Netzwelt-Ticker Wikipedia unter Comedy-Attacke

US-Regierung will nicht verklagt werden, Apple reagiert auf DRM-Vorwürfe, Kinderplatz-Stuntmen werden von der Polizei gesucht und Komiker Stephen Colbert nimmt die Wikipedia ins Visier - das und mehr im Überblick.

US-Regierung geht wegen Klage wegen Abhöraktion in Berufung

Im Verfahren um die Abhörmaßnahmen der US-Regierung und des Telekommunikations-Dienstleister AT&T hat sich das US-Justizministerium nun laut Heise.de  an ein Berufungsgericht gewandt, um die Klage der Electronic Frontier Foundation (EFF) zu stoppen. Durch Offenlegung von Staatsgeheimnissen vor Gericht werde möglicherweise die nationale Sicherheit gefährdet.

Anfang des Jahres hat die Bürgerrechtsorganisation EFF ein Sammelklageverfahren beantragt, nachdem durch die Presse umfassende Abhöraktionen des Geheimdienstes in Kooperation mit AT&T bekannt wurden. Die EFF beschuldigt Geheimdienst und Telko-Giganten nun des Verstoßes gegen Datenschutzgesetze – die Klage könnte größere Kreise ziehen. US-Präsident Bush hatte Ende letzten Jahres gegenüber der Presse bestätigt, dass er die NSA mit Lauschangriffen gegen US-Bürger ohne richterliche Erlaubnis beauftragt hatte.

Apple reagiert auf DRM-Vorwürfe aus Skandinavien

Nach Frankreich sorgt nun auch Skandinavien für Ärger bei Apple. Dort ist Interoperabilität Pflicht, will heißen: Dass nur der iPod Songs aus dem Webshop iTunes abspielen kann, ist rechtswidrig. Wer in Skandinavien einen DRM-geschützten Song kauft, muss ihn auch auf jedem Audioplayer abspielen können. Zusammen mit Vorwürfen um Haftungsausschlüsse bei Schäden, die durch iPods oder iTunes entstanden sind, hatten Schweden, Dänemark und Norwegen den US-amerikanischen Computerhersteller darauf aufmerksam gemacht, dass er gegen geltende Gesetzte verstoße. Prompt kam eine Antwort – die laut AP  auf Apples Wunsch zunächst allerdings geheim gehalten wird. Bis Freitag will man das 50-seitige Schreiben in der schwedischen Agentur für Konsumentenschutz durchgearbeitet haben und so herausfinden, ob Apples Geheimhaltungswünsche gerechtfertigt sind.

Welche Position der iPod-Hersteller einnehmen wird, dürfte bereits jetzt klar sein. Wie in Frankreich wird das Unternehmen stur bleiben und lieber auf den skandinavischen Markt verzichten, als sein erfolgreiches DRM-Programm aufzugeben und von Skandinavien aus sein iTunes de facto völlig zu öffnen, wie Ars Technica vermutet .

Nach Spielplatz-Stunt im Internet: Polizei sucht Jugendliche

Die Idee ist so brillant wie dämlich. Zwei Mädchen sitzen auf einem Spielplatz-Kreisel und ein Motorroller beschleunigt das Spielgerät auf Geschwindigkeiten größer als die Fluchtgeschwindigkeit. Das ganze nehmen ein paar Jugendliche auf, unterhalten damit für ein paar Tage das Netz und werden jetzt von der Polizei gesucht. Die hat durch YouTube die Aktion spitz bekommen und will nun mit den Teilnehmern über diese extrem gefährliche Übung reden – "im Interesse der Sicherheit und des Wohlergehens aller, die daran beteiligt waren", wie Inspektor Piper von der Polizei aus Crawley in Großbritannien gegenüber der BBC  berichtet. Das Video ist derweil nicht mehr im Netz zu sehen.

Spielende Kinder scheinen zunehmend ein Problem für Ordnungshüter rund um die Welt zu werden. Polizisten im englischen Halesoewen nahmen drei Zwölfjährige fest, sperrten sie für zwei Stunden ein und nahmen DNA-Proben - weil sie in einem Baum gespielt hatten, wie Dailymail.co.uk berichtet …

Microsoft wird Firefox in AdCenter unterstützen

Mit Geld und Freundschaft ist das so eine Sache, weiß der Volksmund. Das gilt sogar bei so schwierigen Fällen wie der Beziehung zwischen Microsoft und dem Mozilla-Browser Firefox. Aber um nicht bis zu 20 Prozent der potentiellen Kundschaft auszuschließen, wird Microsoft im hauseigenen Werbeprogramm AdCenter zukünftig den Open-Source-Browser unterstützen. AdCenter ist Microsofts Versuch, im milliardenschweren Geschäft um Suchmaschinen-Werbung mit Google und Yahoo aufzuschließen. Über den Onlineservice können die Kunden Werbung über MSN- und Live-Websites schalten, besonders der Markt für Anzeigen, die gezielt bei bestimmten Suchanfragen angezeigt wird, gilt als "heißer Werbemarkt", wie Techweb.com vermeldet . Künftig ist der Anzeigenkauf also auch über Firefox möglich.

Colbert lästert über Wikipedia

Wikipedia ist längst im Mainstream angekommen – und endlich merkt das der Mainstream auch. Zum Beispiel in der großartigen amerikanischen Comedy-Show "The Colbert Report" auf Comedy Central. Dort rief der so bissige wie intelligente Satiriker dazu auf, Al Gore und anderen Umweltaktivisten das Leben schwer zu machen, indem man in den Wikipedia-Eintrag über Elefanten schreibt, dass deren Population stark zugenommen habe. Der folgenden Flut an Änderungen im entsprechenden Eintrag traten die Wikipedia-Aufseher mit einer Artikel-Sperre entgegen. Veränderungen am Elefant sind erstmal nicht möglich.

Mit dem Aufruf wollte Colbert einen Begriff für eine neue Art von flexibler, subjektiver Realität prägen – "Wikiality" .

Colbert hat mit seiner Rede vor Präsident Bush beim Korrespondenten-Dinner des Weißen Hauses auch in Deutschland für Furore gesorgt, da er im Vergleich zu vielen deutschen Satirikern erstaunlich bissig, gewitzt und direkt auf den Präsidenten losging  und ihm unverhohlen Dummheit und Dreistigkeit vorwarf.

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