Oscars und Emmys Deutsche Techniker räumen US-Medienpreise ab

Wenn es um die prestigeträchtigen Oscar- und Emmy-Statuetten geht, haben deutsche Künstler nur selten etwas zu melden. Hiesige Ingenieure hingegen landen gern auf dem Siegertreppchen: Fünf der ersten Technikpreise in diesem Jahr gingen an Deutsche.


Es gibt kaum eine Tätigkeit im Film- und TV-Business, für die es in den USA keine Auszeichnung gäbe. Allein die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die den bekannten Oscar unter das Filmvolk bringt, zeichnet alljährlich eine Kohorte von Kreativen in bis zu 35 Kategorien aus. Wir sehen davon nur einen Teil, denn die Oscar-Gala mit ihrem Pathos und den "...ach ja, und der Großtante des Kindermädchens meiner Mutter danke ich auch noch"-Reden ist der Glamour-Fraktion des Filmgeschäftes vorbehalten. Die Zuarbeiter, die die Stars erst strahlen lassen, werden vorab und in kleinerem Rahmen gewürdigt.

Preisträger Wiegand: TV- und Filmpreise gehen mitunter auch an Techniker - denn Technik ist die Grundvoraussetzung des Geschäfts
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Preisträger Wiegand: TV- und Filmpreise gehen mitunter auch an Techniker - denn Technik ist die Grundvoraussetzung des Geschäfts

So wie Erwin Melzner, Volker Schumacher und Timo Müller von der Münchener Firma Arnold & Richter Cine Technik, Film-Freaks besser bekannt als ARRI. Sie entwickelten seit die Bilder laufen lernten Filmkameras, die bis heute zu den besten der Welt gezählt werden - aber nicht nur das. Das Münchner Team wurde am Donnerstag mit einem Technik-Oscar ausgezeichnet für die Entwicklung des besonders lichtstarken Scheinwerfers Arrimax 18/12.

Gefeiert und feierlich verliehen wird dieser Preis und drei weitere Auszeichnungen am 7. Februar im Rahmen eines Gala-Essens in Beverly Hills. Die Glamour-Fraktion übt sich dann am 22. Februar in Hollywood in einem weiteren Rekordversuch im Dauerlächeln.

Ein Produkt, zwei Emmys

Ganz breit lächelten wohl auch Thomas Wiegand, Professor an der TU Berlin, und Jens-Rainer Ohm von der RWTH Aachen. Sie ernteten am Donnerstag in Las Vegas einen Technik-Emmy für ihre Entwicklungsarbeit am Videokomprimierungscodec H.264.

Der ist inzwischen jedem Web-Nutzer, MP4-Player-Besitzer oder HD-Fan begegnet, auch wenn er sich darüber nicht bewusst ist: Das H.264-Verfahren ermöglicht erst die Komprimierung von HD-Bildern auf die Hälfte ihres Datenvolumens, und damit auch das Streaming qualitativ besonders hochwertiger und trotzdem kompakter Videos über das Web. Er werkelt aber auch in der Codierung von Blu-ray-Videos, bei Handy-TV-Lösungen und bildet die Grundlage kommender HD-TV-Standards via Satellit.

Für Wiegand und Ohm ist der Emmy schon der zweite im Regal - zum ersten Mal in der Geschichte der Emmys wurde ein Technikpreis zweimal für die gleiche Entwicklungsleistung vergeben. Ohm und Wiegand nahmen den Preis zusammen mit ihren Kollegen Garry J. Sullivan von Microsoft und Ajay K. Luthra von Motorola entgegen: Alle vier sind in den Entwicklergruppen Video Coding Expert Group (VCEG) und Moving Picture Experts Group (MPEG) engagiert.

pat



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