Privat-Rechner fürs Büro Kauf dir deinen PC doch selbst

Über kaum ein Arbeitsmittel wird so viel geschimpft wie über den Rechner im Büro. In den USA erproben Firmen ein Modell, das mehr Zufriedenheit bringen soll: Mitarbeiter bekommen keinen PC, sondern einen Etat - und sollen sich damit selbst ausrüsten.


Miami - Mitarbeiter von Firmen sind ja eigentlich nie zufrieden mit dem Computer, den sie an ihrem Arbeitsplatz vorfinden. Zu langsam, zu wenig Speicherplatz, schlechte Grafik - irgendetwas gibt es immer auszusetzen. Dem setzt die Softwarefirma Citrix ihr Programm "BYOC" entgegen: Bring Your Own Computer. Die Mitarbeiter werden aufgefordert, sich ihren Rechner doch selber auszusuchen und zu kaufen.

Wunsch-Apple statt Office-PC: Die Citrix-Angestellte Lisagaye Tomlinson hat ihren Etat genutzt, sich neu auszustatten
AP

Wunsch-Apple statt Office-PC: Die Citrix-Angestellte Lisagaye Tomlinson hat ihren Etat genutzt, sich neu auszustatten

Dazu bekommen die Angestellten ein Budget von 2.100 Dollar. Davon müssen sie sich einen Laptop und einen Wartungsvertrag für drei Jahre organisieren. Wie der Rechner aussieht, ist dann ihre Sache. Der Firma nehmen sie dafür jede Verantwortung für Anschaffungen und technischen Support ab. Die ersten 200 Mitarbeiter, die sich an dem Programm beteiligt haben, waren trotzdem zufrieden.

Der Analyst Charles King von Punt-IT spricht von einer "vorausschauenden Strategie". "Die Leute haben eine sehr persönliche Beziehung zu ihren technischen Geräten. Die Freiheit zu haben, den Computer kaufen zu können, den man will, ist wie eine Belohnung. Und ein zufriedener Mitarbeiter ist normalerweise auch ein produktiver."

Citrix steht mit dem BYOC-Programm wohl nicht alleine da, es ist aber die erste große Firma, die dies ganz öffentlich macht, sagt Steve Kleynhans, Analyst von Gartner. Bei anderen IT-Firmen gebe es wohl ähnliche Projekte, die aber alle nur unter der Hand liefen. Es gelte ja auch, einige technische Herausforderungen zu meistern. So müsse sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter auch die Programme haben, die sie für ihre Arbeit brauchen, erklärt Kleynhans. Auch müsse geklärt sein, wie mit vertraulichen Informationen umgegangen werde und wie diese auf den Rechnern der Angestellten geschützt würden.

Kritik: Kein Modell für jede Firma

Für Citrix ist das Programm eine Werbung für die eigene Virtualisierungstechnik. Sie ermöglicht es, Software in Unternehmen zentral zu verwalten, wobei die Mitarbeiter die Programme und auch die Daten gar nicht auf ihrem Computer haben, sondern von Servern abrufen. "Wenn unsere Technik das kann, wieso machen wir es dann nicht selbst?", sagt der Leiter für Informationstechnik von Citrix, Paul Martine, zu den Beweggründen für das Computer-Kauf-Programm.

Ob andere Firmen dem Beispiel folgen, hängt wohl vor allem davon ab, ob sie damit Geld sparen können. Citrix erklärt, ein Computer habe in Anschaffung und Wartung für jeden Mitarbeiter rund 2.500 Dollar gekostet. Eine Zahl, die Analysten auch für andere Unternehmen bestätigen. Die 2.100 Dollar könnten also tatsächlich eine Einsparung bedeuten.

Aber es gibt auch Bedenken. Die Analystin Sara Radicati ist sich nicht sicher, welches Problem Citrix damit eigentlich löst und ob es irgendetwas bringt. Gerade die Verwaltung wichtiger firmeninterner Daten sei doch einfacher, wenn es etwas mehr Kontrolle gebe. Und der Berater Tim Bajarin von Creative Strategies meint, so ein Programm sei für eine Softwarefirma wie Citrix einfacher durchzuführen als für normale IT-Firmen. Als Firma, die auf Virtualisierung spezialisiert sei, habe die das Wissen, wie so etwas erfolgreich umgesetzt werden könne.

Auch Citrix testet noch, die Erprobungsphase läuft bis Ende des Jahres. Dann, so Martine, werde man sehen, ob das Programm die Erwartungen erfülle.

Rasha Madkour, AP



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
mime 06.10.2008
1. Super!
Na huch, da wird wohl die Mac-Nutzung weiter zunehmen! ;) Halte ich für eine sehr gute Idee, ich kenne wirklich viele, die ihren Arbeitsrechner alles andere als mögen. Und schließlich soll man sich bei der Arbeit so wohl wie möglich fühlen und da ist so ein selbstgewählter Rechner schon mal ein nicht zu unter- schätzender Faktor.
DanielaMund, 06.10.2008
2. Interessante Idee..
Zitat von sysopÜber kaum ein Arbeitsmittel wird so viel geschimpft wie über den Rechner im Büro. In den USA erproben Firmen ein Modell, das mehr Zufriedenheit bringen soll: Mitarbeiter bekommen keinen PC, sondern einen Etat - und sollen sich damit selbst ausrüsten. http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,581822,00.html
Das stelle ich mir gerade bei jemandem vor, der von Computern nur weiss, wo sie angeschaltet werden - bei vernetztem Arbeiten kann das ganze mit nicht aktuellem Virenscanner, inkompatiblen Firewalls etc. richtig spaßig werden - und kein Sysad, der die Probleme behebt. Bei Citrix oder SAP mag das ja funktionieren, aber zB bei Opel?
Matzescd, 06.10.2008
3. Kosten/Nutzen?
na toll... Prinzipiell eine nette Idee, die den Benutzer zufrieden stellt. Aber wie sieht es mit den Verwaltungskosten aus? Große Firmen nutzen so etwas wie Standardimages. Das wäre dann nicht mehr möglich und somit wäre der Verwaltungsaufwand ungleich höher. Das Beispiel "Citrix" ist, denke ich, schlecht gewählt, da wohl gerde diese Firma wenig "lokal" arbeitet und eher auf den eigenen Terminalserver zugreift. Gerade bei Terminalserversitzungen bringt die lokale Rechenleistung kaum Vorteile...
TOPCTEH, 06.10.2008
4. Viel Freude für Admins
Zitat von sysopÜber kaum ein Arbeitsmittel wird so viel geschimpft wie über den Rechner im Büro. In den USA erproben Firmen ein Modell, das mehr Zufriedenheit bringen soll: Mitarbeiter bekommen keinen PC, sondern einen Etat - und sollen sich damit selbst ausrüsten. http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,581822,00.html
Was für Rechner das sein werden, kann man sich wohl denken: Die neueste DAU-"Multimedia"-Daddelkiste von Feinkost Albrecht oder dem Blöd- oder Geizmarkt, die nur sehr bedingt in die Bürolandschaft passen wird. Wer sich "mit Computern auskennt" und so etwas schon mal machen musste, kann sich ungefähr vorstellen, was für Nerven ihn der private Support derartiger absichtlich oder unabsichtlich mit Schadsoftware verseuchter DAU-Rechner kostet. Und das Ganze dann mit dem Faktor Tausend; da wird der Admin sich aber sehr freuen... meint Torsten
iLady 06.10.2008
5. habe auch so schon genung zu tun....
Klar das funktioniert nur in Firmen / Abteilungen wo die Leute auch wissen was sie tun (Ahnung von Computern haben)… Auch klappt es nur da, wo die Etat Endscheider wissen was ein anständiger Arbeitsrechner kosten muss (Minium).. wenn der Etat zu klein ist, hilft es auch nicht wenn ich ihn selber kaufe (muss)… Es würde aber auch in vielen Fällen schon eine Verbesserung eintreten, wenn die Leute, die die Hardware kaufen, vorher mal mit den Leuten sprechen würden, was sie den so tun mit den Computern… Dann kämme es auch nicht vor, das jemand der Bilder bearbeiten muss ständig Probleme hat, weil zu wenig RAM im Rechner ist und die Billig Grafikkarte das nicht packt. Bzw. beim täglichen arbeiten der Rechner lahm ist und abstürzt weil die Hardware außer Billig nix ist… Klar ist man mit so einem Computer unzufrieden.. aber das Problem liegt nur beim 1. Blick beim Computer (der hat sich nicht von alleine in den Büroraum gestellt...) ;-) Wenn Arbeitsmaterial den Mitarbeiter unzufrieden macht, liegt das an denen die planen und anschaffen (und den Etat dafür festlegen) .. Es ist natürlich einfach die Verantwortung dem Mitarbeiter dann in die Hand zu legen.. aber ich denke den gleichen Zufriedenheitsgrad könnte man auch erreichen, in dem man vor Anschaffung von Arbeitsmitteln ermitteln, was der jeweilige Mitarbeiter benötigt… statt die Verantwortung einfach auf den Angestellten zu schieben… Ich will mir meinen Computer gar nicht selber kaufen müssen, ich will einfach nur gefragt werden was ich benötige. Ich kann gut darauf verzichten mich auch noch selber um Support und Anschaffung zu kümmern! Und soll ich auch noch verantwortlich sein ob und wie "mein" Computer dann mit dem Firmennetz funktioniert oder was? Ne Ne… Systemadministrator möchte ich in so einer Firma nicht sein wo es den hunderte an verschiedenen technischen Geräten gibt die aber alle kompatibel miteinander laufen sollen.. Wichtiger währe wirklich die Frage woran es liegt das die Leute ihre Firmencomputer nicht Leiden können. Das liegt ganz sicher nicht daran, dass jemand anderes sie angeschafft hat! Das erinnert ich an das Prinzip: Arbeit auf den Kunden verlagern und das als Service und Tolle Neuerung verkaufen…
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