Netzwelt-Ticker Microsoft wittert Copyright-Parasiten

Microsoft wirft Google vor, mit dem geistigen Eigentum anderer Kasse zu machen, bereitet IT-Administratoren aber mit einem komplizierten Sommerzeit-Update selber Kopfschmerzen. Gut, dass sich wenigstens der Vista-Hack als Scherz entpuppt.


Microsoft, so geht es aus einer Reuters-Meldung hervor, setzt zu immer neuen Attacken gegen den Rivalen Google an. Erst Dienstag verschickte der Windows-Konzern einen Brief an amerikanische Buchverleger. Darin argumentierte Microsofts Leiter der Rechtsabteilung, Thomas Rubin, dass Google in neue Märkte vordringt und dort auf Kosten von Buch-, Video– und Softwareverlegern hause. Damit spielt Rubin natürlich auf die 16 Monate alte Urheberrechtsklage an, die fünf große Buchverlage gegen Google vorbrachten, nachdem das Unternehmen deren Bücher gescannt und online verfügbar gemacht hatte. "Firmen, die keine eigenen Inhalte hervorbringen und ihr Geld allein mit anderer Leute Inhalte machen, scheffeln Milliarden mit Werbeeinnahmen und Börsengängen", so Rubin.

Einen ähnlichen Angriff unternahm man in Redmond bereits vor fünf Jahren gegen Open Source-Software. Diese gefährde Eigentumsrechte und sei drauf und dran, die Softwareindustrie zu untergraben. Microsoft schlug damals ein "Shared Source"-Konzept vor, das die Eigentumsrechte an Software stärken sollte.

Die wahren Kosten der Sommerzeit

Mit der erschreckend schnell nahenden Nacht zum 25. März jährt sich ein schlimmer Fall staatlicher Bevormundung: die Sommerzeit! In Deutschland erstmals im Ersten Weltkrieg erprobt, setzte sie sich in vielen Ländern der Welt durch – sogar in Amerika, wo staatlicher Paternalismus ja besonders kritisch beäugt wird. Doch seit einigen Jahren werden auch in Deutschland die Rufe nach einem Ende der Zeitumstellung immer lauter: Die Vorteile werden durch die Nachteile locker aufgewogen, gerade für Computersysteme stelle die willkürliche Umstellung ein Problem dar.

Ein wenig erinnert die Sommerzeit an das Jahr 2000 und den Millennium-Bug, der vor einigen Jahren Zivilisationen in allen Teilen der Erde um Generationen zurückwarf. Nun geben auch noch Apple und Microsoft Grund zur Klage: Ein aktuelles Sommerzeit-Update verursachte so viel Verwirrung und Überstunden, dass allein die zusätzliche Arbeit der IT-Abteilung die eingesparten Beleuchtungskosten aufwiegen würde, heißt es sinngemäß bei "News.com". Dabei müsste man weltweit den Deutschen danken, dass sie die zwischen 1947 und 1949 erprobte Hochsommerzeit (+ 2 Stunden!) nicht durchsetzten. Damit gäbe es vier Zeitumstellungen plus eine Schaltjahrverwirrung jedes Jahr – wenn schon Menschen so etwas nicht handhaben können, wie sollten Computersysteme dann damit klar kommen?

Hacker: Vista-Aktivierung nur ein Scherz

Der seit einigen Tagen weithin bekannte und angeblich erfolgreich eingesetzte superschnelle Key-Generator für Windows Vista ist nur ein Scherz – wer eine erfolgreiche Windows-Vista-Aktivierung reklamiert, lügt oder irrt. Das hat der Programmierer des Skripts, das in nur zwei Minuten ein funktionierendes Schlüsselpaar mit roher Gewalt erbrüten will, nun in einem Forums-Beitrag zugegeben. "Fakt ist, dass der Brute-Force-Keygen ein Witz ist. Ich hab nie beabsichtigt, dass er funktioniert. Bei mir hat er nie funktioniert, niemand sollte ihn weiterhin einsetzen."

Eine seltsame Nachricht, wird nun in einigen Foren verschwörungstheoretisiert. Einerseits könne der Keygen angeblich tatsächlich, wenn auch nur nach enorm langer Zeit, funktionierende Schlüssel generieren, zum anderen seien da ja noch die vielen Erfolgsberichte. Ein wenig erinnert die Geschichte samt Videobeweis an den aufwändig und überzeugend gemachten, aber natürlich hochgradig blödsinnigen "Google TV"-Hoax, der nachdem er für Aufsehen sorgte, noch einen drauflegte – und damit immer noch nicht jedermann überzeugen konnte, nur ein Fake zu sein. Beim vermeintlichen Vista-Hack, so wird mancherorts vermutet, könnte der Programmierer kalte Füße oder einen Brief von Microsoft bekommen haben. Dem wird allerdings wohl kaum so sein. Im selben Posting, in dem der Hacker seinen Scherz eingesteht, gibt er Anderen Hinweise, wie Vista zu knacken sein könnte.

Microsoft rüstet Xbox 360 auf

Während neue HD-Speichermedien wie Blu-ray oder HD-DVD mit verbesserter Darstellung von Pickeln den Filmgenuss revolutionieren wollen, erfreut Microsoft die Xbox-User und Entwickler im Megabyte-Bereich. Mit einer Speicherkarte für 512 Megabyte Daten sollen Xbox-User nicht nur noch mehr Profile und Spieldaten sichern und jenseits ihrer Xbox transportieren können, sondern auch spezielle Inhalte von Xbox-360-Kiosken herunterladen können, so ein Bericht bei "Newsfactor".

Viel interessanter ist jedoch ein noch kleinerer Speichergewinn. Spiele auf Xbox Live Arcade und Downloads auf Xbox Live Marketplace dürfen zukünftig nicht mehr nur 50 Megabyte, sondern ganze 150 Megabyte groß sein. Damit sind Entwicklern von Indie- oder Arcade-Games für den Xbox-Service nicht länger die Hände gebunden, wenn sie mit hochwertigem Sound und aufwendiger Grafik gegen die großen Titel antreten wollen. Xbox Live Arcade könnte als die eigentliche Revolution bei der Xbox-Weiterentwicklung gesehen werden. Ähnlich zur Wii-Konkurrenz von Nintendo ziehen mit Xbox Live Arcade Spiele für Gelegenheitsspieler und innovative Konzepte ins Wohnzimmer ein, wo früher nur aufgemotzte Grafikwunder und herzloser Spielspaßplunder ablaufen durften.

Weitere Meldungen

Schlechte Noten für Vista-Oberfläche, Monsterdisplays in Einsatzzentralen, Onlinedatenbank für öffentliche Toiletten, Trojaner attackiert Ebay-User und eine übergroße Cruise Missile in Google Earth.

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