Online-Glücksspiel: Teil 2 Gewinnen ohne Einsatz

Wer ohne finanzielles Risiko auf der Gewinnerseite stehen möchte, findet im Netz zahllose Möglichkeiten. Man bekommt mitunter Augenschmerzen, in welch schrillen Farben einem das Glück entgegenblinkt. Die Palette an Preisen ist groß und reicht vom Prepaid-Handy bis zum Ferrari.

Von Barbara Mayerl


Gewinnzone Internet: Reisen, Autos, Elektronikgeräte.
[M] DPA

Gewinnzone Internet: Reisen, Autos, Elektronikgeräte.

Gewinnspiele steigern die Besucherfrequenz und geben aufschlussreiche Informationen über Benutzerverhalten und -struktur. Milliarden von Daten werden da in die Archive gekarrt und mit Data-Mining-Werkzeugen untersucht.

Selbst der E-Mail-Dienst GMX will auf die Besuchermagnete nicht mehr verzichten und kooperiert mit dem Portal gewinnspiele.de. Mittels Suchmaschine kann der Nutzer nach verschiedenen Kriterien systematisch das Angebot beackern. Ähnliches passiert auf gewinnspiele.com. Seit einem Monat gibt es sogar einen Newsletter, den mittlerweile 23.000 Besucher abonniert haben. "Wir haben täglich zwischen 6000 und 7000 Besucher," berichtet der Geschäftsführer Michael Paul stolz. Die Zwei-Mann-Firma d&p media aus Zweibrücken ist seit 1997 am Markt. Gewinnspiele aus über 50 Bereichen werden systematisch gesammelt und redaktionell bewertet. Finanziert wird der Aufwand durch Bannerwerbung.

Auch bei K1010.de kann man sich mit allerhand Spielchen die Zeit vertreiben. Das Konzept nennt sich E-Mercial, der Benutzer surft durch witzige Flash-animierte Werbespots und versucht zwischendurch sein Glück. In der "The Smiley Show" beantwortet man Quizfragen und heimst den Tagespreis ein, Gutscheine, Reisen oder Elektronikprodukte.

Gratis-Lotto gibt es seit kurzem auf lotty.de. Der Spieler registriert sich und kann täglich kostenlos einen Tipp abgeben. Die Seite wird über Werbepartner finanziert, die die Patenschaft für die Tipps übernehmen, dafür aber auch omnipräsent sind. Wer 7 aus 49 richtig tippt, gewinnt eine Million Mark.

Egal, wo man landet, wirklich umsonst gibt es nichts, Gewinnspiele ziehen immer Besucher auf die Seiten und wer mit von der Partie sein will, muss zumindest seine Personalien abgeben und versteckt oder offensichtlich bei der Erstellung von Marktstatistiken "mithelfen" - also brav Umfragebögen ausfüllen.

Menschenverstand walten lassen

Tobias Brönneke, Rechtsexperte der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände in Bonn, hat praktische Ratschläge parat: "Bei Gewinnspielen sollte man generell Vorsicht walten lassen. Die einfache Regel 'Niemand hat was zu verschenken' sollte man stets im Hinterkopf behalten." Im Endeffekt will der Veranstalter die Konsumenten zu Dingen veranlassen, die sie unter anderen Umständen nicht gemacht hätten.

Auf die Problematik mit dem systematischen Daten-Sammeln und Verwerten angesprochen, ortet er ein "schweres Vollzugsdefizit". Nach deutschem Recht ist die Weitergabe von persönlichen Daten selbstverständlich verboten, aber viele Betreiber könnten sich durch das Internet einer wirksamen Kontrolle entziehen, meint er. Eines sei sicher: "Es tummeln sich momentan sehr viel schwarze Schafe in diesem Bereich."

Staatlich erlaubt

Des Deutschen liebstes Spiel findet man allerdings nicht auf lotto.de, denn die staatlich kontrollierten Glücksspiele wie Lotto und Toto bringen Kooperationspartner ins Netz, beispielsweise die fluxx.com AG. Das börsennotierte Unternehmen wickelt mit dem jaxx.de-Portal mittlerweile für 135.000 registrierte Benutzer Lotto, Toto, ODDSET-Sportwetten und Klassenlotterie ab und kassiert dafür sieben Prozent Provision von den Annahmestellen und 10 Prozent Vermittlungsgebühr vom Kunden. "Für die Zukunft ist allerdings geplant, gemeinsam mit den Lottogesellschaften ein Modell auszuarbeiten, bei denen der Spieler über das Internet günstiger tippt als auf der Straße," berichtet Stefan Zenker von fluxx.com. Im Herbst wird zudem der Wettkanal kräftig ausgebaut, erst kürzlich hat man die Telewetten GmbH übernommen, um auch Pferdewetten übers Internet anbieten zu können.

Heftige Konkurrenz macht fluxx.com das Hamburger Start-up tipp24.de, das ebenfalls als virtuelle Annahmestelle fungiert, allerdings keine Zusatzgebühren erhebt. Der Spielschein ist damit nicht teurer als in der Lottobude. Laut Unternehmensangaben bringt das satte Kundenzuwächse und bis Ende des Jahres rechnet man auch hier mit 100.000 registrierten Kunden.



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