Rechner für die Armen Intel gegen den 100-Dollar-Laptop

Der Urheber des "One Laptop per Child"-Projektes Nicholas Negroponte hat schwere Vorwürfe gegen Intel erhoben. Der Chip-Gigant stelle selbst Billig-Laptops her und verkaufe die unter Preis, um Negropontes Kinder-Rechner aus dem Markt zu drängen.

Nicholas Negroponte fand deutliche Worte. Intel "sollte sich schämen", so der PC-Philantrop laut der "BBC". Intel habe seiner Mission, die Kinder dieser Welt, vor allem die in Entwicklungsländern, mit Laptops auszustatten, "enorm geschadet".

Intels Chef Craig Barrett reagierte umgehend. Man versuche keineswegs, Negroponte aus dem Markt zu drängen, "wir versuchen, jungen Leuten Möglichkeiten zu bringen". In der Vergangenheit hatte sich Barrett eher abfällig über Negropontes Entwicklungshilfe-Laptop geäußert.

"Ja, die Leute lachen darüber, dann kritisieren sie ihn, und dann kopieren sie ihn", sagte Negroponte, Gründer des Media Lab am Massachussetts Institute of Technology, "Wired"-Finanzier und ganz generell Technologie-Guru, über seinen preiswerten Kinderrechner. Sechsjährigen in aller Welt will er kleine, voll funktionsfähige und Funknetz-fähige Klapprechner in die Hand geben. Die Kinder, glaubt Negroponte, würden sich dann selbst Bildung verschaffen, einfach weil sie lernbegierig sind. "Wir brauchen nicht mehr Lehrer", sagt Negroponte, "wir brauchen keine Stundenpläne, wir müssen den Kindern nur ein Werkzeug an die Hand geben." Software soll von der Open-Source-Community kommen - Negroponte hofft sogar auf Sprachlernprogramme, mit denen sich Kinder selbständig Fremdsprachen beibringen können sollen.

"Zwischen die Fronten geraten"

Intels Konkurrenzprodukt heißt "Classmate" und ähnelt mit seinem Griff und seiner kindgerechten Farbgebung schon äußerlich dem Rechner des "One Laptop per Child"-Projektes (OLPC). Es gibt eine Reihe von Unterschieden zwischen den Rechnern - etwa den, dass der Intel-Laptop auch unter Windows laufen kann, während der OLPC-Laptop mit einem speziellen Linux-System betrieben wird. Der für den Zwist entscheidende Unterschied ist jedoch womöglich der Prozessor: In Negropontes Klapprechner steckt ein Chip von Intels Konkurrenten AMD. "Intel und AMD liefern sich einen bösartigen Kampf", sagte Negroponte dem US-Sender CBS, "wir sind zwischen die Fronten geraten."

Intel ist nicht das erste IT-Unternehmen, das am wohltätigen Plan von Negropontes Techno-Humanistenteam sägt. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates hatte sich schon abfällig über den OLPC-Rechner geäußert. Beobachter führen das nicht zuletzt darauf zurück, dass Negropontes Kinderrechner mit Linux statt mit einem Microsoft-Produkt laufen soll. Schon auf der Linuxworld-Tagung im April 2006 hatte Negroponte gesagt: "Wenn man sowohl Intel und Microsoft im Nacken hat, dann weiß man, dass man etwas Richtiges tut."

"So funktioniert unser Geschäft eben"

Ihmzufolge versucht Intel den OLPC-Rechner sogar bei den Regierungen möglicherweise interessierter Staaten schlechtzumachen. Es seien Broschüren mit Titeln wie "Die Schwächen des One Laptop per Child Ansatzes" in Umlauf gebracht worden. Barrett bestätigte den Vorwurf gegenüber CBS sogar indirekt: "Jemand von Intel hat den Classmate PC mit einem anderen Gerät auf dem Markt verglichen. So funktioniert unser Geschäft eben." Es sei jedoch "verrückt" anzunehmen, Intel wolle Negropontes Projekt das Geschäft verderben.

Bis zum 31. Mai können interessierte Staaten ihre Bestellungen aufgeben. Ab Oktober sollen die OLPC-Laptops ausgeliefert werden. Die PCs des nicht profitorientierten Projektes sollen zunächst 176 US-Dollar kosten, erst später soll der Preis auf die ursprünglich anvisierten 100 US-Dollar fallen. Intels Classmate-Rechner kostet über 200 Dollar.

cis

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