Radio Mondial Digitales Stereoradio per Kurz-, Mittel- oder Langwelle

Der digitale Radiostandard DAB krebst seit Jahren weitgehend erfolgfrei herum, hat das Thema Digitalradio lange Zeit belastet. Jetzt aber kündigt sich mit "DRM" ein Konkurrent an, der DAB rechts und links überholen könnte - in UKW-Qualität über Kurz-, Mittel- und Langwelle.


DRM-Radio 2010: noch satte 800 Euro teuer
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DRM-Radio 2010: noch satte 800 Euro teuer

Ob beim Frühstück, im Auto oder bei der Arbeit: Mehr als 80 Prozent der Deutschen schalten jeden Tag einen der knapp 60 öffentlich-rechtlichen oder der gut 200 privaten Radiosender ein. Jetzt kommt eine neue vom Fraunhofer-Institut entwickelte Übertragungs-Technologie hinzu - Digital Radio Mondial (DRM) heißt sie. Bislang wagten sich nur wirkliche Radio-Freaks in die Frequenzbereiche von Kurz-, Mittel- und Langwelle. Nerviges Rauschen und Knacken machte das Ganze nicht gerade zu einem Hörgenuss. Mit DRM jedoch lassen sich Sender weltweit und fast in UKW-Qualität empfangen.

"DRM eröffnet dem Rundfunk ganz neue Möglichkeiten", sagt Peter Senger, Vorsitzender des DRM-Konsortiums und Direktor Distribution bei Deutsche Welle (DW) in Bonn. Zusammen mit der BBC, Radio Niederlande und RTL Luxemburg ist die Deutsche Welle Vorreiter in Sachen DRM. Aber auch Jugendwellen wie "Das Ding" vom SWR haben auf digital umgestellt. "Die Entwicklungs- und Testphase ist abgeschlossen, mittlerweile haben wir den regulären Sendebetrieb aufgenommen", erläutert Senger.

Für die großen Sender ist DRM interessant, weil sie mit weniger technischem Aufwand viel mehr Hörer erreichen können. Aber auch für kleine lokal Stationen ist die Technologie interessant: "In Großstädten, in denen die UKW-Frequenzen bereits ausgeschöpft sind, könnten bis zu 26 neue Programme auf Sendung gehen." In Nürnberg sendet zum Beispiel das Campus-Radio der Uni über DRM.

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Anders als bei dem Digitalradio-Standard DAB, der 2001 eingeführt wurde und bislang nur ein Schattendasein fristet, soll die DRM-Entwicklung viel enger an die Wünsche von Hörern und Radiosendern gekoppelt werden. Klobige Geräte und die Angst vieler Radiosender vor teuren Investitionen in die neue Technik haben einen flächendeckenden Erfolg von DAB-Radio bislang verhindert. Die Voraussetzungen für Digital Radio Mondial gelten dagegen als weitaus günstiger.

Die Endgeräte: noch außerordentlich teuer

Für den Hörer hat der Hörgenuss noch einen kleinen Haken: Herkömmliche Radios können DRM derzeit nicht empfangen, und die neu entwickelten Geräte sind noch vergleichsweise teuer. Bisher haben erst ein paar mittelständische Firmen DRM-Empfänger zur Serienreife gebracht. Zusammen haben Coding Technologies und Mayah zum Beispiel das Radio DRM2010 entwickelt, das sowohl DRM- als auch normale UKW-Sender empfangen kann. Mit einem Preis von rund 800 Euro ist der DRM2010 jedoch vor allem etwas für Radio-Enthusiasten.

Günstiger dagegen wird der "Digital World Traveller" von Coding Technologies sein, der Mitte September auf der International Broadcasting Convention (IBC) in Amsterdam vorgestellt wurde. "Das handliche und kompakte Gerät wird an den USB-Port eines PCs oder Notebooks angeschlossen und über eine mitgelieferte Software bedient", sagt Unternehmenssprecher Gerald Moser. Der "World Traveller" soll rund 200 Euro kosten.

Als nächstes planen die Hersteller DRM-Radios, die sich auch in Autos einbauen lassen. Denn die digitale Übertragungstechnik macht es möglich, einen Sender über mehrere hundert Kilometer zu hören, ohne einmal den Sendersuchlauf betätigen zu müssen. Noch steht Digital Radio Mondial ganz am Anfang seiner Entwicklung.

Ziehen nun auch die großen Hersteller von Unterhaltungselektronik und weitere Radiostationen nach, dann könnte DRM neben UKW und Internet-Livestreams zur dritten populären Säule im Rundfunk werden. "Für Ende 2008 sind knapp 1600 Stunden Programm pro Tag geplant", zeigt sich Peter Senger zuversichtlich.

Claus Hesseling, gms



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