"Risiko-Kunden" Kein Handyvertrag wegen schlechter Schufa-Auskunft

Das Konto ist ausgeglichen, die Raten sind abbezahlt, und trotzdem verweigert die Telefonfirma den Handyvertrag? Dies kann passieren, meinen Verbraucherschützer: Schuld hat die Schufa.


Handy-Verträge gibt es nur mit positiver Schufa-Auskunft.
GMS

Handy-Verträge gibt es nur mit positiver Schufa-Auskunft.

Nicht jeder zahlungskräftige Bundesbürger kommt problemlos an das Ziel seiner Konsumwünsche, weiß Beate Weiser, Kreditexpertin in Stuttgart. Wenn die Schufa, die Schutzgemeinschaft für Allgemeine Kreditsicherung, einen Verbraucher als Risikokunden eingestuft hat, können Telefonfirmen den Anschluss verweigern und Banken den Kredit versagen. "Das kann schon passieren, wenn man in bestimmten Stadtteilen wohnt", betont Weiser. Hintergrund: Die Schufa ordnet jedem der rund 53 Millionen bei ihr gespeicherten Bürger einen so genannten Score zu. Dieser Zahlenwert zwischen 1 und 1000 soll Aufschluss über die Zahlungsfähigkeit des einzelnen in der Zukunft geben. Je höher der Score, desto solider und kreditwürdiger gilt der Betroffene.

Doch die statistische Wahrscheinlichkeitsrechnung hat Macken, wie die Stiftung Warentest kritisiert: Der Einzelne wird nicht daran gemessen, ob er tatsächlich "flüssig" ist, sondern anhand des Zahlungsverhaltens einer Gruppe Fremder mit ähnlichen Schufa-Daten. Waren diese "Datenzwillinge" schlechte Kunden, dann kann selbst ein Zahnarzt mit dickem Bankkonto plötzlich in eine hohe Risikoklasse hineinrutschen und keinen Handyvertrag bekommen, wie Verbraucherschützer bemängeln.

Wichtige individuelle Daten wie ein fester Job oder ein hohes Einkommen werden nicht berücksichtigt. Der Grund: Persönliche Daten zu Vermögen oder Beruf darf die Schufa nicht sammeln. Dafür flössen dann Angaben zum Wohnort in die Statistik ein, erklärt Beate Weiser und meint: "Da ist schnell jemand gebrandmarkt, nur weil er in einem sozial schwachen Viertel lebt." Welche Faktoren genau den Score ausmachen - darüber hüllt sich die Schufa in Schweigen.

Klar ist allerdings, dass ein Bürger immer dann Ärger mit seinem Bonitätsnachweis hat, wenn sich in seiner Akte noch registrierte Altlasten wie geplatzte Schecks oder Vollstreckungsbescheide finden. Man muss sich aber nichts zu Schulden kommen lassen, um bei der Schufa gespeichert zu sein. Die meisten Verbraucher kommen irgendwann einmal mit der Wiesbadener Organisation in Kontakt. Denn Banken melden jede Eröffnung eines Girokontos an die Datensammler, kein Geld- oder Warenkredit bleibt unbemerkt.

Die Daten sind mindestens so lange bei der Schufa gespeichert, wie der Kredit oder die Bürgschaft läuft. Daten zu Darlehen können danach noch drei weitere Kalenderjahre im Computer bleiben, wie die Verbraucherzentralen in ihrem Ratgeber "Weg mit den Schulden" anmerken. Negatives wie Zahlungsverzug, Mahnverfahren, Eidesstattliche Versicherungen wird ebenfalls festgehalten, angeblich aber automatisch nach drei Jahren gelöscht.

Wer einen Mobilfunkvertrag abschließen, ein Auto leasen oder sich eine ISDN-Leitung ins Haus legen lassen will, kommt um die Schufa-Klausel in den Formularen nicht herum. "Es bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als die Schufa-Auskunft anzukreuzen. Sonst kriegen sie ihr Girokonto oder den Kredit von vornherein nicht", erläutert Beate Weiser. Telekommunikationsfirmen, Versandhäuser, Banken, Kaufhäuser, Kreditkarten- und Leasing-Firmen checken vor der Geschäftsverbindung immer erst die Bonität des Verbrauchers über die Schufa.

Die Wiesbadener teilen den Firmen zusätzlich zu den gespeicherten Einträgen auch den Score des Betroffenen mit. Ein überraschendes Kreditrisiko soll dadurch abschätzbar werden. Fällt jemand bei der Schufa-Auskunft durch, hat er die Chance, seine Einträge prüfen und veraltete oder gar falsche Punkte löschen zu lassen. Gegen eine Gebühr von 15 Mark legt die Organisation die Daten offen. Darauf hat jeder Bürger ein Anrecht. Doch wer sich mehrfach um die Eigenauskunft bemüht, tut sich meist keinen Gefallen, gibt Verbraucherschützerin Weiser zu bedenken. Die Schufa lasse die Nachfrage wieder ins Scoring einfließen, weil sich der Betroffene verdächtig verhält.

Beater Weiser rät Betroffenen mit schlechten Scores, hartnäckig zu bleiben und sich bei den Firmen, die sie als Kunden ablehnen, um Aufklärung zu bemühen. Oft könne eine miese Gruppenprognose durch Darstellung des Einzelfalls entkräftet werden. Manchmal hat eine Firma aber auch "nur" die Negativauskunft noch nicht aus den Unterlagen gestrichen.

Berrit Gräber, AP

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