Putzfrauen-Protest Streik im Silicon Valley?

Sie wischen täglich die Schreibtische der Dotcom-Millionäre, leben im teuersten Tal der USA - doch sie verdienen weniger als zehn Dollar pro Stunde. Die Putzfrauen des Silicon Valley drohen mit Streik.


Unter dem Motto "Justice for Janitors" demonstrierten am Donnerstag tausende von Putzfrauen im kalifornischen Mountain View, berichtete das Online-Magazin Wired News. Es war der Auftakt zu einem langen Kampf um 16 Prozent mehr Lohn. Die Gewerkschaft, die hinter der Bewegung steht, schließt einen Streik nicht aus.

Justicia!
AP

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Die Putzfrauen reinigen die Räume der bekanntesten Silicon-Valley-Firmen, unter anderen Cisco, Apple, Oracle, Hewlett Packard, Sun und IBM. Angestellt sind sie jedoch bei Sub-Unternehmern. Ihr Stundenlohn beträgt im Schnitt acht bis neun Dollar, was ein Jahresgehalt von 17.000 Dollar ergibt - und keine Versicherungsleistungen beinhaltet. Die Armutsgrenze in der reichsten Region Amerikas liegt für eine vierköpfige Familie bei 53.000 Dollar, berichtet Wired News.

Die Gewerkschaft prangert das krasse Missverhältnis zwischen den Firmenumsätzen und den Löhnen der Billigarbeitskräfte an. So könnte Hewlett Packard die geforderte Lohnsteigerung in zwei Minuten erwirtschaften, IBM bräuchte sogar nur dreißig Sekunden.

Etliche Putzfrauen leben in Garagen und haben mindestens zwei Jobs, um über die Runden zu kommen, berichtete der Industry Standard, das Branchenblatt der Internetwirtschaft. Wenn es nach den Hightech-Firmen geht, soll die Garage jedoch weiterhin für Kreativität, nicht für Armut stehen. "Niemand sollte in einer Garage leben, egal, wo er arbeitet", sagte ein Sprecher von Cisco dem Blatt.

Doch Cisco verschanzt sich hinter den Putzfirmen: Die seien für die anständige Bezahlung ihrer Angestellten zuständig. Die Sub-Unternehmer ihrerseits argumentieren, die Rahmenbedingungen würden ihre Großkunden diktieren.



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