Opera-7-Beta Sprint-Browser soll schneller rennen

Der Chef der norwegischen Browser-Schmiede Opera schürt die Erwartungen, dass die Betaversion von Opera 7 in Kürze verfügbar wird. Weitgehend neuer Code soll den angeblich schnellsten Browser der Welt weiter beschleunigen - und auffällige technische Mängel abstellen.


Oslo - Es gibt einen Vergleich, der Jon S. von Tetzchner ganz und gar nicht passt: der mit dem Entwicklerteam von Netscape im Jahr 1998. Damals nahm sich der einstige Marktführer auf dem Browser-Markt vor, seine Navigator-Software komplett neu zu erfinden. Doch die Neufassung geriet zu einer langwierigen Odyssee, die erste markttaugliche Ergebnisse erst nach rund vier Jahren erbrachte. Auch treue Navigator-Fans liefen in der Zwischenzeit zur Konkurrenz Microsoft über.

Bei Opera in Oslo, betonte Tetzchner nun in einem Gespräch mit "ZDNet", seien gerade einmal 18 Monate vergangen, seitdem man mit der Entwicklung des neuen Browsers Opera 7 begonnen habe. Die Betaversion von Opera 7 werde in Kürze veröffentlicht werden, kündigte der Mitgründer und CEO des Unternehmens an - einen genauen Termin nannte er allerdings nicht.

Mit den letzten verfügbaren Versionen wie Opera 6.05 werde die erneuerte Fassung wenig gemeinsam haben. Der Programmcode sei vom Team, das am Projekt namens "Presto" arbeitete, fast völlig ausgetauscht worden. Ziel sei es gewesen, den laut Eigenwerbung schnellsten Browser der Welt weiter zu beschleunigen und bisherige Kompatibilitätsprobleme zu beheben. Auch die Mail- und News-Klienten seien erneuert worden.

Nach Opera-Angaben wird der die Browser-Software zurzeit pro Monat von einer Million Neukunden installiert. Opera verfügt immer noch über einen sehr kleinen Marktanteil, der je nach Berechnungsmethode zwischen knapp über einem Prozent und neun Prozent schwankt. Das mag neben der mangelnden Bekanntheit der Marke mit diversen Eigenartigkeiten des Browsers zusammenhängen, die bei unüblichen Tastatur-Short-Cuts und oft irritierenden Maustasten-Belegungen anfangen. Anders als Explorer und Navigator ist bei der kostenlosen Opera-Version zudem ein voreingestelltes Werbefenster direkt in den Browser-Rahmen integriert. Wer ohne diese PR-Berieselung auskommen will, muss eine Kaufgebühr für den Browser zahlen.

Schwerer wiegt, dass Opera viele Seiten nicht zufriedenstellend anzeigt. Um diese Probleme zu lindern, soll Opera 7 das Programmiersprachen-Schema DOM, Document Object Model, besser als zuvor unterstützen. Opera hinkt hier bisher der Konkurrenz von Navigator und Explorer hinterher. Durch die DOM-Technologie, vom W3-Konsortium standardisiert, lassen sich alle Elemente eines Dokumentes, darunter zum Beispiel Scripte wie JavaScript, als Objekt ansprechen.

Wie zufriedenstellend die DOM-Unterstützung bei Opera 7 ausfallen wird, muss sich noch zeigen. Manche Beobachter zweifeln ohnehin daran, ob es für ein Unternehmen wie Opera Sinn mache, sich an W3-Standards zu orientieren - sinnvoller sei es vermutlich, das Unausweichliche zu akzeptieren und Techniken und Standards nahchzuahmen, die vom dominierenden Microsoft Explorer gesetzt werden.

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