lohan, als schwierig. Die hat das Set bisher nur besucht, soll ihre Therapie aber nun beendet haben. So oder so: Es sieht so aus, als ob Jessica Rose tatsächlich zum ersten echten Web-Star würde, der den Sprung nach Hollywood schafft.

Die erste Million

Das 100-Dollar-Laptop, dessen Preis vorerst bei 130 bis 140 US-Dollar pro Stück liegen wird, geht in die Massenproduktion. Das teilt jedoch nicht etwa das "One Laptop per Child"-Projekt, sondern der Notebook-Hersteller Quanta mit, schreibt "TG daily". Der taiwanische Dienstleister, der unter anderem auch für Apple und Dell Notebooks produziert, habe bestätigt, dass er Aufträge für eine Million OLPC-Laptops erhalten hat, heißt es dort. Dies sei laut Quanta jedoch erst der Anfang. Da insgesamt sieben Nationen, darunter Argentinien, Thailand und Brasilien, Aufträge angekündigt haben, rechnet man damit, allein in diesem Jahr noch fünf bis zehn Millionen der kleinen Kinder-Laptops verkaufen zu können. Hohe Auftragszahlen, so Quanta, kommen auch den Abnehmerländern zugute, da sie den Stückpreis senken.

Centrino auch künftig ohne HSDPA

Es hätte so schön sein können. Letzten September kündigten Nokia, der weltgrößte Handy-Hersteller, und Intel, der weltgrößte Chip-Lieferant, eine Zusammenarbeit an. Gemeinsam wollten die Dickschiffe der Hightech-Branche eine HSDPA-Modul (High Speed Downlink Packet Access) für die kommende Generation der Intel Centrino-Notebook-Technologie (Codename Santa Rosa) entwickeln. Notebook-Besitzer hätten damit ohne weitere Zusatz-Hardware in den schnellen UMTS-Netzen surfen können. Doch daraus wird nichts. Wie "ars technica"meldet, haben die Unternehmen den Plan verworfen. Die Begründung lautet, der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Vorteilen. Man wird also auch zukünftig noch eine Steckkarte mitschleppen müssen, wenn man auch in WLAN-freien Zonen einen schnellen Webzugang benötigt.

Jobs in Lästerlaune

Apple-Chef Steve Jobs scheint Gefallen an populistischen Statements zu finden. Nachdem er erst neulich als selbsternannter Kritiker der digitalen Rechteverwaltung fast überall offene Türen einrannte, drosch er am Freitag in Texas auf einer Veranstaltung über die Segnungen der Computertechnologie für den Schulunterricht wohlfeil auf die Lehrergewerkschaft ein.

Das Problem mit der Bildung, soll er gesagt haben, seien nicht zu wenig Computer in den Klassenräumen. Das öffentliche Schulsystem in den USA sei vielmehr so marode, weil man lausige Lehrkräfte nicht einfach feuern könne. Unter großem Applaus schäkerte er, frei übersetzt: "Nun habe ich hier wohl einige Geschäftspartner vergrätzt."

Keinen Applaus bekam Jobs dagegen von seinem Milliardärskollegen Michael Dell, der auch anwesend war. Apple-Konkurrent Dell versuchte sich sogar an einer Ehrenrettung für die Gewerkschaften. Diese seien gegründet worden, weil Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer unfair behandelt hätten. Das wäre auch nicht gut gewesen.

Google bastelt an KI

Ein weiterer Milliardär, Google-Mitgründer Larry Page, befasste sich tausend Meilen entfernt fast zeitgleich mit künstlicher Intelligenz. Vor einem Ballsaal voller Wissenschaftler erklärte er Freitag abends während der jährlichen Wissenschaftskonferenz AAAS in San Francisco, dass die menschliche DNA mit ihren 600 Megabyte ja ein sehr viel kleineres Betriebssystem sei als etwa Linux oder Windows. Und weil damit bekanntlich auch die Hirnfunktionen gesteuert würden, könne er auch kein unlösbares Problem darin erkennen, in absehbarer Zeit so etwas wie künstliche Intelligenz zu programmieren. Bei Google, soviel könne er verraten, würde man bereits in großem Maßstab versuchen, sie herzustellen.

Wo liegt Polen?

An mangelnder Intelligenz mag es dennoch gelegen haben, dass Google ausgerechnet Polen – so scheint es – irgendwie übersehen hat. Vielleicht weil man die Erdkunde-Lehrer des Chefs damals nicht rechtzeitig entlassen hat? Denn wie man hört, hat eine Gruppe polnischer Poeten, die sich auf mit dem Akronym GMAIL abkürzt ("Grupa Mlodich Artystow I Literatow") der Firma erst kürzlich die Domain gmail.pl vor der Nase wegschnappen können.

Vor zwei Jahren immerhin hat Google die Adresse Googlemail.pl angemietet, das Gmail-Pendant dazu aber nicht. Wie wird die Geschichte also weitergehen? Wird Google ein größeres Sümmchen für die Künstler springen lassen oder gar nichts und bleiben die Polen deshalb auf gmail.pl sitzen? Fortsetzung folgt, sobald Googles Anwälte in Polen eingetrudelt sind.

Datenhunger

Apropos Google. Zur Zeit kursiert eine Liste der zehn größten Datenbanken im Internet und viele würden meinen, dass die Suchmaschine mit ihrer Fantastrilliarde von gespeicherten Webadressen und noch einmal so vielen Benutzerprofilen gewiss die größte Datensammlung der Welt darstellt. Interessanterweise aber schafft es dieser Datenmoloch doch "nur" auf Platz vier. Raten Sie doch mal, bevor Sie sich zur Auflösung durchklicken, wer zurzeit mit 220 Terabytes und mehr auf dem ersten Platz auftaucht? Die Hamburger werden es ja vielleicht schon wissen.

Videoatlas

Das Innenministerium von Baden-Württemberg bastelt an einem Polizeigesetz, mit dem eine niegelnagelneue Suchmaschine möglich werden soll, wie Heise online am Wochenende meldete. Denn Ländle-Innenminister Heribert Rech (CDU) will gern einen "Videoatlas" erstellen lassen, in dem all die privaten Videokameras und Webcams registriert sind, die etwa an Parkhäusern, Tankstellen oder Sportstätten installiert sind, damit sich die Polizei künftig überall ferngesteuert umschauen kann.

Wer sagt, Landwirtschaft lohne nicht?

Umgeschaut hat sich übrigens auch ein ungenannt bleibender Käufer eines seit angeblich 15 Jahren verlassenen portugiesischen Bauernhofes. Hinter der verrammelten Türe einer versteckt auf seinem neuen Anwesen gelegenen Scheune soll er unter einer dicken Staubschicht eine Sammlung gut erhaltener Oldtimer gefunden haben. Ob's wahr ist oder nur gut erfunden?

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