Netzwelt-Ticker Web an der Scherzgrenze

Selten so gelacht: Nie zuvor gab es so viele Falschmeldungen im Web wie am 1. April dieses Jahres. Außerdem: Mauszeiger-Sicherheitslücke in Windows, Googles Notizbuch, Totalüberwachung erreicht und mehr im Überblick.
Von Sönke Jahn

1. April - Nachklapp

Klar freut man sich über einen gelungenen Scherz. Und eigentlich freut man sich über JEDEN gelungenen Scherz – wobei die Ansichten darüber, was man als gelungen bezeichnen darf, oft weit auseinander gehen. Wann aber ist die Scherzgrenze erreicht? Gestern etwa, am 1. April rollte eine derart riesengroße Scherzwelle durch's Internet, dass nicht wenige sich vorgenommen haben dürften, ihren Rechner am 1. April 2008 gar nicht erst anzuschalten.

Denn während man auch hierzulande den einen  und den anderen  Aprilscherz ertragen musste, trieben es vor allem die Amis gestern besonders toll mit ihrem "April fools day". Auf der c|net-News-Seite  etwa ging gestern früh gar nichts mehr: ein Scherzstau; sämtliche - ehrlich: ausnahmslos alle! - Meldungen hatte man sich dort aus den Fingern gesogen. Google (das Unternehmen, das ständig etwas zu melden hat) meldete hoch sachlich den Beginn seines TISP-Services : Eines Glasfaser-basierten Internet-Services durch die Kanalisation, mit einfacher Plug-and-Play-Installation durch die Kloschüssel ("Vor dem Surfen Händewaschen nicht vergessen!").

Auf einer noch offenen Liste sämtlicher Foolsday-Jokes 2007 zählte man heute morgen bereits 609 Onlinestreiche. Und darin inbegriffen war noch nicht die Geschichte , nach der die US-Heimatschutzbehörde sämtliche Kopien des Disney-Films "Tron" einsammeln lässt, weil damals angeblich in einem geheimen Forschungsreaktor gefilmt wurde.

Allerdings sind wir mittlerweile an unglaublich unglaubliche Nachrichten aus dem Internet gewöhnt, die noch viel verrückter sind, als es sich so mancher Scherzkeks überhaupt ausdenken könnte. Und so wies etwa die deutsche "Inquirer"-Redaktion  gestern "ausdrücklich" darauf hin, dass der von verschiedenen News-Webseiten berichtete "Killer Bug" in Nvidia GeForce 8800GTX/GTS Grafikkarten trotzdem auch bloß ein Aprilscherz sein könnte: Leichte Präzisionsabweichungen beim Rendern der Bildschirmdarstellung sollen nämlich dazu führen, dass man in Killerspielen chronisch daneben schießen würde. Was glauben Sie, Jokus oder nicht?

Schädliche Mauszeiger unter Windows

Seit Dezember weiß Microsoft von einem wohl recht gravierenden Sicherheitsmangel in absolut jeder Windows-Version, die sich über entsprechend präparierte, animierte Mauszeiger von Internet-Gangstern kapern lassen könnten; wohl einschließlich Windows Vista . Aber erst nachdem Virenjäger McAfee vor dieser Gefahr warnte – man will davon am Mittwoch in einem ominösen, chinesischen Hackerbord erfahren haben – und nachdem Microsoft am Donnerstag diese Lücke bestätigte, tauchten angeblich am Freitag vermehrt Schadprogramme für diese Lücke auf. Das bestätigte Microsoft gegenüber AP , konnte oder wollte aber nicht verraten, wann man dieses Loch in Windows wieder geflickt haben will.

Big Brother lässt schön grüßen

CCTV steht für Closed Circuit TV, ein fest verkabeltes System für die Videoüberwachung, in dem eine Überwachungskamera ihre Bilder nur auf angeschlossene Monitore schickt. In Großbritannien sollen über vier Millionen CCTV-Kameras in Betrieb sein, damit kommt eine auf 14 Einwohner. Wer auf der Insel unterwegs ist, wird angeblich um die 300 Mal am Tag auf Video aufgenommen.

Gefilmt wird auch die Hausnummer 27b am Canonbury Square in Islington, North London. Hier wohnte bis zu seinem Tod 1950 George Orwell, Autor des Romans "1984", in dem der "Big Brother" alles und alle überwacht. Und dessen großer Bruder hätte heutzutage Mr. Orwell ganz gut im Blick, wie es der "Londoner Evening Standard"  beschreibt: Zwei Kameras sitzen auf Ampeln vor seinem Haus, weitere zwei filmen die rückwärtigen Fenster. Alles in allem zählte man 32 Videokameras rund um diese Adresse, von denen eine auch der Eingang zu Orwells ehemaligen Lieblingspub um die Ecke rund um die Uhr überwacht, das Compton Arms.

Wie es dagegen um die Videoüberwachung in Deutschland steht, versucht ein Dokumentarfilm von Fiete Stegers und Roman Mischel zu klären. Ende 2006 konnte man "Alltag Überwachung"  schon in vier Teilen auf den Seiten von Tagesschau.de anschauen, jetzt stehen die Episoden und auch der komplette Film  – 350 Megabyte groß – zum Download bereit.

So surft der Hochadel

Auch das gibt es: Web 2.0 für den Hochadel, eine Online-Community für das Social Networking der Promis und Parvenüs dieser Welt. Dieser mySpace für den Jetset mit Internetzugang heißt "Kleine Welt"  und in ihr tummeln sich immerhin schon 160.000 Adabeis, wie uns Sabine Pamperrien in der "Netzeitung"  verrät. Es sollen hier vor allem Briten und Deutsche online sein, Franzosen seien eher rar, US-Superreiche dagegen holten auf.

Aufgenommen wird in diesen Chat-Set nur, wer von einem anderen Mitglied empfohlen wird. Etwa von Gloria von Thurn und Taxis die sich ihren Kollegen in ihrer Selbstdarstellung als "unemployable" vorstellt und als Arbeitgeber angeblich das "Beerdigungsinstitut Happy Days" angibt. Witzischkeit, man lernt nie aus, ist also doch eine Frage von Stand.

Google macht sich Notizen

Ein weiteres kleines Helferlein aus dem Google-Imperium schickt sich an, sich unentbehrlich zu machen. Jetzt kommt Googles Notizbuch, mit dem man im Mausumdrehen jegliches Zeugs von einer Webseite für später aufsammeln kann. In Googles Notebook merkt man sich Textschnipsel, Links, Bilder, kann sie editieren und kommentieren und vor allem kann man sie danach von jedem Rechner aus nutzen und weiter verarbeiten – denn gespeichert werden sie online bei Google. Wer an mehr als an einem Rechner sitzt und sich gern Seiten merkt und Lesezeichen anlegt, dem wird dieser Service  gewiss schnell ans Herz wachsen.

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