Netzwelt-Ticker Wird Apple TV verbessert?

Während Bastler sich noch an Verbesserungen für die Multimediabox Apple TV üben, bastelt Apple offenbar schon selbst an einem Nachfolger. Außerdem im Nachrichtenüberblick: "Big Brother" zum spielen, Microsoft fürchtet Monopole und YouTube lässt sich von Teenies foppen.


Ein neues Apple-Patent könnte einen Hinweis auf den Nachfolger der gerade erst veröffentlichten Set-Top-Box Apple TV geben. "Ars Technica" sieht im Patent die Pläne für ein echtes Multimedia-Center fürs Wohnzimmer. Der Multimedia-Hub – vielleicht "Apple TV 2" – soll auf verschiedene externe Module zugreifen und diese zentral steuern können.

Set-Top-Box Apple TV: Bald noch besser dank Zubehör von Drittherstellern?
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Set-Top-Box Apple TV: Bald noch besser dank Zubehör von Drittherstellern?

Diese externen Module können dabei alles sein, was man an ein Multimedia-Center anschließen möchte: Ein Computer, iPods, externe DVD-Player oder Festplatten. Weiter gesponnen könnte das Gerät aber auch Aufnahme– oder Streaming-Funktionen erfüllen.

Im Patent-Nr. 20070083616 wird weiterhin festgehalten, dass das Gerät mit verschiedenen Eingabemethoden steuerbar sein soll: Keyboard, Maus, ein anderer Computer oder Fernbedienungen – vielleicht sogar das iPhone.

Was das Patent aber wirklich interessant macht, ist die (vermutete) Möglichkeit, dass auch Drittanbieter Erweiterungsmodule herstellen könnten – Zubehörhersteller stürzten sich bereits erfolgreich auf den iPod. Apple kann sich so auf das Kerngerät konzentrieren. Diesen Vorteil sieht auch Ars Technica: Mit dem Potential eines boomenden Zubehör-Ökosystems, das allein um ein Apple-Produkt floriert, könnte Apple TV vielleicht endlich der iPod für den Fernseher werden.

Falls sich Apple dabei aber zu viel Zeit lässt, werden Hacker und Bastler das aktuelle Apple TV jedoch schon um vermisste Features und Funktionen erweitert haben, wie das ja bereits geschehen ist.

"Big Brother" zum selber spielen

Den Erfolg von Fernsehshows wie "Big Brother" wollen Videospiele-Publisher Electronic Arts und Fernsehentwickler Endemol nun online wiederholen. In der 3D-Welt "Virtual Me" werden Spieler mit ihren Avataren in Onlineversionen der Endemol-Shows wie "Fame Academy" oder "Deal or No Deal" antreten. Den Anfang wird laut Reuters der Netznachbau der Voyeur-Show "Big Brother" machen, der in einigen Monaten auf VirtualMe.com starten soll.

Electronic Arts hat reichlich Erfahrung mit Onlinewelten sammeln können. Mit "The Sims Online" brachte der Branchenführer bereits vor Jahren eine leicht zugängliche Netz-Welt auf den Markt. Dort konnten Spieler ihre Spielfiguren, die Sims, einem geregelten Leben zwischen Hausbau, Grillen mit den Nachbarn und Arbeit nachgehen lassen.

Microsoft warnt vor Google-Monopol

Die angekündigte Übernahme von DoubleClick durch Google bringt Microsoft auf die Palme. Dort scheint die Luft ein wenig dünn, anders lässt sich nicht erklären, dass ausgerechnet das Redmonder Unternehmen nun kartell- und datenschutzrechtliche Bedenken anmeldet: Die zuständigen Behörden sollen die Übernahme genau prüfen.

"Golem.de" zitiert Brad Smith, Senior-Vize-Präsident und Justiziar von Microsoft: "Wir denken, diese Fusion bedarf einer genauen Prüfung durch die Aufsichtsbehörden, um Wettbewerb im Markt für Online-Werbung sicherzustellen." Die geplante Übernahme von DoubleClick durch Google schaffe ein Unternehmen mit beispielloser Kontrolle im Hinblick auf die Auslieferung von Online-Werbung und dem Zugang zu einer großen Menge an Nutzerdaten.

Microsofts Bedenken erscheinen grotesk, so oft, wie Redmond selbst von Kartellbehörden zurechtgewiesen und auseinandergenommen wurde. Datenschützer sehen in Microsoft sowieso eine ständige Gefahr – am präsentesten wohl noch im Skandal um die Nach-Hause-telefonieren-Funktion in Windows XP, die heimlich Nutzerinformationen an die Microsoft-Zentrale schickte und nach vielen Protesten letzten Juni schließlich entfernt wurde.

Ein Grund für Microsofts ungewöhnliche Sorgen um den User könnte auch das eigene Interesse an DoubleClick sein. Doch Google war offenbar schneller oder zumindest entschlossener und kündigte letzten Freitag die Übernahme von DoubleClick für rund 3,1 Milliarden US-Dollar an.

YouTube lässt sich von Teenager täuschen

Als das Publikum den Google-Geschäftsführer Eric Schmidt nach Microsofts Kartell– und Datenschutzbedenken im DoubleClick-Deal fragte, zog der angeblich seine Augenbrauen unwissend hoch und fragte naiv: "Microsoft?" Mehr Sorgen als um Microsofts Gebell dürfte sich Schmidt auch eher um die drohenden Klagen wegen Copyright-Verstößen beim Google-Ableger YouTube machen.

Fernsehnetzwerke werfen YouTube vor, deren Inhalte zu klauen. Zuletzt verklagte Viacom den Filmchen-Hoster auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz und verlangte die Löschung Hunderttausender Videos. YouTube drängt es also gezwungenermaßen nach einem Filter-Mechanismus. Der soll urheberrechtlich geschütztes Material automatisch von freiem Material unterscheiden – und komme auch bald, versprach Schmidt laut "News.com".

Bislang müssen beanstandete Filme noch einzeln überprüft und von Hand aussortiert werden – bei einer Auswahl von vielen Millionen Clips ein mühsames und niemals vollständig erfüllbares Unterfangen.

Wie sensibel YouTube dabei auf Löschungs-Anträge reagiert, zeigte ein 15-jähriger Jugendlicher. Der junge Australier soll sich laut "The Register" als Angestellter der Australian Broadcasting Corporation ABC ausgegeben und per Brief die Entfernung von Hunderten Videos der populären lokalen Comedy-Serien "The Chaser's War on Everything" gefordert haben.

YouTube befolgte die Anweisungen des Teenagers prompt, der bekam kurz darauf Post von den ABC-Anwälten und entschuldigte sich. Courtney Gibson, Comedy-Chef bei ABC: "Jeder macht dumme Sachen, wenn er 15 ist. Wir schätzen seine Entschuldigung und werden uns nächste Woche um ihn kümmern." Dabei bereite ihm der Streich des Jungen aber wenig Sorgen. Viel mehr macht man sich bei ABC wohl Sorgen um die Chaser-Fans. ABC sei beunruhigt, wie willfährig YouTube User anzeigte, die Chaser-Clips hochluden.

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