Netzwelt-Ticker Raubkopierer machen Piraten arbeitslos

P2P mag eine bittere Pille sein für die Musikindustrie, doch das Filesharing hat auch angenehme Nebenwirkungen: Kommerziellen Piraten entzieht es die Lebensgrundlage. Außerdem im Überblick: Gmail steht für Giersch-Mail, IPTV-Standard ohne Deutsche, Musicload will Musik ohne DRM und mehr.


Filesharing: Piraten verzweifeln an P2P

Imagekampagne gegen kopierfreudige Musikfans: Nur die halbe Wahrheit?
DDP

Imagekampagne gegen kopierfreudige Musikfans: Nur die halbe Wahrheit?

Dem Filesharing-Blog Torrentfreak ist ein schöner Dreh gelungen, der sich wie ein Lauffeuer im Netz verbreitet. Torrentfreak hat jemanden gefunden, der tatsächlich wegen P2P-Netzwerken, wegen Filesharern also, seinen Job verloren hat: einen waschechten Piraten.

"Tony" fing irgendwann in den Neunzigern damit an, auf dem Flohmarkt Raubkopien zu verkaufen. 2001 hatte er eine eigene kleine illegale Firma mit drei Mitarbeitern - oder sollte man vielleicht besser von Komplizen sprechen? Wie auch immer, der Gute gehört einer Spezies an, die die Musikindustrie noch mehr verabscheut und fürchtet als ihre Kundschaft und von der man sonst nur liest, dass sie vor allem Russland und Südostasien bewohnt: Piratus Musicus, der hundsgemeine kommerzielle Raubkopierer.

Doch 2005 war Schluss mit der kriminellen Karriere. Nicht etwa, weil die Polizei das illegale Unternehmen auffliegen ließ, sondern weil schlicht und ergreifend niemand mehr Raubkopien kaufte: Bittorrent, LimeWire und Co ließen den Piraten auf Grund laufen.

Torrentfreak zieht daraus eine Moral für die Musikindustrie, die der auch wieder nicht schmecken wird: Sei kein Tony, überdenk dein Geschäftsmodell!

IPTV: Branchendickschiffe einigen sich auf Standard

Die gute Nachricht gleich vorweg: Gestern haben sich neun der größten IPTV-Anbieter die Hände geschüttelt, nachdem sie einen gemeinsamen IPTV-Standard beschlossen haben. Das Open-IPTV-Forum wird von großen Namen gestützt: Ericsson, Panasonic, Philips, Samsung, Siemens, Sony, AT&T, Telecom Italia und France Telecom. Die neun Gründerfirmen wollen nun schleunigst Ergebnisse schaffen. Bis September sollen Technik-Anforderungen, bis Ende des Jahres konkrete technische Spezifikationen für einen IPTV-Standard stehen. Wenn alle IPTV-Systeme problemlos miteinander funktionieren, sollten Konsumenten von günstigeren Preisen und einfacherer Handhabung von Set-Top-Boxen, TV-und Videoprogrammen profitieren, so Reuters. Gewünscht ist also Interoperabilität.

Die schlechte Nachricht: Weder Alcatel-Lucent noch Microsoft sind mit im Boot. Die Partner in Sachen IPTV-Netzwerke und -Software stehen hinter den beiden deutschen IPTV-Angeboten "Alice home TV" und "T-Home" von Hansenet und der Deutschen Telekom. Ob das nun aber ein Problem für die IPTV-Allianz oder vielmehr für die deutschen Anbieter ist, bleibt abzuwarten.

Nicht für eine Million!

Unter Gmail.de findet man nicht etwa den Google-Mailservice sondern die Firmenseite von Daniel Giersch. Der will unter dem Namen G-Mail verschiedenen Kommunikationsmittel zusammenfassen und einen Postkasten für Post, E-Mail, Telefon, Fax und Handy anbieten. Man könnte sagen: Da hat einer eine Vision.

Auf der anderen Seite steht auch jemand mit Vision: Google, weltweit agierender Internetrevolutionär, großer Firmensitz, große Kriegskasse, großer E-Mail-Service. Der heißt auf der ganzen Welt gleich: Gmail. Außer in England und Deutschland.

Auf der Insel besitzt die Independent International Investment Research (IIR) die Namensrechte an "Gmail", in Deutschland ist es Unternehmer und Investor Daniel Giersch. Beide stehen Googles Plänen eines Globus-umspannenden einheitlichen E-Mail-Dienstes im Weg. Im Vereinigten Königreich und in Deutschland heißt Gmail deshalb Google Mail.

Auch nicht schlecht. Aber nicht gut genug für Google. 250.000 Dollar, so ließ Gierschs Anwalt ausrichten, habe man Giersch für die Namensrechte geboten. Aber keine Chance: Selbst für mehrere Millionen Dollar würde der die Rechte nicht herausgeben."G-Mail ist Daniels Baby", zitiert The Registerden Anwalt. Und nur unter diesem Namen wolle sein Klient Geschäfte machen, schließlich stehe der ja für Giersch-Mail.

Musicload erteilt DRM eine Absage

Im aktuellen Newsletter des T-Online-Sprosses Musicload geht es revolutionär zu: MP3 kehrt zurück, Musicload will sich von Musik verabschieden, die durch DRM geschützt, Kritiker würden sagen: verkrüppelt ist.

Lange Zeit als Wunderwaffe gegen illegalen Musiktausch gepriesen mache DRM nur Probleme: Drei von vier Ärgernissem mit bei Musicload erworbenen Songs seien auf DRM zurückzuführen. Nun wolle man mit Partnern in der Musikindustrie Alternativen entwickeln.

Mit Four Music, dem Indie-Label der Fantastischen Vier, habe man bereits seit Dezember einen Deal: Der gesamte Labelkatalog ist als ungeschütztes MP3 downloadbar. Seit der Abkehr von Microsofts WMA-Format seien die Musikverkäufe sogar um 40 Prozent gestiegen. Immer mehr kleinere Labels stellen ihr Repertoire nun auch von "geschützt" auf "frei."

Nun stellt man sich bei Musicload die zentrale Frage: Wann stellt das erste Majorlabel endlich um? Noch sei ein vollständiger Verzicht auf Kopierschutz für die Großen nicht vorstellbar. Dabei gäbe es doch auch Möglichkeiten, ungeschützte MP3s zu kontrollieren, zum Beispiel mit Wasserzeichen, wie es das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie entwickelt hat.

Viacom verklagt alle außer sich selbst

Mit der Milliardenklage gegen YouTubemacht sich der US-Mediengigant Viacom derzeit wenig Freunde im Internet. Über 160.000 Videoclips aus dem Fundus von Viacom-Sendern wie Comedy Central, VH1 und MTV sollen aus dem YouTube-Angebot gelöscht werden. Die Identitäten der User, die die beanstandeten Videos heraufgeladen haben, befürchtet Ars Technica, könnten bei einem erfolgreichen Prozess zur zivilrechtlichen Ausschlachtung an Viacom weitergegeben werden.

Für noch mehr Unmut sorgt nun eben jener Ars Technica-Kommentar, der darauf hinweist, dass Viacom zwar alle Anstalten macht, sich blindlings in die Unbeliebtheit zu klagen, dabei aber geflissentlich ignoriert, was im eigenen Hinterhof passiert. Nämlich genau das, was YouTube und Co angekreidet wird: Massive Urheberrechtsverletzungen. Bei, hauseigenen Dienst iFilm soll es nämlich nicht viel anders aussehen. Auf die Frage, ob sich iFilm von sich aus bemühe, Copyright-Verletzungen zu identifizieren, oder wie alle anderen darauf warte, ob sich Rechteinhaber meldeten, erhielt man keine Antwort.

Ars Technica wertet das aber als gutes Zeichen: Kommt es zu einem Gerichtsverfahren zwischen YouTube und Viacom, werden letztere nur schwerlich erklären können, warum YouTube eine Gefahr fürs Unternehmen, der hauseigene iFilm-Dienst aber kein Problem sei.

Weitere Nachrichten

Hacker kündigen Monat der MySpace-Bugs an, Antivir-Hersteller kommentieren Bundestrojaner, reguliertes MySpace schreckt User ab und Mobile Suche: Yahoo vor Google.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.