Netzwelt-Ticker Spannen ist spannend

Jeder Dritte Computernutzer würde sich gern auf der Festplatte des Nachbarn umsehen, wenn er könnte. Außerdem: Hollywood mag Kanada nicht mehr, Java wird noch öffentlicher, Gratis-Wlan in Deutschland. Das und mehr im Überblick.

Eigentlich heißt der Merkspruch effektiver PR ja "Tue Gutes und rede darüber", aber es geht auch anders. Das IT-Sicherheitsunternehmen Avira variiert die Regel zu "Rede darüber, was andere Schlechtes tun" und erntet mit der aktuellen "Gewissenfrage des Monats" mehr Presse-Aufmerksamkeit als normalerweise mit den Produktmeldungen des Unternehmens.

Die von Avira gelieferte Antwort auf eine Frage, die wir nie gestellt haben, ist so offensichtlich wahr, dass sie eigentlich jeden anspricht: Jeder dritte PC-Nutzer, fand Avira heraus, würde gern einmal auf der Festplatte seines Nachbarn herumschnüffeln, wenn er könnte. "35,2 Prozent der PC-Nutzer", behauptet Avira, "würden die Chancen nutzen, auf fremde Rechner zuzugreifen".

Für die anderen zwei Drittel sei das allerdings Tabu. Das sündige Drittel interessiert sich dabei mehrheitlich für die Rechner wildfremder Personen. Beim eigenen Partner würden nur 12,3 Prozent einmal Mäuschen spielen, und im Netzwerk der eigenen Firma würden angeblich nur 3,9 Prozent gern einmal schnüffeln. Repräsentativ ist das alles nicht, basiert allerdings auf einer Umfrage unter immerhin 6623 PC-Nutzern.

Klingt logisch, weil menschlich - oder hat sich der eine oder andere wie üblich tugendhafter dargestellt, als er eigentlich ist? Machen wir doch die Probe aufs Exempel: Stellen Sie sich einfach vor, die folgende Umfrage sei sowas von anonym, dass aber auch niemand je herausfinden könnte, wie sie abgestimmt hätten, selbst wenn er den Zauberspruch "Schily-Schily, Schäuble-Schäuble" bemühte: Ist vielleicht alles noch viel schlimmer als gedacht?

USA: Blogger mit dem gleichen Schutz wie Journalisten?

Alle reden vom Abbau der Bürgerrechte, sogar das Beichtgeheimnis oder der journalistische Quellenschutz wird in immer mehr Ländern angenagt, nicht zuletzt in den USA. Umso überraschender jetzt eine Nachricht, die in die gegenteilige Richtung läuft: Zwei US-Kongressabgeordnete planen mit einer Gesetzesinitiative, den rechtlichen Schutz, den bisher Journalisten genießen, auch auf Blogger auszudehnen  - vorausgesetzt, sie erfüllen in ihrer Arbeit gewisse journalistische Mindeststandards.

Das wird vor allem die Blogger freuen, die in den vergangenen Jahren zum Beispiel Details aus dem Innenleben von Apple berichtet haben und daraufhin von dem äußerst klagefreudigen Unternehmen mit einstweiligen Verfügungen oder Abmahnungen überzogen wurden. Apple argumentierte, Blogger seien keine richtigen Journalisten und hätten daher auch kein Recht, ihre Informationsquellen geheim zu halten. Eine Ansicht, die zunächst von mehreren Richtern verworfen wurde, bevor dies nun auch in der Gesetzgebung geändert werden soll.

Warner mit 2 SciFi-Kanälen bei Joost

Über 70 Kanäle wird die Web-TV-Plattform Joost umfassen, und zwei davon sind für die Freunde der Science Fiction reserviert, weiß Dwdl.de . Der Medienkonzern Warner will auf dem Kanal "Sci-Fi Fix" Genre-Klassiker wie "Babylon 5", "Max Headroom" oder "V: Die Besucher" als Gratis-Stream anbieten, auf "Before they were megastars" kann man spätere Stars bei ihren ersten Schritten auf dem Weg zur Berühmtheit besichtigen. Das gesamte Joost-Projekt soll sich über Werbung tragen, im Boot seien bereits Coca Cola, Hewlett-Packard, Intel und Nike.

Sun mit Open-Source-Java

Angekündigt war es ja schon vor einem halben Jahr, gestern folgten wieder Taten: Sun hat das komplette Java-Entwicklungspaket (JDK) als Open Source freigegeben, und zwar unter GPLv2, berichtet Zdnet . Die jetzt fertiggestellte Java Standard Edition ist nach der Micro Edition bereits die zweite Open Source-Java-Veröffentlichung. Was noch folgen soll, ist die Enterprise Edition.

Wenn es im derzeitigen Tempo weitergeht, wird Java in einem halben Jahr vollständig öffentliches Gemeingut sein. Doch womit dann Geld verdienen? Die Zukunft soll den mobilen Diensten gehören, für Handys und sonstige mobile Geräte werden java-basierte Anwendungen wie zum Beispiel Java FX Mobile auf den Markt gebracht.

Kanada, Land der Raubkopierer? Außerdem: Terapixel-Fotos, Hotspots in Deutschland und mehr.

Kanada: Keine Vorpremieren von US-Filmen mehr

Jüngst stellte die amerikanische Vereinigung der Filmproduzenten (MPAA) fest, entgegen allgemeiner Einschätzung stammten nur die wenigsten raubkopierten Filme aus Russland oder Asien, die Hälfte aller Piratenfilme komme allein aus Kanada. Zwar geht es dabei um sogenannte Camrips, die mit Videokameras von der Leinwand abgefilmt werden und durchweg eine lausige Bild- und Tonqualität haben, aber das hinderte die Studiobosse nicht daran, die Kanadier nun auf Entzug zu setzen: weder Kinos noch Filmkritiker im nördlichen Nachbarland der USA bekommen Preview-Versionen von aktuellen Filmen zu sehen, wie gulli.com meldet .

Die ersten betroffenen Kinofilme werden "Ocean's Thirteen" und der neueste "Harry Potter"-Film sein. Angesichts der Tatsache, dass andere Brancheninsider den Anteil der allein aus New York in die Tauschbörsen gelangten Camrips mit 40 Prozent veranschlagen, wirkt die Initiative der MPAA ziemlich zahnlos, und so vermuten einige ganz andere Gründe hinter der Aktion: die kanadische Regierung soll endlich dazu gebracht werden, härtere Gesetze gegen Raubkopierer und Filesharingnetze zu erlassen. Die P2P-Nutzer allerdings wird es weiterhin nicht die Bohne interessieren, woher genau denn nun ihr heruntergeladener Camrip stammt.

Vielleicht halten es die Film-Lobbyisten aber auch einfach nur mit der Zeichentrick-Comedy "Southpark". Auch da heißt es immer, wenn etwas schief geht, schlicht: "Blame Canada!"

Fon: 5000x Gratis-Wlan in Deutschland

Der spanische Wlan-Anbieter Fon wird nun auch im öffentlichen Raum aktiv. Wie Silicon.de berichtet , sollen im Rahmen der "Fon-City-Initiative" Deutschlandweit 5000 Wlan-Access Points eingerichtet werden, die Surfern einen kostenlosen oder wenigstens preiswerten Online-Zugang zu ermöglichen sollen.

Die benötigten Router sollen zunächst an öffentlichen Gebäuden und belebten Plätzen aufgestellt werden, als nächstes sind stark frequentierte Straßen, Cafés und Ladenlokale im Visier. An der Auswahl der Standorte können sich Gemeinden und Bürger aktiv beteiligen, indem sie selbst geeignete Plätze vorschlagen.

Vergleichbaren Aktionen hat Fon bereits in Frankreich, Spanien, Italien und Norwegen durchgeführt.

Natürlich können auch Privatpersonen einen Fon-Router aufstellen, damit haben sie dann den Vorteil, sämtliche Fon-Hotspots weltweit zum Nulltarif nutzen zu können. Laut Fon haben sich mittlerweile bereits 400.000 Wlan-Anwender als Nutzer von Fon-Hotspots registriert.

Kleines schaut dir in die Augen

Den Computer abschließen? Einen Fingerprint-Scanner zur Überprüfung der Identität? Alles kalter Kaffee, jetzt kommt die Irisscan-Maus: sie kommt aus Südkorea und besitzt eine seitlich im Gehäuse untergebrachte Mini-Kamera, mit der Bilder der menschlichen Iris gemacht werden können .

Einfach ein paar Aufnahmen zur Abstimmung aus drei bis fünf Zentimeter Entfernung, dann soll das mitgelieferte Programm imstande sein, den Mausbenutzer zu identifizieren. Dazu muss er allerdings noch seitlich in die Kameraöffnung blicken. Nach überstandener Prozedur wird dann die zuvor festgelegte Freigabeaktion zugelassen, zum Beispiel der Zugriff auf ein Verzeichnis, eine Festplatte oder der Start des Betriebssystems. Mit welcher Fehlertoleranz das Gerät, das ca. 230 Euro kosten soll, arbeiten wird, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Erstes Terapixel-Foto

Zehn Megapixel, das klingt schick. Das ist der Auflösungsbereich, in dem so langsam die Profifotografie beginnt. Für bestimmte Sonderanwendungen, wie zum Beispiel die medizinische Fotografie, werden jedoch wesentlich höhere Auflösungen benötigt. In diesem Bereich arbeitet ein Unternehmen namens Aperio, das mit "BigTIFF" ein neues Bildformat vorgestellt hat, das die bisherige 4-GB-Begrenzung herkömmlicher TIFFs überschreitet.

Damit daran auch kein Zweifel bleibt und um mal zu zeigen, was das Format kann, veröffentlichte Aperio ein Bild mit der Auflösung von einem Terapixel, also mit nicht weniger als einer Billion Bildpunkten. Wie winfuture berichtet , wurde das Motiv, das Brustgewebe zeigt, aus 225 Einzelbildern zusammengesetzt. Das Bild ist in jeder Beziehung groß: Mit 2875.94 GByte Speicherbedarf übersteigt es die Fähigkeiten der handelsüblichen Digiknipse wohl noch für einige Jahre.

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