Panasonic DMR-E100H Der Zeitschlüpfer

Dieses Gerät wird in diesem Jahr wohl nur unter wenigen Weihnachtsbäumen stehen, obwohl es eigentlich das Zeug zum "Killer-Device" hätte. Schuld daran ist vor allem eines: sein Preis. Denn ansonsten gibt es an Panasonics DMR-E100H nur wenig auszusetzen.


(Noch?) ein Einkaufstipp für Weihnachtsmänner mit dicken Brieftaschen: digitaler Videorecorder/DVD-Brenner von Panasonic

(Noch?) ein Einkaufstipp für Weihnachtsmänner mit dicken Brieftaschen: digitaler Videorecorder/DVD-Brenner von Panasonic

Auf den ersten Blick lässt sich das Gerät nur schwer einordnen. Es gibt eine Schublade für Silberscheiben, zwei Einschübe für Speicherkarten und eine Menge Knöpfe mit kryptischen Bezeichnungen an der Vorderseite. Seine Displays sitzen spacig hinter einer einseitig durchlässigen, verspiegelten Blende.

CD Player? DVD-Rekorder? Home-Computer?

Von allem ein wenig. Sicherheitshalber hat der Hersteller einen (ablösbaren) Aufkleber angebracht: "DVD Recorder with Hard Disk Drive" steht drauf, aber das trifft es nur zum Teil. Das etwa 1200 Euro teure Maschinchen ist der derzeit wohl vielseitigste Videorekorder überhaupt.

Neben den beiden Laufwerken ist nämlich auch noch ein vollwertiger TV-Tuner mit an Bord, der sich zudem auch noch bequem über die praktischen ShowView-Zahlen programmieren lässt, die die Programmzeitschriften abdrucken. Bis zu 106 Stunden Programm passen in der schlechtesten Qualität im MPEG-2-Format auf die 80 Gigayte große Festplatte. Wer mehr Qualität braucht, ist immer noch mit knapp 40 Stunden dabei. Das ist mehr als ausreichend, denn: Aufzeichnungen, die dauerhaft gesichert werden sollen, lassen sich auf eine DVD-RAM- oder DVR-R-Scheibe brennen und danach platzsparend im Regal unterbringen. Der Festplatten-Platz steht dann wieder für neue Aufzeichnungen bereit.

Der Clou ist aber das, wofür Panasonic die Zwerchfell reizende Bezeichnung "Timeslip" (English for runaways: "Zeitschlüpfer") verwendet. Zeichnet das Gerät nämlich ein Programm auf Festplatte oder DVD-RAM-Scheibe auf, kann gleichzeitig auch die Wiedergabe-Funktion genutzt werden. Dabei spielt es keine Rolle, was wiedergegeben werden soll: Auch derselbe Film, der gerade noch aufgezeichnet wird, kann schon von Anfang an angeschaut werden.

Dadurch ergibt sich tatsächlich das ganz persönliche Fernsehen, denn plötzlich startet Günter Jauch sein Millionenspiel nicht nur um 20.15 Uhr sondern auch um 20.30 Uhr oder 20.57 Uhr - eben genau dann, wann man mit Nüsschen und Cola vor dem Schirm Platz genommen hat. Für viele Zuschauer angenehmer, für die werbetreibende Industrie unangenehmer Nebeneffekt: Werbeblöcke können aufgrund der zeitversetzten Wiedergabe einfach übersprungen werden.

Einziger echter Kritikpunkt: Das Gerät ist nicht eben einfach zu bedienen. Die Beschriftung der Tasten könnte eindeutiger, die Benutzerführung klarer sein. So braucht es schon einige Tage, bis man das Gefühl hat, das Gerät wenigstens in seinen Grundfunktionen zu beherrschen. Wer sich seine Anschaffung also leisten kann, der wird das Gerät schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen wollen. Ach ja: DVD-Filme und Digitalfotos anschauen sowie selbst gedrehte Videos per Firewire-Kabel auf Platte und DVD übertragen kann man mit dem Allround-Talent auch noch.

Michael Stein



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.