Netzwelt-Ticker Noch ein Blackberry-Killer

Motorola will mit Microsoft ein Stück vom Brombeerkuchen abbeißen, Sonys Rootkit-Desaster hat ein Ende, bei Microsoft will man den Entwicklern die Administratorenrechte wegnehmen - das und mehr im Überblick.


Morpheus-Macher klagen gegen Ebay

StreamCast Networks, die Erfinder der Morpheus Filesharing-Software beschuldigen das Auktionshaus eBay, unrechtmäßig von ihrer Peer-to-Peer-Technik zu profitieren. StreamCast behauptet, Niklas Zennstrom und Janus Friis, das Duo, das hinter der Entwicklung von Kazaa und Skype steckt, habe eine Abmachung missachtet, StreamCast vom Vorkaufsrecht ihres FastTrack P2P-Protokolls Gebrauch machen zu lassen.

Wie "Cnet" ausführt ist FastTrack das Netzwerk auf dem einst das Filesharing-Programm von Morpheus aufbaute und zugleich die Basis für den Voice-Over-IP-Service von Skype.

Die neuste Anklage ist Teil einer größeren Kampagne von StreamCast Networks, die bereits 21 Firmen vor Gericht zerrten. Ebay soll nun VoiP-Aktivitäten von Skype stoppen und vier Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen. Eine Sprecherin von eBay habe keinen Kommentar zum Gerichtsverfahren geben wollen.

Moto Q – Motorolas Blackberry-Killer?

Moto Q: Qwerty-Tastatur und Windows Mobile 5.0

Moto Q: Qwerty-Tastatur und Windows Mobile 5.0

Mit dem Moto Q bringt nun auch Motorola einen ernstzunehmenden Konkurrenten zum Blackberry Business-Handy auf den Markt. Es wird neben mobilem E-Mail-Zugriff, einem Kalender und einer Kontaktliste auch Microsoft-Anwendungen unterstützen. Das Moto Q basiert auf Windows Mobile und ist eine Weiterentwicklung des Razr-Telefons. Eine Qwerty-Tastatur macht jedoch das Schreiben von E-Mails leichter und erinnert an den Blackberry und das Treo-Smartphone. Zusätzlich biete es Multimedia-Features wie Stereo-Musik, Video-Playback, einen Webbrowser und Instant Messenger.

Das neue Motorola-Handy ist laut Techweb.com eines der ersten Handhelds, die das Windows Mobile 5.0 Betriebssystem einsetzen, das Mobile-Messaging mit Microsofts Exchange 2003 Server bietet und für diverse E-Mail-Anwendungen von Drittherstellern optimiert ist. Das sei besonders wichtig, da das Moto Q damit mit der Business-Software vieler Betriebe zusammenarbeiten könne. Zunächst werde das Q-Handheld vom Netzbetreiber Verizon Wireless angeboten und über das EVDO-Netzwerk laufen. Verizon-Kunden könnten das neue Gerät ab 31. Mai online bestellen oder ab 5. Juni auch in Verizon-Shops für 199,99 Dollar erwerben. Auch in Deutschland gibt es übrigens schon ein Blackberry-Konkurrenzmodell.

Rootkit-Streit mit Sony beigelegt

Musikfans, die CDs mit dem umstrittenen XCP-Kopierschutz von Sony BMG Music Entertainment gekauft haben, können nun mit einer Entschädigung rechnen. Betroffen sind laut PCWorld.com rund 15 Millionen CDs, die vor allem in den Japan, Kanada und den Vereinigten Staaten verkauft wurden. Kunden, die so eine CD mit dem die Sicherheit gefährdenden DRM-System erworben und ihre Ansprüche angemeldet haben, bekommen eine Wiedergutmachung in Höhe von 7,50 Dollar und einen kostenlosen Album-Download. Auf Wunsch auch nur Gratis-Album-Downloads. Weiter hat Sony BMG Entertainment versprochen, keine CDs mehr mit dem fraglichen Kopierschutz zu vertreiben. Die betroffenen CDs wurden zurückgerufen. Sowohl die Sammelkläger als auch Sony BMG zeigten sich mit der Vereinbarung zufrieden.

Das XCP-Kopierschutzsystem installierte einen Treiber auf Windows– und Mac-Rechnern, die den Rechner für Hack-Attacken anfällig machten – und nur sehr schwierig zu deinstallieren waren.

Inoffizieller Word-Patch

Ein inoffizieller Patch räumt mit dem Sicherheitsrisiko in Microsoft Word auf, das am Montag bekannt geworden ist. Am 13. Juni wird Microsoft die Lücke in einem Update schließen, wer nicht so lange warten will, kann auf ein Skript zurückgreifen ( reg-Datei, zum Speichern und Ausführen), das Sicherheits-Forscher Matthew Murray nun ins Netz stellte. Dieses Skript modifiziert die Windows Registry so, dass Word in einem speziellen Sicherheits-Modus startet und damit gegen den Exploit gefeit ist. Im Gegensatz zu Microsofts "Safe Mode"-Workaround schränkt Murrays Skript allerdings nicht die Funktionsfähigkeit von Word ein. Einen Haken hat das Skript allerdings: Es schützt nur vor dem bekannten Problem. Möglicherweise könnten Hacker aber einen neuen Weg ins System finden, der durchs gleiche Sicherheitsloch führt.

Microsoft-Mitarbeiter bald ohne Admin-Rechte?

Bei Microsoft, so schreibt "Arstechnica", ist es schon lange Tradition, dass die Entwickler ihre eigene Software benutzen, um ein Gefühl davon zu bekommen, wie gut sie funktioniert. So ist es klar, dass Microsoft auch auf Windows als Betriebssystem zurückgreift. Und lange war es auch klar, dass den Microsoft-Mitarbeitern auch Administratoren-Rechte gewährt wurden – ganz im Gegensatz zu anderen Firmen, wo Sicherheitsbeauftragte Admin-Rechte für Mitarbeiter meist ganz und gar nicht gerne sehen. Deshalb hat sich Microsoft nun auch vor der hausinternen Umstellung auf Windows Vista einen wichtigen Schritt vorgenommen, die eigene Arbeitsumgebung dem allgemeinen Standard anzupassen. Sprich: gerade wird überlegt, ob Microsoft-Angestellte nicht auch nur einen sogenannten "Limited User"-Account bekommen sollen, statt vollen Systemzugriff. Das würde nicht nur die Arbeitssituation in anderen Firmen besser repräsentieren, sondern auch zu mehr System-Sicherheit in Redmond führen.

Mit iTunes endlich Ordner synchonisieren

Wer einen iPod besitzt und nicht auf iTunes verzichten mag, der muss gezwungenermaßen auf einige praktische Features verzichten, die andere Musik-Bibliotheken bieten. Eines davon: Ordner-genaue Synchronisation von Musik– und Videofiles. Will heißen: Landet eine neue Datei in einem bestimmten Ordner, erkennt das die Software von selbst und bespielt selbständig den iPod, wenn ihn der User das nächste Mal an den Rechner anschließt. Im Lifehacker.com-Blog zeigt nun Adam Pash, wie das auch unter iTunes funktioniert. Und das ist nicht sehr aufwendig, alles, was man benötigt ist der iTunes Library Updater und Pashs Anleitung.

Scam-Millionär mit 14

Das Fortune-Magazin gibt in einem Report aus Lagos einen höchst interessanten Einblick in betrügerische aber sehr lukrative Onlinegeschäfte. Porträtiert wird der 14-jährige Akin, der mit geklauten Kreditkarten und unter falschem Namen einen florierenden Online-Handel betreibt. Er kauft Waren in Europa und verkauft sie über Mittelsmänner in Europa weiter. Damit macht er ein Vermögen, unterstützt seine Familie und "Legionen von Verwandten". Sein Büro ist ein Internetcafé, an dessen Tür ein Schild prangt, das davor warnt, vom Café aus zu Spammen und zu Scammen, "Keine 419 Aktivitäten in diesem Café." Doch das Schild sei ein Witz, wer erwischt wird, könne mit milden Strafen rechnen. Ein Polizeikommissar, der des Diebstahls von über 100 Millionen Dollar überführt wurde, landete für sechs Monate im Gefängnis. Und das schnelle Geld aus dem Internet scheint allzu verlockend in einer Gesellschaft, die ihrer Jugend sonst nichts zu bieten hat.

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