Netzwelt-Ticker Von Teledildonics und Bushs iPod

Dass auf Wikipedia auf üble Weise zensiert wird, ist für den Gründer des Lexikons ein Hoax. Cnet macht jetzt auch  Video on Demand. Beim Cybersex gibt's nichts Neues und George W. Bush hört auf seinem iPod Songs der Beatles. Das und mehr im täglichen Nachrichtenüberblick.


Patch lässt Bilder verschwinden

Zwei Patches, die Microsoft in den letzten Tagen veröffentlichte, führen zu Rechner-Abstürzen, -Hängern und seltsamen Dialogboxen, die Ordner "Eigene Dateien" und "Eigene Bilder" könnten plötzlich verschwunden sein, berichtet Eweek.com. Probleme ergäben sich auch im Zusammenhang mit Software von Google und Siebel sowie Microsofts eigenem Windows Media Player. Microsoft gibt aber auch gleich Entwarnung: Nur wenige Rechner seien von den Problemen betroffen.

Ist George W. Bush wirklich ein Raubkopierer?

Präsident Bush: Hört seine Einflüsterer und die Beatles
REUTERS

Präsident Bush: Hört seine Einflüsterer und die Beatles

Das ist ja auch zu schön – wann bietet sich schon die Chance, George W. Bush und den Verband der amerikanischen Plattenindustrie gegeneinander auszuspielen? George W. Bush, der Präsident der Vereinigten Staaten soll ein Raubkopierer sein. Das wird zumindest bei Boingboing.net behauptet. Auf seinem iPod befänden sich illegale Songs. In einem Video führt Bush seinen iPod einigen Journalisten vor, scrollt laut mitlesend durch seine Playlist. Dabei tauchen auch Songs von den Beatles auf. Das Problem: Titel der Beatles gibt es bislang nicht im iTunes-Store, folglich müssen sie entweder von einer CD gerippt oder (unlizensiert) aus dem Internet heruntergeladen worden sein. Beides sei laut RIAA, der Recording Industry Association of America, illegal – George Bush damit ein Musik-Pirat, heißt es weiter. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn die RIAA erlaubt das Rippen eigener CDs ausdrücklich - so steht es auf der Webseite. Die strafrechtliche Verfolgung des Präsidenten ist wohl nur ein Traum der RIAA– und Bushgegner, und Träume sind bekanntlich Schäume.

Jimmy Wales: WikiTruth nur ein Hoax

Nach den Berichten im britischen "The Guardian" über die Wikipedia-kritische Website Wikitruth hat sich nun Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zu Wort gemeldet. Gegenüber Techweb bezeichnete er Wikitruth als "nur einen Hoax", ein Internetscherz. "Es gibt keine Beweise, dass irgendwelche Wikipedia-Administratoren daran beteiligt sind."

Wikitruth, so die Selbstbeschreibung, soll aufzeigen, dass die Wikipedia längst nicht so frei und offen ist, wie behauptet wird. Fragwürdige Löschungen, Zensur und Blockaden von Information hätten den Traum von der freien Wikiwelt getrübt. Enttäuschte Wikipedia-Administratoren haben deshalb, so der anonyme "Skip" im Guardian, Wikitruth gegründet.

Wales sieht die Vorwürfe, die auf Wikitruth.info vorgebracht werden, gelassen: "Wir löschen Einträge, die nicht gut sind. Sie werden aus gutem Grund gelöscht." – Wales macht wütende oder enttäuschte Wikinutzer für Wikitruth verantwortlich. "Das sind ziemlich sicher Leute, die wir von Wikipedia verbannt haben…"

Cnet bringt Video-on-Demand

Zusammen mit einem Kabelbetreiber und TV-Recorderanbieter Tivi bringt Cnet Networks bald einen Video-on-Demand Dienst ins Kabelnetz, auf den TiVo-Fernsehrecorder und ins Internet. Laut Reuters will Cnet mit dieser Maßnahme mehr Zuschauer erreichen, über Programminhalte ließ sich der zukünftige Sender jedoch noch nicht aus. Wahrscheinlich wird es jedoch die Mischung aus Entertainment-, News– und Service-Beiträgen, die Cnet auch online zu großem Erfolg geführt hat.

China verbannt unlizensierte E-Mail-Server

Im Rahmen der neuen Anti-Spam-Gesetzgebung ist es nun illegal, einen unlizensierten E-Mail-Server in China zu betreiben. Was als wirkungsvolle Maßnahme gegen Spam daherkommt, könnte sich nachträglich jedoch als Zensur– und Überwachungsmittel herausstellen. Zum einen könnte das Gesetz dazu führen, dass viel weniger E-Mails verbreitet werden. Zum anderen werden die staatlich anerkannten E-Mail-Provider dazu verpflichtet, Logs für sechzig Tage zu speichern. Was das Verbot von offenen Relays, die oft zur Spam-Verteilung benutzt werden bedeutet, ist ebenso unklar. James Seng, ein IT-Berater aus Singapur dazu gegenüber Vnunet: "Wenn man den chinesischen Text anschaut, sieht man, dass die Autoren sich sorgfältig ausgedrückt haben. Die wussten genau, was sie taten und wollten. Das ist also kein Fall von ahnungslosen Beamten oder einer schlechten Übersetzung." Will sagen: Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Anti-Spam-Gesetz nun durch die Hintertür als neues Zensur– oder Überwachungsinstrument reüssiert.

Die Zukunft des Sex

"Teledildonics", "multi-sensual experience of virtual sex", "Internet-connected sex devices" – was sich so ähnlich wie "Kollateralschaden" oder "sozialverträgliches Frühableben" liest, soll die Zukunft des Sex sein. Da wundert es dann auch kaum, wenn ein Hersteller von vernetztem Sexspielzeug auf einer Sex-Konferenz in San Francisco stolz berichtet. "Der Irakkrieg war ein Boom für unsere Firma!"

Viel mehr Neues hat dann auch Reuters nicht von der Cybersex-Messe zu berichten . Dass sich Leute über Kilometer hinweg gegenseitig mit dem Joystick befriedigen können, künstliche Genitalien und virtuelle Liebhaber irgendwann das große Ding sein werden, priesen Internetapologeten und befürchteten Tech-Phobiker schon Anfang der Neunziger. Cybersex war damals das Stichwort. Wie gut, dass man heute auch Teledildonics dazu sagen kann…

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