Netzwelt-Ticker Zune enttäuscht die Tech-Gemeinde

Microsofts nagelneuer Zune-Player ist auf dem Markt - und die US-Blogger sind alles andere als begeistert. Außerdem im Überblick: Das Web wird 16, was wirklich passiert, wenn ein Laptop explodiert, GMail ist ein Virus - und noch mehr.

Zorn um Zune

Was ritt Microsoft nur bei der Entwicklung des Zune, fragen sich viele Blogger. Teuer, klobig und durch Digital Rights Management verkrüppelt. Oder kurz: keine Konkurrenz für den iPod. Doch hinter dem heute in den USA startenden Zune-Audioplayer steckt vielleicht mehr, als man zunächst denkt: "Es ist klar, dass Microsoft nicht nur die Herzen der Konsumenten erobern will, sondern auch die der Plattenfirmen", so Michael Gartenberg, Vizepräsident und oberster Forscher bei JupiterResearch gegenüber Business Week . Der Zune ist die Eintrittskarte in einen Markt, den Apple nicht nur durch Verkäufe, sondern auch durch Firmenpolitik dominiert. Viele Platten– und Filmfirmen sind zum Beispiel nicht mit dem rigiden Preismodell des iTunes-Stores einverstanden, haben aber mangels ernsthafter Alternative keine Wahl, als sich auf Apple einzulassen. Das könnte sich jetzt durch den Zune ändern – und sei es nur, um Apple damit zu schaden. Der Zune wird in den nächsten Jahren ohnehin keine schwarzen Zahlen im Microsofthaushalt hinterlassen.

Auch das seltsame Design – 60 Prozent größer und 17 Prozent schwerer als ein iPod, eher ein Siebziger-Jahre Taschenrechner als ein Next-Gen-Gadget – lasse darauf schließen, dass Zune für Käufer konzipiert sei, die nicht cool sein wollten, für die eine große Schrift vielleicht wichtiger sei als ein weißer Kopfhörer, spekuliert John Martellaro von Macobserver.com . Aber trotzdem: Zune spielt weder Audiobooks noch Podcasts und pfropft jedem Musikstück , das aufgespielt werden soll, ein digitales Rechtemanagement (DRM) auf – selbst wenn ein Musikstück beispielsweise dem Creative-Commons-Modell unterliegt, das einen anderen DRM-Schutz ausschließt. Aber Microsoft tut gut darin, einen harten Kurs in Sachen Rechtemanagement zu fahren. Auf Kosten der Kunden macht Redmond so den Schulterschluss mit den Platten– und Filmfirmen, denen ein Rechtemanagement anscheinend nicht hart genug sein kann.

Dass normale Verbraucher erstmal weniger Spaß mit Zune haben werden als mit anderen Playern, glaubt sogar die Investor's Business Daily . Erste Erfahrungsberichte, zum Beispiel über Installationsroutine und Softwarehandling bei Engadget.com sprechen Bände: "Die Zune-Installation war Mist."  Und was sich Microsoft bei der Gestaltung des Bezahlsystems gedacht hat, lässt auch nichts Gutes hoffen: Anstatt direkt Song für Song mit einer Kreditkarte zu zahlen, muss man in Microsofts Marketplace zunächst Punkte einkaufen (5, 15, 25, 50 Dollar für jeweils 400, 1200, 2000, 4000 Punkte). Mit dieser Fantasiewährung geht es dann auf Einkaufstour, 1 Punkt = 1,25 Dollarcents. Dadurch sehen die Zune-Songpreise einerseits günstiger als bei iTunes aus. Doch viel schlimmer wiegt, dass man auf diese Art Microsoft zunächst einen zinsfreien Kredit gewähren muss – den man sich in Songs auch nie selbst wieder auszahlen lassen kann: Ein Zune-Song kostet 79 Punkte, eine Primzahl. Somit bleiben immer Rest-Punkte auf dem Marketplace-Konto. Für den einzelnen Kunden vielleicht kein großer Verlust – für Microsoft aber schnell eine ansehnliche Summe, wenn nur genug Kunden mitspielen, wie Applematters.com vorrechnet .

Web wurde 16

Die älteste, heute noch erhaltene Seite des World Wide Web  wurde gestern vor 16 Jahren das letzte Mal geändert. Im gleichen Monat, in dem das WWW als Browser und Netz-Struktur den Schritt vom Konzept in die Realität schaffte. Drei Jahre später war das World Wide Web schon das kostenlose und frei zugängliche Netz von heute - im Prinzip. Auch wenn das Internet freilich viel mehr als nur das WWW ist. Doch die Erfolgsgeschichte des Internet ist vor allem die Erfolgsgeschichte der untereinander verlinkten WWW-Seiten.

Und die sahen früher reichlich unspektakulär aus. So wie die Antikseite nebst einer Überschrift nur die kurze Erklärung "Ein Link verbindet ein Stück Hypertext mit einem anderen." preisgibt.

Dies ist aber nur die älteste erhaltene Seite des Webs. Die wirklich erste WWW-Seite gibt es nur noch im Archiv des World Wide Web Konsortiums  zu sehen.

16 Jahre ... Noch bis 1993 war es möglich, das WWW innerhalb eines Tages abzusurfen, wie ein Slashdot-User berichtet . Ein anderer ulkt: "In den letzten 16 Jahren ist eine Menge passiert und dieses kleine 'Baby' ist zu einem richtigen Teenager herangereift. Und wie die meisten Teenager hat es eine überbordende Porno-Sammlung." 

Video: Explodierende Laptop-Batterie

Erst qualmt das Laptop ein wenig, dann qualmt es ein wenig mehr, dann schießen Funkenfontänen aus der Tastatur, bevor es nach mehreren Explosionen ganz Feuer gefangen hat. Die PC-Schrauber von PCPitstop.com haben unter kontrollierten Bedingungen ein Laptop explodieren lassen und das auf Video festgehalten . Und das ist erschreckend. Man kann sich förmlich vorstellen, für welches Aufsehen die in den letzten Monaten explodierten Laptop-Akkus (die in zahlreichen Rückrufaktionen ausgetauscht werden mussten) gesorgt haben. Rauch, Feuer und Knall schadten nicht nur dem Plastikgehäuse der tragbaren Rechner, sondern vor allem auch dem Ruf des Akku-Produzenten Sony.

Der Rat der PCPitstop-Leute: Aufpassen beim Löschen. Das ist kein normales Feuer, sondern ein chemisches, elektrisches und metallisches Feuer zugleich. Da das Lithium in den Akkus mit Wasser zu Wasserstoff reagiert, sollte man nur zu einem geeigneten Feuerlöscher der D-Klasse greifen – oder lieber gleich die Feuerwehr rufen.

Singapur: Drei Jahre Haft für Wifi-Tramper?

Zugegeben, die Quellen sind rar, die Nachricht kurz. Aber es klingt einfach zu unglaublich, weswegen dem siebzehnjährigen Garyl Tan Jia Luo aus Singapur nun bis zu drei Jahre Haft drohen sollen: Mitsurfen auf Nachbars offenem Wifi-Hotspot. Das verstoße gegen ein neues Computermissbrauch-Gesetz, Luo sei der erste Fall, bei dem das neue Gesetz nun zur Anwendung komme, wie TGDaily schreibt .

Fehler bei Microsoft: Gmail ein Virus

Zwar mag Googles Erfolg mal "viral" gewesen sein, aber die E-Mail-Software ist kein Virus, trotz eines Warnhinweises von Microsoft. Dort wurde nämlich letzten Sonntag der Google-Service in Windows Live OneCare als Virus bezeichnet: Eine Warnung tauchte auf, wenn ein OneCare-User die Gmail-Seite öffnete, das System sei mit dem Virus "BAT/BWG.A." infiziert. Mittlerweile hat Microsoft das Problem erkannt und mit einer neuen Signatur-Datei behoben.

Aber wie auch News.com fairerweise hervorhebt : Solche Fehler passieren öfter – und auch anderen Antivir-Herstellern. Erst Anfang des Jahres sah McAfee in Microsofts Excel ein Sicherheitsproblem und Symantec vermutete eines hinter einem Programm der Church of England.

Zeitreise bei Google Earth

Neben weltumspannenden Touren durch drei Dimensionen bietet eine neue Version von Google Earth nun auch Reisen durch die Zeit an. Das verkünden zumindest diverse Artikel zur neuen Version 4 des elektronischen Atlas . In Wirklichkeit handelt es sich dabei schlicht um Mash-Ups, Bilddaten, die über KLM-Dateien über die normalen Karten gelegt werden. Das KLM-System ist in Google Earth 4 nun also verbessert worden. Wie Microsofts Konkurrenz Live Local bietet Google Earth jetzt voll texturierte 3D-Gebäude – zumindest, solange User selbst diese Gebäude über das einfache Designprogramm Google SketchUp erstellen .

Vista und Office 2007 geknackt

Die Arbeiten an Windows Vista sind gerade eben erst fertiggestellt worden, da taucht schon der erste Crack im Internet auf. Oder eher: Hinter "Vista BillGates" stecken einige Dateien aus früheren Versionen von Vista, die Microsoft kostenlos ins Netz gestellt hat, damit Computerfans das Betriebssystem testen können. Mit ihnen soll es möglich sein, Vista mit einer alten Betatest-Registrierung starten zu können. Freilich nur, solange Microsoft nicht einfach diese alten Seriennummern über ein Windows-Update blockiert, wie das in älteren Windows-Versionen ja auch geschehen ist.

Doch es geht weiter. Nach Informationen bei Ars Technica  ist auch eine Kopie der Enterprise-Edition von Office 2007 im Netz aufgetaucht. Die muss – im Gegensatz zu Windows – nicht übers Netz aktiviert werden. Wer eine unrechtmäßig erworbene Lizenz laufen lässt, bekommt aber nicht mehr die teils wichtigen Updates, die es nur noch nach einem Lizenzcheck von Microsofts Updateservern gibt.

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