Pillen aus dem Netz Sparen per Mausklick

Gesetzliche Krankenkassen könnten jedes Jahr 1,7 Milliarden Mark sparen, wenn sich ihre Versicherten einen Teil der verschreibungspflichtigen Medikamente bei einer Internet-Apotheke besorgten.


Medikamente sind im Internet oftmals billiger
GMS

Medikamente sind im Internet oftmals billiger

Das ist das Ergebnis einer Modellrechnung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO), die sich unter anderem auf das Angebot der niederländischen Versand-Apotheke DocMorris stützt. Diese führt kein Vollsortiment, sondern bietet hauptsächlich Arzneien für chronisch Kranke an. Weil DocMorris die übliche Rezeptgebühr erlässt, würden auch die Patienten sparen ­ laut Modellrechnung 330 Millionen Mark jährlich.

Nachdem die Ausgaben für Arzneimittel im ersten Quartal 2001 erneut gestiegen sind, rufen die Kassen immer lauter nach einem Versandvertrieb von Medikamenten: "Es darf keine Tabuthemen, auch standespolitischer Art, geben", fordert Rolf Hoberg, Vize-Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nennt die WidO-Studie dagegen eine "Milchmädchenrechnung"; ihre Mitglieder müssten schließlich ein Vollsortiment vorhalten. Der Verband fürchtet Umsatzverluste von rund 50 Prozent. Bisher ist der Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland verboten; gegen DocMorris liegen zahlreiche einstweilige Verfügungen vor. Nun soll dem Europäischen Gerichtshof der Fall vorgelegt werden.

Diesen Weg zeigte das Landgericht Frankfurt vergangenen Freitag bei der ersten Hauptsacheverhandlung auf. Derweil liefert die Netz-Apotheke mit dem Segen der Kassen weiter: "Fast alle Versicherungen erstatten die bei uns eingereichten Rezepte", so Jens Apermann von DocMorris.



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