Netzwelt-Ticker Vier Jahre Haft für Dialerbetrug

Sie haben Tausende Surfer mit manipulierten Dialern um Millionen betrogen - jetzt sollen die beiden Übeltäter mehrere Jahre in Haft. Staat und Polizei werden immer datenhungriger, Filesharing bleibt beliebt, Sony zahlt Entschädigung. Das und mehr im Überblick.


Bundesregierung will ab 2007 Fingerabdrücke im Pass

Die Bundesregierung geht einen weiteren Schritt in Richtung Überwachungsstaat: Sie beschloss als eine der ersten in der EU die Einführug der Speicherung von zwei Fingerabdrückenauf der im Reisepass enthaltenen RFID-Chips ab dem 1. November 2007. Damit solle die innere Sicherheit gestärkt werden, die Daten seien gegen unbefugte Manipulation von außen geschützt. Überdies wurde die Befreiung von der biometrischen Erfassung von bisher 16 Jahren auf das Alter von 12 Jahren gesenkt.

Nun warten wir gespannt auf den bereits bei der Geburt implantierbaren RFID-Chip.

Haftstrafen für Internetbetrüger

Dialermafia: Geld her

Dialermafia: Geld her

Vier Jahre bzw. drei Jahre und drei Monate Haft: Zu diesen Strafen wurden zwei Internetbetrüger vom Landgericht Osnabrück verurteilt. Sie hatten von 2002 bis 2003 arglose Nutzer durch Dialerprogramme um insgesamt 12 Millionen Euro erleichtert. Die Geschädigten - die Staatsanwaltschaft geht von 160.000 aus - hatten sich die Dialer beim Besuch von Sex-Seiten eingefangen. Die Verurteilten hätten zunächst legale Einwahlprogramme verwendet, die dann aber durch illegale Programme ersetzt worden seien. Vor allem die Tatsache, dass die Kunden nicht über die zum Teil happigen Einwahlkosten informiert worden waren, erfüllte den Tatbestand des Betruges. Eine Beschlagnahme des ergaunerten Geldes wird jedoch es zunächst nicht geben, weil angesichts der vielfältigen sonstigen Aktivitäten der Betrüger nicht klar ersichtlich ist, welches Geld genau nun aus den kriminellen Umtrieben stammt, so das Gericht. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, dem Vernehmen nach wollen sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verurteilten in Revision gehen.

NRW beschließt Polizei-Hackergesetz

Wenn der Bund großes Interesse für die Daten seiner Bürger zeigt, wollen die Länder nicht zurückstehen. Gestern beschloss der Landtag in NRW mit den Stimmen der schwarz-gelben Regierung, dass die Polizei mit behördlicher Erlaubnis ab sofort private Computer hacken darf. Durch den Einsatz sogenannter Polizei-Trojaner bei Computern, Handys und Bankkonten sollen die Aktivitäten von Extremisten überwacht werden.

Interessant ist dabei, dass eine ähnliche Regelung auf Bundesebene vom Bundesgerichtshof gekippt worden ist. Begründung: Im Unterschied zu einer Hausdurchsuchung oder Telefonüberwachung würde die Computerschnüffelei ohne Kenntnis des Verdächtigen erfolgen und sich auf seinen kompletten Datenbestand erstrecken.

Computerexperten bezweifeln allerdings große Erfolge der Schnüffelmaßnahmen. Dafür sei der Aufwand angesichts der riesigen, zu bewältigenden Datenmengen unverhältnismäßig hoch.

Verfassungsbeschwerde gegen Hackergesetz angekündigt

Nichtsdestotrotz hat bereits gestern die Bürgerrechtlerin Bettina Winsemann Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz angekündigt. Nicht nur werde die Privatsphäre von Bürgern durch die beschlossenen Maßnahmen unzulässig berührt, auch sei die Arbeit mit vertraulichen Daten, wie zum Beispiel bei Journalisten, gefährdet. Der Ausgang dieses Verfahrens wird mit Sicherheit von den entsprechenden Stellen im Bund mit großem Interesse verfolgt werden.

Filesharing vorn

In den USA werden fleißig Filme heruntergeladen, immerhin 1,2 Millionen Haushalte haben laut einer US-Studie im dritten Quartal 2006 eine Videodatei gekauft und heruntergeladen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Zahl der Downloads aus Filesharing-Netzen lag im Vergleich fünfmal so hoch – und das meiste davon waren Pornos. Bei weit über der Hälfte der heruntergeladenen Filme handelte es sich um Schmuddelkram, ein Fünftel Fernsehserien und immerhin noch 5 Prozent beliebte Kinofilme. Auch wenn der Video-Download durch P2P-Netze lange nicht so weit verbreitet ist wie der von Musik, müsse sich die Filmindustrie Gedanken machen, so die Studie. Der Download von Raubkopien werde nämlich weiter zunehmen. Freuen dürfen sich immerhin die Verantwortlichen von Apple: 90 Prozent der legalen Downloads erfolgten über den iTunes Store.

1,5 Mio Dollar Schadensersatz für Rootkit-Kopierschutz

Die beiden letzten Jahre hätte für Sony besser laufen können, was das Image angeht. Explodierende Akkus beschädigten den Technikruf. Das Desaster um den Rootkit-Kopierschutz im Jahr 2005 kostet nun auch noch Geld. Nicht nur, dass sich diese Systeme ungefragt auf dem Computer einnisteten, wenn man eine entsprechende CD einlegte. Sie öffneten außerdem Sicherheitslücken, was die Gefahr von Attacken aus dem Internet erhöhte. Das Unternehmen erklärte sich nun bereit, 1,5 Millionen US-Dollar zu zahlen und überdies die Käufer der mit dem Kopierschutzsystem versehenen CDs zu entschädigen. Betroffene Kunden können Ansprüche bis zur Höhe von 175 Dollar erheben, dafür haben sie ein halbes Jahr Zeit.

Brille projiziert Bilder über Gläser ins Auge

Was man bisher nur aus Kinofilmen kannte, soll nun Wirklichkeit werden: Hightech-Brillen, die dem Träger beliebige Videosignale wie Bilder, Filme oder Texte vors Auge zaubern, genauer, das Bild wird über die Brillengläser ins Auge projiziert. Ein israelisches Unternehmen hat nun die Produktionsreife dieses Verfahrens bekanntgegeben, wie winfuture berichtet. Mit den Hightech-Gläsern eröffnen sich viele Einsatzgebiete, sie können für Redner den Spickzettel ebenso überflüssig machen wie für Fernsehmoderatoren den Teleprompter, und wer unterwegs ist, dem projiziert das angeschlossene Navigationsystem den richtigen Weg vors Auge. Das virtuelle Bild soll für den Betrachter so groß wirken wie ein 70-Zoll-Bildschirm aus drei Metern Entfernung.

Wer weiß, vielleicht ist Brilletragen in ein paar Jahren wieder richtig schick.

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