Nimda Das Schlimmste scheint vorüber

Erstmals seit Beginn der Virenattacke durch "Nimda" sinkt die Zahl der infizierten Rechner. Deutschland kam mit einem blauen Auge davon - auch dank nützlicher, kostenloser Tools, die schnell zur Verfügung standen.


Die weltweite Verbreitung von Nimda (gemessen über die Meldefunktion des Heimanwender-Produktes HouseCall von Trend Micro)
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Die weltweite Verbreitung von Nimda (gemessen über die Meldefunktion des Heimanwender-Produktes HouseCall von Trend Micro)

Das Gros der infizierten Rechner steht in den USA: Zeitweilig waren beim Supercomputer Center der Universität San Diego bis zu 150.000 befallene Systeme gemeldet. Diese Zahl sinkt jedoch, vor allem, weil inzwischen alle Virenschutz-Anbieter Patches und Programme anzubieten haben, die dem Virus den Garaus machen. Trotzdem bleibt Nimda das derzeit meistverbreitete Virus weltweit, seine Verbreitungsgeschwindigkeit ohne Beispiel.

Mehr als eine Teilentwarnung wäre also kaum angebracht: Wer sich nun nicht vor Nimda schützt, bleibt gefährdet: Darauf zu hoffen, man werde das Virus schon nicht bekommen, wäre naiv. Nimda wird - wie die meisten seiner Vorgänger - monate-, wenn nicht jahrelang immer wieder einmal auftauchen.

Immerhin nimmt die Verbreitungsgeschwindigkeit mit dem sinkenden Erfolg des Virus ab: Viele Computernutzer

hätten inzwischen ihre Systeme aufgerüstet und die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um sich wirksam zuschützen, hieß es dazu bei Trend Micro.

Der schnelle Rückgang sei eine deutliche Verbesserung gegenüber der Reaktion auf den Wurm "Code Red", teilte das Supercomputer Center der Uni in San Diego mit. "Code Red" hatte im Juli und August weltweit Schäden von schätzungsweise 2,6 Milliarden US-Dollar angerichtet.

Das Beispiel Trend Micro zeigt auch, dass die Virenschutz-Unternehmen immer schneller und professioneller auf solche Bedrohungen reagieren. Viele bieten Online-Diagnoseprogramme an, alle bieten inzwischen wirksame Updates für ihre Virenschutz-Programme, und manche leisten sich - wie Trend Micro - Formen höchst nützlicher Werbung. Das Unternehmen bietet auf seiner Website ein kleines DOS-Tool an, das als vollwertiger Virenscanner nur für Nimda den Rechner untersucht und infizierte Dateien gegebenenfalls reinigt.

Woher der neue Wurm "Nimda" stammt, war auch am Donnerstag noch nicht bekannt. Es könne noch Tage oder sogar Wochen dauern, bis man den Urhebern auf die Spur komme, hieß es bei Experten. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon bei Washington hielten US-Behörden für unwahrscheinlich.

Die genaue Zahl infizierter Computer werde möglicherweise nie festgestellt werden könne, sagte ein Forscher am Institut für Computersicherheit in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland. Die Dunkelziffer sei vermutlich sehr hoch. "Alles, was man feststellen kann, dürfte nur die Spitze des Eisberges sein", fügte er hinzu. Nach Angaben der IT-Sicherheitsfirma SecurityFocus gab es in Kanada, Dänemark, Italien, Norwegen, Großbritannien und den USA die höchste Infektionsrate. In Deutschland hatte sich der Wurm am Mittwoch ebenfalls mit rasender Geschwindigkeit ausgebreitet. Betroffen war unter anderem der Elektronikkonzern Siemens, der das Problem aber nach eigenen Angaben nach ein paar Stunden in den Griff bekam. Generell jedoch gehört Deutschland zu den weniger betroffenen Ländern.

Der Wurm gilt wegen seiner bisher offenbar einzigartigen Multifunktionalität als besonders gefährlich, weil er sich auf vielen verschiedenen Wegen ausbreiten kann. So können Rechner dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zufolge auf drei Arten mit dem Wurm infiziert werden: Durch das Öffnen von an E-Mails angehängte Dateien, durch das Anschauen dieser Anhänge (Attachments) mit einer speziellen Funktion, die in verschiedenen Versionen der Mail-Programme Outlook und Outlook Express von Microsoft eingebaut ist, und durch das Anklicken infizierter Websites.

"Nimda" bedeutet von rechts nach links gelesen "Admin", eine Abkürzung des englischen Wortes Administrator für Verwalter von Computer-Systemen.



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