Regionalversion Ein Office fürs Elsass

Elsässische Office-Anwender können künftig per "Webschnuffler" durchs Internet surfen und Excel Ergebnisse per "abschätze" berechnen lassen. Der Windows-Konzern hat seine Bürosoftware "Office" aufwendig an den Dialekt der französischen Grenzregion angepasst. Weitere Lokale Varianten sind geplant.


Straßburg - Die Computer-Tastatur heißt "Taschtbrett", "insetze" steht für "einfügen" und ein Internet-Browser heißt auf gut Elsässisch "Web-Schnuffler": Dies sind einige von 50.000 Begriffen, die der US-Konzern Microsoft für sein Software-Programm Office ins Elsässische übersetzen ließ. Das Übersetzungsprogramm, laut Konzernangaben weltweit das erste für eine Regionalsprache, sei nun fertig und könne kostenlos heruntergeladen werden, erläuterte der stellvertretende Direktor von Microsoft-France, Bertrand Launay, am Dienstag vor Journalisten in Straßburg.

Elsass-Version von Microsoft Office: Weitere Varianten für lokale Sprachen sind geplant
REUTERS

Elsass-Version von Microsoft Office: Weitere Varianten für lokale Sprachen sind geplant

Über den Übersetzungen haben rund 20 Professoren und Studenten des Elsässisch-Instituts an der Straßburger Marc Bloch Universität sowie Dolmetscher sieben Monate lang gebrütet. Das Ergebnis ihrer Arbeit erscheint auf dem Bildschirm automatisch in Sprechblasen neben dem entsprechenden Begriff in französischer Sprache. Wer beispielsweise ein "fichier" (einen Ordner) anlegen will, muss auf "Schublade" klicken, "evaluer" (einschätzen) wird mit "abschätze" wiedergegeben. Microsoft stellte für das Projekt eine Techniker-Gruppe bereit und subventionierte die Arbeit der elsässischen Sprachkünstler mit 5000 US-Dollar (etwa 4000 Euro).

Der Präsident des elsässischen Regionalrats, Adrien Zeller, wertete die Initiative als "Versöhnung" des historischen Erbes der Grenzregion mit der "Modernität und der Globalisierung". Das Übersetzungsprogramm solle zum einen bestimmten Bevölkerungsgruppen den Zugang zum Computer erleichtern. Es sei aber auch zu hoffen, dass dadurch "viele junge Leute einen Teil ihres kulturellen Erbes wieder entdecken können". Microsoft bezeichnete die "Weltpremiere" als ersten Versuch, dem bald andere folgen sollen. Geplant seien etwa Versionen in Bretonisch, Schottisch und K'iche, einer Regionalsprache, die noch in Guatemala gesprochen wird.

Nach Angaben des elsässischen Amtes für Zweisprachigkeit sprechen heute noch rund 35 Prozent der Elsässer täglich ihre Regionalsprache, 60 Prozent sind immerhin in der Lage, sich auf Elsässisch zu verständigen oder die Mundart zu verstehen. Diese ist allerdings vor allem unter älteren Leuten und auf dem Lande verbreitet. Bei der jüngeren Generation und in den Städten verliert sie seit Jahren an Terrain.

mak/AFP



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