"Neuartiges Gerät" Der Mini-PC des Bill Gates

Bill Gates hat sich mal wieder als Visionär versucht. Auf der Computermesse "Comdex" in Las Vegas präsentierte er seine Vorstellungen der Rechnerzukunft.

Las Vegas - Die Prototypen des "Tablet-PC" seien ein Renner unter den Entwicklern in seinem Haus, frohlockte Microsoft-Gründer Gates. Der Mini-Computer, der im Jahr 2002 auf den Markt kommen soll, werde via druckempfindlichen Display mit einem Stift bedient. Digitale Notizen seien ebenso möglich wie der Zugriff aufs Internet und der Einsatz herkömmlicher PC-Programme. Für Gates ein "neuartiges" Gerät.

Psion, Casio, Hewlett-Packart, 3Com und die Hersteller anderer Handhelds dürfte diese Feststellung etwas in Erstaunen versetzen. Sie sind schon lange mit ähnlichen Geräten auf dem Markt und entwickeln sie weiter. Auch AOL kündigte bereits vor der "Comdex" an, gemeinsam mit Gateway einen eigenen Notizbuch-PC auf den Markt zu bringen. Das Pikante: Der ehemalige Internet-Explorer-Partner AOL setzt bei seinem Minicomputer auf das Betriebsystem Linux, das mit Windows konkurriert.

All das scheint Gates nicht sonderlich zu stören. Er macht ein großes Geheimnis daraus, mit wem Microsoft den "Tablet-PC" entwickelt.

Unbeirrt stellte Gates seine Vision von der Zukunft des Internets vor: Die Wissensgesellschaft habe mit der Vernetzung von Computern durch das Internet nur einen ersten Schritt getan. "99 Prozent der großen Internet-Applikationen müssen noch geschrieben werden." Sie sollen Personal Computer, größere Server und kleine tragbare Endgeräte plattformübergreifend miteinander verbinden.

Der Schlüssel für die absolute Vernetzung ist laut Gates der Industrie-Standard XML, eine Universalsprache für den Datenaustausch. Damit soll der Nutzer Informationen aus unterschiedlichen Quellen am Computer, am Fernseher, mit dem Mobiltelefon oder einem Taschencomputer abrufen können. "In drei Jahren werden wir alle Internetservices nutzen, die wir dann für selbstverständlich halten", prophezeite Gates.

Der Microsoft-Gründer präsentierte auf der Comdex auch eine neue Version des Büroprogramms "Office". Da der Durchschnittsnutzer bei der existierenden Software nur einen Teil der Funktionen in der Praxis anwendet, sollen ihm so genannte "Smart Tags" Optionen der neuen Office-Version aufzeigen. Außerdem verknüpften sie Inhalte direkt mit dem Internet; ein Paragraphenzeichen führt zum Beispiel auf eine Website mit dem vollständigen Gesetzestext, so Gates. Microsoft habe in die neue Office-Version auch eine Spracherkennungsfunktion integriert. Der Anwender könne dem Computer Texte diktieren und das Programm durch Spracheingabe bedienen.

Der Softwareriese aus Redmond bleibt damit seiner bisherigen Strategie treu, die eigene Software mit abgekupferten und aufgekauften Programmen aufzustocken. Denn auch die Spracherkennung beim Computer ist - trotz aller Kinderkrankheiten - längst etabliert. IBM hat mit "Via Voice" schon vor Microsoft das erfundene Rad in die Regale gestellt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.