Netzwelt-Ticker Pixelsex-Streit beendet

Der Streit um die "Hot Coffee"-Mod, der Sex in einem Videospiel freilegte, ist beigelegt, Spammer misten aus, per USB-Stick kommt man in Bankcomputer, die Videospiel-Diplomatie mit dem Iran geht in eine neue Runde. Das und mehr im Überblick.


Einigung über "Hot Coffee"

Der absurde Streit um das harmlose Sex-Spielchen im Computerspielhit "Grand Theft Auto: San Andreas" ist nun zu einem Ende gekommen. In einer Pressemitteilung verkündete die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) die Beilegung: Die Spiele-Entwickler Rockstar Games und Take-Two müssen in Zukunft auf der Verpackung ihrer Spiele prominent auf Features im Spiel hinweisen, die zu einer gewissen Alterseinstufung geführt haben. Zusätzlich müssen die Firmen gewährleisten, dass einer Prüfkommission, die die Alterseinstufung vorzunehmen hat, auch alle Teile des Spiels zugänglich oder ersichtlich sind. Jeder Fehler kostet Rockstar Games und Take-Two mit 11.000 Dollar.

GTA-Sexszene: Künftig Hinweis auf der Packung

GTA-Sexszene: Künftig Hinweis auf der Packung

Im erfolgreichen Spiel "Grand Theft Auto: San Andreas" konnten Spieler eine Szene freischalten, die den höchst harmlos simulierten Sex zweier bekleideter Polygon-Figuren zeigte. Diese Szene war aber nur zugänglich, wenn man sich über ein Hilfsprogramm aus dem Internet quasi gewaltsam Zugang zum Spiel-Code verschaffte. Trotzdem fühlte sich das amerikanische Electronic Software Rating Board (ESRB) an der Nase herumgeführt und stufte das Spiel nachträglich von "geeignet ab 17" auf "nur für Erwachsene" herauf. Viele große Firmenketten nahmen es daraufhin aus den Verkaufsregalen.

CBS bringt Survivor auf iTunes

Wie Apple Computer zusammen mit dem Fernsehsender CBS TV bekannt gegeben hat, können bald einzelne Folgen der TV-Shows "Survivor", "CSI: Crime Scene Investigation" und "NCIS" über Apples Webshop iTunes heruntergeladen werden. Pro Folge fällt dabei ein Preis von 1,99 Dollar an. Das Angebot umfasse zunächst den Jahrgang 2005/2006, einige ältere und die im September startenden Folgen. Ab der nächsten Staffel stehen dann einen Tag nach der TV-Ausstrahlung die Folgen regelmäßig bei iTunes bereit.

Nach eigenen Aussagen hat Apple bis jetzt 30 Millionen Videos über iTunes verkauft. Das Abkommen mit CBS ist nur eines in einer Reihe von Verträgen mit Fox Television Network (The Simpsons), ABC und NBC. Mit weiteren Partnern kann man rechnen – die Zweitverwertung von Serien wird bislang praktisch nur über Sammel-DVDs betrieben, einzelne Serien-Downloads könnten sich als wahre Goldgrube entpuppen.

Misten die Spammer aus?

Eine seltsame Spam-Welle erreichte in den letzten Tagen zahlreiche Mailboxen: Kein Text, nur ein Buchstabencode, als Absender ist der Empfänger selbst aufgeführt, wie Heise.de schreibt. Was könnte ein Spammer oder ein Virenversender mit so einer vermeintlich sinnlosen Mail-Aktion wollen? Die Antivirenspezialisten von Avira vermuten dahinter einen Versuch von Spammern und Phishern, ihre gigantischen Adressbücher zu reinigen um damit Zeit und Bandbreite zu schonen. Das ist allerdings recht aufwendig, die Zombie-Rechner, die als Mailschleuder fungieren, müssten dabei Datenverkehr aufzeichnen und an die Spammer und Phisher senden. Einen derartigen Vorgang hat Avira aber noch nicht zu Gesicht bekommen. Das Rätsel um die Zahlencodes könnte man dann auch erst lösen, wenn man zumindest einen Zombie-Rechner in die Hand bekäme. Wobei es sicherlich auch interessant wäre, statt einen Zombie-Rechner einen der Spammer in die Hand zu bekommen…

Minus 60 Prozent: Intel senkt die Preise

Um dem Konkurrenten AMD Marktanteile abzuluchsen, hat Chip-Hersteller Intel laut Bloomberg.com beschlossen, die Prozessorpreise für Pentiums um 60 Prozent zu senken. Aussagen von Platinenherstellern zufolge, die diese Information von Intel-Verantwortlichen haben wollen, soll das schon ab dem 23. Juli passieren, bei Intel verweigerte man eine Stellungnahme. AMD hat letztes Jahr seinen Anteil am 35 Milliarden Dollar schweren Markt zum ersten Mal seit über vier Jahren auf über 20 Prozent gehoben. Intel versuche nun "sehr aggressiv", so ein Produktmanager bei Gigabyte, Marktanteile durch die heftige Preissenkung zurück zu erobern: "Wir sind alle überrascht."

Per USB die Bank geknackt

Das klingt nach einem Traumjob: um Sicherheitslöcher zu entdecken und Mitarbeiter für mehr Datensicherheit am Arbeitsplatz zu bewegen, wurde die amerikanische Sicherheitsfirma Darkreading beauftragt, in ein Bankgebäude einzubrechen. Die Herausforderung: Es sollte über Social Engineering passieren, also die gezielte Manipulation von Menschen, um an Maschinendaten zu kommen. Das Problem: So wie früher einfach Gespräche im Rauchereck oder eine kleine Flirterei an der Rezeption anzufangen, verbot sich, da die Mitarbeiter gerüchteweise vor so einer Aktion gewarnt wurden. Darkreading machte sich deswegen eine andere menschliche Schwäche zunutze: Neugier. Vor Arbeitsbeginn verteilte ein Darkreading-Mitarbeiter USB-Sticks vor dem Bankgebäude und in dessen Tiefgarage. Auf den Sticks waren neben offensichtlichen privaten Bildern allerdings auch ein Trojaner versteckt. Und, man soll es kaum glauben, von den 20 USB-Sticks funkten in den folgenden Tagen 15 ausführlich Details inklusive Passwörter und Logins ganz bequem in die Firmenzentrale von Darkreading.

Vor einigen Monaten haben bereits Berichte für Aufregung gesorgt, die zeigten, dass oft schon kleine Geschenke – zum Beispiel eine 1-Dollar-Note oder eine Tafel Schokolade – ausreichen, Firmenmitarbeiter zur Herausgabe ihres Passworts zu überreden.

Videospielfirma sucht Kontakt mit Iran

Kuma Reality Games, ein amerikanischer Hersteller von realistischen Kriegsspielen sucht den Dialog mit dem Iran. Nachdem Mitglieder der Studentengruppe "Union of Islamic Student Societies" ankündigten, bis nächsten März ein Spiel zu veröffentlichen, in dem man es den amerikanischen Invasoren im Irak mittels Commander Bahman so richtig heimzahlen kann ( wir berichteten), sieht sich Kuma Reality Games jetzt in die Pflicht genommen. Ihr Spiel "KumaWar Assault on Iran" gilt nämlich als Auslöser des Konfliktes um die brisanten Spiele, als skandalöse Vorlage für das Spiel der Studentengruppe. Doch um ein Zeichen für interkulturellen Austausch zu setzen, will Kuma Reality Games nun als nächstes eine spielerische Antwort auf das iranische Spiel veröffentlichen. "Assault on Iran, Pt. 3: Payback in Iraq" setzt die Geschichte um Commander Bahman fort – Kuma Reality Games hoffen, dass die iranischen Studenten den Spaß verstehen und das Spiel weiterdrehen. "Wenn nicht", so Kuma-Boss Halper gegenüber Reuters, "dann kann ich das aber auch verstehen. Gerade herrschen ja eine ganze Menge Spannungen."



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