OLED-Technologie Sony macht den Fernseher flacher

Fernseher werden immer dünner. Mit ultraschlanken drei Millimetern stellt Sony bei seinem jüngsten Prototyp einen neuen Rekord auf. Die Produktion soll in Kürze beginnen - allerdings vorerst nur von Kleinformaten mit 28 Zentimetern Bilddiagonale.

Von


Seit Jahren versuchen Bildschirmhersteller die Technik der OLEDs, also organischer Leuchtdioden, in den Griff zu bekommen. Bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Probleme bei der Produktion schränkten die Größe der fortschrittlichen Displays ein. Für Mobiltelefone, Autoradios und Taschencomputer reichte es gerade noch, mehr war nicht drin.

Nun aber scheint der japanische Elektronikkonzern Sony die schwierigsten Hürden überwunden zu haben. Auf einer Bildschirmmesse in Tokio zeigte die Firma erstmals Prototypen OLED-basierter Fernseher.

Deren herausragendes Merkmal: sie sind flach. Viel flacher als jene Geräte, die man bisher als Flachbildfernseher bezeichnete. Auf eine Dicke von lediglich drei Millimetern bringt es beispielsweise der in Tokio gezeigte Prototyp eines 11 Zoll messenden OLED-Fernsehers. Deutlich dicker, aber im Vergleich mit aktuellen Geräten immer noch hauchdünn, ist sein großer Bruder, der bei einer 27-Zoll-Diagonale zehn Millimeter dick ist.

Auf solche Traummaße kommen die hochauflösenden Displays nur durch konsequenten Verzicht. Im Gegensatz zu LCD-Bildschirmen benötigen sie keine Hintergrundbeleuchtung, um die Bildpixel zum leuchten zu bringen. Stattdessen erzeugen die OLED-Bauelemente ihr Licht selbst.

Leuchtende Sparvorbilder

Dies ist auch der Grund, weshalb beispielsweise der niederländische Philips-Konzern bereits an OLED-Lampen forscht. Wie ein Bild oder ein Spiegel könnten solche flachen Leuchtmittel an die Wand gehängt oder sogar in Möbel integriert werden und sollen ein besonders weiches und auf Wunsch farbig eingefärbtes Licht erzeugen.

Zu den großen Vorteilen von OLED-Bildschirmen zählt, dass sie deutlich weniger Strom verbrauchen als herkömmliche LCD- oder Plasma-Displays. Positiver Nebeneffekt: im laufenden Betrieb werden sie weniger warm. Diese Eigenschaften empfehlen sie für den Einsatz in mobilen Geräten wie Notebooks oder Handys. Für die Anwendung als TV-Bildschirm spricht hingegen ihr großer Blickwinkelbereich. Im Wohnzimmer bedeutet dies, dass man das Fernsehbild eines OLED-TV auch dann noch gut erkennen kann, wenn man schräg neben und nicht direkt vor dem Fernseher sitzt.

Die Massenfertigung läuft bald an

Der noch namenlose OLED-Fernseher mit 11-Zoll-Bilddiagonale steht laut Sony kurz vor dem Produktionsbeginn. Mit seinem mageren 28-Zentimeter-Bildschirm eignet er sich allerdings bestenfalls als Küchen-TV. Ungewöhnlich ist vor allem die Auflösung des Geräts. Die gibt Sony mit 1280 mal 600 Bildpunkten an und bezeichnet sie als Wide SVGA (WSVGA). Damit passt das Gerät in kein gängiges Raster und wird TV-Signale, ganz gleich ob standard- oder hochauflösend, stets auf sein eigenes Bildformat umrechnen müssen.

Das etwas größere Gerät mit immerhin knapp 69 Zentimetern in der Diagonale wird sich mit solchen Problemen nicht herumschlagen müssen. Dessen Auflösung wird mit 1920 mal 1080 Bildpunkten angegeben. Damit wäre das Gerät bestens dazu geeignet, HDTV wiederzugeben. In Japan und den USA, sowie zunehmend auch in Europa ein zugkräftiges Kaufargument.

Allerdings befindetet sich der 27-Zöller laut Sony "noch in der Entwicklung". An Serienreife ist also noch nicht zu denken.

Ohnehin scheint es bei Sony noch einige Unklarheiten bezüglich der OLED-Fernseher zu geben. So schweigt sich der Konzern bisher sowohl über Modellbezeichnungen als auch über den geplanten Termin des Verkaufsstarts für das 11-Zoll-Modell aus. Auch zu den Preisen der geplanten Fernseh-Flundern gibt es derzeit noch keine Informationen.

Aber das könnte durchaus Taktik sein. Schließlich versuchen auch anderen Firmen die ersten zu sein, die einen OLED-Fernseher auf den Markt bringen. Und denen werden die Sony-Bosse sicher keine Steilvorlage liefern wollen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.