Netzwelt-Ticker Phallus-Attacken und podcastende Royals

Vandalen-Angriff auf Second Life: Die Immobilien-Maklerin Anshe Chung sah sich mit einem ersten rabiaten Angriff gegen ihre Person konfrontiert. Außerdem: Klagewelle gegen Allofmp3, Queen Elisabeth podcasted und in einem US-Städtchen steht Santa Claus unter Beschuss - als illegaler Einwanderer.

Noch mehr Klagen gegen Allofmp3

Nachdem sich die russische Firma Mediaservices, Betreiber von Allofmp3.com, vor Gericht bereits mit der britischen Musikindustrie herumschlagen muss, hat jetzt auch eine Gruppe US-amerikanischer Plattenfirmen Klage gegen die Russen erhoben. Der immer gleiche Vorwurf: Allofmp3.com verstoße mit seinem Online-Musikhandel gegen die Urheberrechte der Musikfirmen.

Die immer gleiche Antwort der Russen: Wir handeln legal, weil wir Abgaben an den russischen Lizenzgeber Roms zahlen. Amerikaner und Briten jedoch argumentieren, Roms hätte überhaupt kein Recht, Lizenzgebühren einzutreiben und zu verteilen.

Dem widerspricht Oleg Nezus, Roms Geschäftsführer, gegenüber der BBC  vehement. Nach seiner Ansicht gibt ihm die russische Verfassung das Recht, Musik an Allofmp3.com zu lizenzieren – auch, wenn die Urheberrechts-Inhaber ihn dazu nicht autorisiert haben. "Die Meinung ausländischer Urheberrechts-Inhaber ist genau das: Ihre Meinung", kommentiert er lapidar die aktuellen Vorgänge. Das hört sich wenig kompromissbereit an.

Geheimprojekt Venice: Sieht gut aus

Noch hüllen sich Niklas Zennström und Janus Friis, die Finanziers des "Venice-Project" in tiefes Schweigen. Nachdem sie Anfang des Monats ankündigten, per Breitband-Internet die Art und Weise verändern zu wollen, "wie wir fernsehen", ließen sie keine Informationen zu ihrem geplanten Online-TV-Dienst mehr durchsickern. Zwar wurde ein kleines, geschlossenes Beta-Programm gestartet, doch Medien-Vertreter blieben davon offenbar ausgeschlossen.

Nun aber ist es Om Malik von "GigaOm" gelungen, doch einen Blick auf Venice zu werfen. Freundlicherweise hat er seine Erfahrungen auch gleich online gestellt, reich bebildert, versteht sich. Was man da sieht, macht Appetit auf mehr. Zwar scheint die Applikation extrem leistungshungrig und verlangt nach einem Datendurchsatz von 250 MB pro Stunde. Aber die Qualität dessen, was da auf dem Bildschirm geboten wird, schlägt alles, was man von YouTube & Co. gewöhnt ist, um Längen.

The Royal Podcast

Am ersten Weihnachtstag beglückt Queen Elizabeth II ihre Untertanen traditionell mit einer Weihnachtsansprache. Ihre diesjährige Rede wurde in der Londoner Southwark Cathedral aufgenommen und zeigt sie unter anderem beim Basteln mit Kindern.

Soweit ist alles wie immer. Neu ist allerdings, dass ihrer Majestät Ansprache erstmals als Podcast online abrufbar sein wird. Der lässt sich schon jetzt auf der Website der britischen Monarchin  vorbestellen. So hat man ihn rechtzeitig zum weihnachtlichen Nachmittagstee auf dem Rechner. Delightful!

Zune: Porn pre-loaded

Da staunten Mutter und Tochter nicht schlecht. Statt seichter Musik, mit der Microsoft den Media-Player Zune normalerweise ausliefert, war die Festplatte des bei Wal Mart erworbenen Geräts mit Porno-Filmchen voll gepackt. Highlight sei die knapp zweistündige Videoaufzeichnung einer Orgie gewesen, berichtet "Wired." 

Für die 12-jährige Tochter ein ausgesprochen unangebrachtes Programm. Die Mutter allerdings ist sich sicher, dass es sich bei dem Gerät um ein nicht als solchen gekennzeichneten Rückläufer, also eine Reklamation, handelt. Ein Hinweis darauf könnte sein, dass im Karton kein Ladekabel zu finden war. Immerhin: Als Ausgleich für die Unannehmlichkeiten gab ihr der Leiter des Supermarktes einen Einkaufsgutschein im Wert von 24 US-Dollar – und schob ansonsten die Schuld auf Microsoft.

Phallus-Attacke in Second Life

Anshe Chung, deren Real-Name Ailin Graef lautet, bezeichnet sich selbst gern als erste echte Millionärin der virtuellen Welt von Second Life. Mit virtuellen Immobiliengeschäften häufte sie nach eigenen Angaben ein Vermögen an, das einer Million US-Dollar in der wirklichen Welt entspricht. Dass dieser Reichtum ihr nicht notwendigerweise nur Freunde beschert, musste sie auf ungewöhnliche Weise erfahren.

Während eines virtuell geführten Interviews innerhalb von Second Life prasselten plötzlich Scharen fliegender Phallusse auf ihren Avatar herab. Wie der "Sydney Morning Herald" berichtet, war der Angriff der virtuellen Vandalen derart heftig, dass der Server, auf dem das Interview stattfand, abstürzte und neu gestartet werden musste. Ach, wenn man Probleme doch auch im richtigen Leben so einfach aus dem Weg räumen könnte.

Santa raus aus Hazletown

Die Macher der Website "No Santa for Hazletown"  lassen keine Zweifel an ihren Zielen, wenn sie schreiben "Keine Weihnachtsferien für illegale Einwanderer." Gemeint ist kein anderer als Santa Claus, hierzulande als Weihnachtsmann bekannt. Wie die Initiative in einer Pressemitteilung feststellt, ist der bärtige Alte Amerikas bekanntester nicht registrierter Arbeiter.

Der Bürgermeister des Städtchens wird mit den Worten zitiert: "Wir führen einen Feldzug der Kultur und der Weihnachtsmann ist eine gefährliche Institution, deren Herrschaft wir ein Ende setzen müssen." Dann wird ausgeführt, der Weihnachtsmann sei weder Amerikaner, noch irgendwo registriert. Zudem arbeite er zwar allein, beschäftige jedoch Hunderttausende Elfen, was nur als Zwangsarbeit bezeichnet werden könne und guten, ehrlichen Amerikanern die Arbeitsplätze koste. Eben deshalb, so das Resümee, ist der Weihnachtsmann Schuld an der wirtschaftlichen Misere, in der sich viele US-Städte befinden.

Übrigens: Vorsicht, Satire!

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