Neue Software Napster, völlig inhaltsfrei

Napster kommt der Erfüllung der Gerichtsauflagen immer näher. Die Umstellung auf eine neue Software reduzierte das Angebot radikal. Nun bitten die Betreiber die Fans darum, trotzdem dabeizubleiben.


Die Einführung einer neuen Software ist für ein Unternehmen in aller Regel ein Anlass für jubelnde Pressemitteilungen. Nicht so im Falle Napster: Mag sein, dass die Software ihre Vorzüge bietet, doch damit geht Napster erst gar nicht hausieren.

Stattdessen empfängt den Napster-Fan an diesem Freitag eine Botschaft auf der Homepage, die von wenigen mit Begeisterung aufgenommen werden wird:

"Upgraden Sie ihren Napster-Clienten zu Version 2.0 beta 10.3 für Windows oder Version 1.0 beta 2 für Mac. Alle früheren Versionen von Napster wurden außer Funktion gesetzt."

Kryptisches PC-Gerede mit Sprengstoff: Das heißt nicht mehr und nicht minder, als dass der Musik-Suchende bei Napster nun völlig vor die Wand läuft - außer er lässt sich auf die neue Software ein.

Und was hat er dann davon? Mehr Frust, weniger Musik:

"Wir haben diese Veränderungen vorgenommen im Rahmen unserer Bemühungen, den Auflagen des Gerichtes Folge zu leisten. Bis unsere neue Filtertechnik Musikstücke ordentlich identifiziert, wird es eine Weile dauern. Somit wird die Zahl der zur Verfügung stehenden Stücke anfänglich fallen. Je mehr Napster-Nutzer die neue Software nutzen und je mehr Stücke von dieser identifiziert werden, desto mehr Musik wird über Napster zu finden sein. Wenn sie die neue Software herunterladen und sich ins System einloggen, stärken sie die Napster-Community."

Das klingt, mit Verlaub, wie eine Abo-Werbeaktion der "taz" zu finstersten Zeiten. Im Klartext heißt das: Napster wurde auf null gestellt, bitte füttert ihn aufs Neue.

Napster dürfte damit erneut am Scheideweg stehen. Die Chancen des P2P-Dienstes, den Schritt hin zu einem "legalisierten" Abo-Service zu schaffen, sind abhängig von der Zahl der User, die ihm bis zum Ende die Treue halten. Selbst von diesen, erwarten Experten und Betreiber, wird nur ein gewisser Prozentsatz das Abo am Ende bezahlen.

Der Beta-Test des Abo-Dienstes beginnt im Juli. Wann der Regelbetrieb aufgenommen wird, ist hingegen nicht klar. "Noch im Sommer", versichert Kooperationspartner Bertelsmann - was auch immer das heißen mag.

Für Napster kommt es jetzt auf jede Woche an. Der ehemalige Rebell ist zum Bittsteller geworden. "Danke für Eure Unterstützung", endet die Mitteilung auf der Homepage. Ob Napster darauf zählen kann, wird man in den nächsten Download-Statistiken sehen können.

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