Rekord Mehr Speed im Internet2
Bis zu 100 Gigabit pro Sekunde soll das Netz schaffen. Diese Geschwindigkeit reicht aus, um eine hochauflösende Version des Blockbusters "Matrix" binnen weniger Sekunden über das Internet2 zu kopieren. Bisher mussten die Forscher immerhin rund 30 Sekunden warten, bis ein solcher Gigabyte-Transfer, der über einen normalen DSL-Anschluss viele Stunden dauern würde, abgeschlossen war.
Schade nur, dass die Forscher, die bereits jetzt am Internet2 hängen, ihr Turbo-Netz nicht für solche Eskapaden nutzen und darüber auch nicht Netzwerkspiele daddeln dürfen. Schließlich ist das teure Forschungsnetz nicht zum Spaß gebaut worden. Stattdessen soll es Wissenschaftlern ermöglichen, neue Web-Anwendungen zu testen, zu entwickeln und zu nutzen.
Zu diesen neuen Anwendungen gehören beispielsweise per Web ferngesteuerte Operationen in der Telemedizin. Vor allem aber warten die Physiker sehnlich auf das neue Supernetz. Wenn im kommenden Mai der sogenannten "Large Hadron Collider" (LHC), ein riesiger Teilchenbeschleuniger, am Kernforschungszentrum CERN in Genf in Betrieb geht, wird der Bedarf an superschnellen Datenverbindungen rasant ansteigen, glauben die Wissenschaftler. "Tausende Physiker werden Zugriff auf die Daten des LHC benötigen", sagte der Internet2-Chef Doug van Houweling der Nachrichtenagentur Associated Press. Und der LHC wird sie mit Daten versorgen, gigabyteweise.
Farbenspiele machen Daten schneller
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit, von der die Forscher träumen, wäre es, weit voneinander entfernte Teleskope über das Supernetz miteinander zu verbinden. Auf diese Weise könnte man die Abbildungsleistung der Teleskope so miteinander verknüpfen, dass deutlich detailreichere Bilder vom Weltall zu sehen wären, als es bisher möglich ist.
Um solche Anwendungen sicher zu ermöglichen, haben die Wissenschaftler die Kapazität ihres Forschungsnetzwerks um den Faktor Zehn erhöht. Schon bisher versendeten sie die Datenpakete als Lichtstrahlen über spezielle Glasfaserkabel. In der neuen Version nun, spalten Sie das Licht in zehn verschiedene Wellenlängen auf, senden es also in unterschiedlichen Farben durch die Kabel und verzehnfachen so die Leistung.
Von der Gesamtkapazität können sich Forscher nun Blöcke zu je zehn Gigabit pro Sekunde für ihre Anwendungen reservieren lassen. Auf diese Weise soll es möglich sein, dass sie dieselbe Bandbreite nutzen, wie sie das Internet2 bisher schon lieferte, dabei aber noch reichlich Kapazität für andere Anwendungen frei bleibt.
Damit die auch in Zukunft nicht knapp wird, werkeln die Ingenieure bereits an der nächsten Erweiterung des Highspeed-Internet. In etwa 12 bis 18 Monaten, so van Houweling, will man die Leistung noch mal vervierfacht haben, also bis zu 400 Gigabit pro Sekunde übertragen können. Vielleicht ist dass dann ja genug, damit die Forscher in ihren Arbeitspausen auch mal ein kleines Online-Spiel wagen können.
mak/AP