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06. Oktober 2008, 10:16 Uhr

Privat-Rechner fürs Büro

Kauf dir deinen PC doch selbst

Über kaum ein Arbeitsmittel wird so viel geschimpft wie über den Rechner im Büro. In den USA erproben Firmen ein Modell, das mehr Zufriedenheit bringen soll: Mitarbeiter bekommen keinen PC, sondern einen Etat - und sollen sich damit selbst ausrüsten.

Miami - Mitarbeiter von Firmen sind ja eigentlich nie zufrieden mit dem Computer, den sie an ihrem Arbeitsplatz vorfinden. Zu langsam, zu wenig Speicherplatz, schlechte Grafik - irgendetwas gibt es immer auszusetzen. Dem setzt die Softwarefirma Citrix ihr Programm "BYOC" entgegen: Bring Your Own Computer. Die Mitarbeiter werden aufgefordert, sich ihren Rechner doch selber auszusuchen und zu kaufen.

Wunsch-Apple statt Office-PC: Die Citrix-Angestellte Lisagaye Tomlinson hat ihren Etat genutzt, sich neu auszustatten
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Wunsch-Apple statt Office-PC: Die Citrix-Angestellte Lisagaye Tomlinson hat ihren Etat genutzt, sich neu auszustatten

Dazu bekommen die Angestellten ein Budget von 2.100 Dollar. Davon müssen sie sich einen Laptop und einen Wartungsvertrag für drei Jahre organisieren. Wie der Rechner aussieht, ist dann ihre Sache. Der Firma nehmen sie dafür jede Verantwortung für Anschaffungen und technischen Support ab. Die ersten 200 Mitarbeiter, die sich an dem Programm beteiligt haben, waren trotzdem zufrieden.

Der Analyst Charles King von Punt-IT spricht von einer "vorausschauenden Strategie". "Die Leute haben eine sehr persönliche Beziehung zu ihren technischen Geräten. Die Freiheit zu haben, den Computer kaufen zu können, den man will, ist wie eine Belohnung. Und ein zufriedener Mitarbeiter ist normalerweise auch ein produktiver."

Citrix steht mit dem BYOC-Programm wohl nicht alleine da, es ist aber die erste große Firma, die dies ganz öffentlich macht, sagt Steve Kleynhans, Analyst von Gartner. Bei anderen IT-Firmen gebe es wohl ähnliche Projekte, die aber alle nur unter der Hand liefen. Es gelte ja auch, einige technische Herausforderungen zu meistern. So müsse sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter auch die Programme haben, die sie für ihre Arbeit brauchen, erklärt Kleynhans. Auch müsse geklärt sein, wie mit vertraulichen Informationen umgegangen werde und wie diese auf den Rechnern der Angestellten geschützt würden.

Kritik: Kein Modell für jede Firma

Für Citrix ist das Programm eine Werbung für die eigene Virtualisierungstechnik. Sie ermöglicht es, Software in Unternehmen zentral zu verwalten, wobei die Mitarbeiter die Programme und auch die Daten gar nicht auf ihrem Computer haben, sondern von Servern abrufen. "Wenn unsere Technik das kann, wieso machen wir es dann nicht selbst?", sagt der Leiter für Informationstechnik von Citrix, Paul Martine, zu den Beweggründen für das Computer-Kauf-Programm.

Ob andere Firmen dem Beispiel folgen, hängt wohl vor allem davon ab, ob sie damit Geld sparen können. Citrix erklärt, ein Computer habe in Anschaffung und Wartung für jeden Mitarbeiter rund 2.500 Dollar gekostet. Eine Zahl, die Analysten auch für andere Unternehmen bestätigen. Die 2.100 Dollar könnten also tatsächlich eine Einsparung bedeuten.

Aber es gibt auch Bedenken. Die Analystin Sara Radicati ist sich nicht sicher, welches Problem Citrix damit eigentlich löst und ob es irgendetwas bringt. Gerade die Verwaltung wichtiger firmeninterner Daten sei doch einfacher, wenn es etwas mehr Kontrolle gebe. Und der Berater Tim Bajarin von Creative Strategies meint, so ein Programm sei für eine Softwarefirma wie Citrix einfacher durchzuführen als für normale IT-Firmen. Als Firma, die auf Virtualisierung spezialisiert sei, habe die das Wissen, wie so etwas erfolgreich umgesetzt werden könne.

Auch Citrix testet noch, die Erprobungsphase läuft bis Ende des Jahres. Dann, so Martine, werde man sehen, ob das Programm die Erwartungen erfülle.

Rasha Madkour, AP

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