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...haben sich Marktstrategen bei Disney gedacht: Auf dass die Mütter dieser Welt ihr Wissen teilen - und der Konzern davon profitiert. Außerdem im Überblick: StudiVZ-Mitbegründer wird (ins Abseits) befördert, Cybersquatting ist Trend und mehr.


Vuguru von Disney

Der ehemalige Disney-Chef Michael Eisner hat am Montag den Start einer neuen, unabhängigen Produktionsfirma für Onlinevideos bekannt gegeben. Das Vuguru getaufte Unternehmen wird laut Cnet News nun zunächst 80 Folgen der Serie Prom Queen auf Video-Websites wie Veoh.com veröffentlichen. Jede Folge ist dabei nur 90 Sekunden lang und kann so auch sehr leicht auf Handys und anderen tragbaren Videoplayern übertragen werden. Die nun folgenden Produktionen sollen laut Eisner allerdings zwischen 5 und 15 Minuten lang werden.

In einem Interview auf Cnet News.com äußert sich Eisner zudem zu Themen wie Digital Rights Management, die Konkurrenz im Fernseh-Geschäft und die Professionalisierung von Amateur-Produzenten.

StudiVZ-Mitbegründer wird (ins Abseits) befördert

Eines der erfolgreichsten und sicherlich das umstrittenste Community-Portal Deutschlands scheint auf Sauberkurs gehen zu wollen. Der durch sexistische Videos und geschmacklose Geburtstagszeitungen bekannt gewordene Mitgründer Ehssan Dariani, so das Unternehmen StudiVZ Ltd. in einer Pressemeldung, "zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und wechselt in den Aufsichtsrat."

Einziger Haken: "Bisher hat das Unternehmen keinen Aufsichtsrat – bei der Gesellschaftsform einer englischen Limited ist ein solches Organ nicht vorgesehen," so Heise. Auf Nachfragen habe das Unternehmen angegeben, gerade die notwendigen rechtlichen Schritten zu einer Umwandlung in eine GmbH einzuleiten. Sobald dies beendet sei, werde der 26-jährige Dariani sein "Know-how und seine Erfahrung im Aufbau von Unternehmen und Start-Ups nun als Berater, Mentor und Business-Angel zur Verfügung stellen." So kann man das auch nennen.

Disney startet Website für Mütter

Nachdem die Walt Disney Company 30.000 Mütter befragte, werden aus deren Antworten nun Webseiten. Auf Family.com soll bis Ende der Woche eine Disney-Seite für Eltern, speziell für Mütter launchen. Dort werden Lösungen für Probleme wie zahnende Kinder, Ernährung und Ausbildung gegeben.

Was die Website nicht alleine liefern kann, sollen sich die User gegenseitig selbst beantworten. In der Wikipedia-Manier der Veränderlichkeit soll die "Parentpedia" die bereits vorliegenden 1000 Informationen um das kollektive Mütterwissen erweitern. Geld soll das Ganze natürlich auch noch abwerfen – über Werbung, eine gesponsorte Suche und Text-Werbungen soll sich die Seite finanzieren.

Freilich hofft Disney aber auch darauf, mit so einem Angebot die eigenen Marken und Produkte zu promoten – ohne die Kontrolle darüber aus der Hand geben zu müssen, wie AP berichtet. Das Engagement im Müttermarkt kommt eh nicht von ungefähr. Eltern machen einen großen Teil von Disneys Onlinebesuchern aus. Fast die Hälfte der 25 Millionen Besucher monatlich sind Eltern, davon wiederum die meisten Mütter.

Internetradios werden von Abgaben erdrückt

Nach einem zweijährigen Verfahren hat das Copyright Royalty Baord (CRB) die neuen Preise für kommerzielle und nichtkommerzielle Netzradios festgesetzt. Besonders kleinere Internetradios beklagen nun, den Abgaben nicht gewachsen zu sein – und ihren Betrieb einstellen zu müssen.

Pro übertragenes Musikstück müssen sie zukünftig 0,0008 Dollar zahlen, jedoch mindestens 500 Dollar pro Kanal oder Station. Alle weiteren Infos hat Reuters gesammelt, zur Lage in Deutschland hat Telepolis bereits vor zwei Jahren einen interessanten Artikel aufgeschrieben.

Cyberbesetzer auf dem Vormarsch

Die Copyright-Agentur der Vereinten Nationen, die mehr als die Hälfte aller Cybersquatting-Fälle schlichtet, hat einen 25-prozentigen Anstieg der Beschwerden gemeldet. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) hat laut AP im Jahr 2006 satte 1823 Beschwerden entgegen genommen, die eine missbräuchliche Registrierung von Handelsmarken als Internetdomains beanstandeten.

Vor allem IT-, Finanz– und Pharmaunternehmen seien von den Website-Besetzern betroffen, ebenso wie bekannte Kleidungsmarken und die Unterhaltungsindustrie. Das System der Domainnamen soll natürlich die Inhalte einer Website und deren Eigentümer widerspiegeln, um Surfern die Navigation zu vereinfachen. Mit Software fischen jedoch professionelle Domain-Verkäufer gerade freie Domainnamen ab und registrieren sie zeitweilig, ohne Gebühren zu zahlen. Wer so an eine beliebte Domain gerät – zum Beispiel www.mercedes.de – rechnet damit, dass das dahinter stehende Unternehmen große Summen für die Domain berappen wird. Sollte das nicht geschehen, kann der Domaininhaber aber wenigstens über auf der besetzten Website geschaltete Werbung noch Einnahmen machen.

Laut WIPO lohnt sich eine Beschwerde – in 84 Prozent aller Fälle haben die Beschwerdeführer Recht bekommen. Doch nicht immer steckt hinter einer Domainbesetzung auch wirklich eine kommerzielle Absicht. Ein typischer Fall ist Nachname vs. Firmenname – wer hat mehr Anrecht auf eine Domain, der Namensträger oder der Markeninhaber? Kritiker monieren, dass das bestehende Domainnamen-System zu oft Entscheidungen zugunsten von Markeninhabern fälle. Wer Kritik an einem Unternehmen üben oder eine Parodie online veröffentlichen will, werde heute häufig ausgebremst.

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Malware hat einen Geschmack für Top-Level-Domains, ein Wal in Lebensgröße im Browser, wie mainstreamig bin ich ( für Last.fm-User) und so sieht das Betriebssystem des 100-$-Laptops aus.

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