RoboCup Ball rund, Fuß eckig

Zweiundzwanzig Mann und ein Ball? Wem dieses Konzept zu dürftig ist, der könnte am RoboCup Freude finden: Bei der Weltmeisterschaft im Roboterfußball geht es in zahlreichen Disziplinen zur Sache, 33 Weltmeistertitel werden vergeben - und einige dürften deutsche Teams gewinnen.


Fußball-Weltmeisterschaften 2050: Tor für die Roboter-Elf. Noch ist der Wettkampf von Mann und Maschine nur wissenschaftliche Vision. Mit jeder WM im Roboterfußball rückt sie jedoch näher, wie Forscher glauben. Ab dem (morgigen) Mittwoch wird in Bremen zum zehnten Mal um die RoboCups gespielt.

Künftig Gegner: Bis 2050 wollen die RoboCup-Entwickler mit einer Robotermannschaft ein menschliches Nationalteam schlagen
Robocup Federation/Messe Bremen

Künftig Gegner: Bis 2050 wollen die RoboCup-Entwickler mit einer Robotermannschaft ein menschliches Nationalteam schlagen

"Der RoboCup boomt", sagt Chef-Organisator Ubbo Visser von der Universität Bremen. Bei der ersten WM 1997 beteiligten sich 38 Teams aus elf Nationen, in diesem Jahr sind es schon rund 440 Teams aus 36 Staaten, allein 50 Teams aus dem Iran werden erwartet. Die Roboter treten in zwölf Spielgruppen an, davon drei Junior-Ligen. Rund 20.000 Zuschauer werden zu dem Spektakel erwartet.

In den Bremer Messehallen kicken unter anderem Kleinformat-Roboter. Die zylinderförmigen Maschinen sehen aus wie Mini-Kampftonnen auf Rädern. Ihr Charakteristikum ist laut Visser das Tempo: Der Omni-Drive aus vier einzeln angetriebenen Rädern bringt es demnach auf zwei Meter pro Sekunde. Vom einen Ende des 4,9 Meter mal 3,4 Meter großen Fußballfelds bis zum anderen brauchen sie nur zwei Sekunden.

Viel Publikum lockt auch die "Four-Legged-League" an. Die Vierbeiner-Liga besteht pro Team aus vier neu programmierten Roboter-Hunden. Besonders auffällig: Die Hunde bewegen ständig den Kopf. Ihre mit einer Kamera ausgestatteten Augen suchen nach farbigen Marken am Spielfeldrand, aus denen die Sensoren ihre genaue Position errechnen.

Die "Königsliga" bilden laut Visser jedoch die menschenähnlichen Roboter. Die bis zu 60 Zentimeter großen Zweibeiner messen sich im Elfmeterschießen, für schnellere Spielzüge sind sie noch zu langsam.

Ernster Hintergrund

Zwar muss auch beim RoboCup das Runde ins Eckige, doch ist Fußball nur Mittel zum Zweck. Spielerisch vergleichen Informatiker ihren Wissensstand in Sachen Künstliche Intelligenz. "Künstliche Intelligenz oder KI beschreibt die Fähigkeit von Computern zu denken", erklärt Visser. Mit Hilfe von wissensverarbeitenden Methoden könnten Maschinen Schlussfolgerungen ziehen und daraufhin handeln. Das bringe man ihnen bei, "wie man Kinder lehrt, die Straße zu überqueren durch ständige Wiederholung von bestimmten Regeln, bis das Kind es eines Tages von allein tut".

Der Roboter-Fußball sei KI-Grundlagenforschung in einer Umgebung, die sich ständig verändere. Was die Wissenschaftler dort lernten, lasse sich in Zukunft etwa für Anwendungen im Straßenverkehr nutzen. Zum Beispiel seien in Autos untergebrachte Rechner vorstellbar, sagte Visser. Diese könnten einander auch bei hohem Tempo Signale über die Entfernungen übermitteln und bei gefährlichen Annäherungen Alarm geben.

Auch für das Fußballspielen müssen die "Robotergehirne" mit immer neuen Fakten gefüttert werden. Auf Basis dieser Fakten entscheiden sie selbst über ihre Aktionen, wie es hieß. Bislang zum Beispiel knallte der Ball gegen eine Bande, wenn sie ihn zu weit schossen.

"Inzwischen haben wir die Spielfeldbegrenzungen weggenommen, die Roboter müssen genau berechnen, wo die Linie ist", erklärt Visser.

Robucup: Weltmeisterschaft Bremen 2006

Ort und Zeitraum: 14. bis 20. Juni, Messe Bremen, Hallen 4, 5, 6 und 7
Eintritt: Dauerkarten Erwachsene 30, Schüler 18 Euro. Tageskarten 10, Schüler/Studenten 6 Euro, Kinder bis 9 Jahre frei
Öffnungszeiten: Wochentags 9-19 Uhr, Samstag 10-19 Uhr, Sonntag 10-18 Uhr
Die Wettbewerbe enden am 18. Juni, am 19. und 20. folgt das Kongressprogramm. Detaillierte Infos über die Webseite der Veranstalter: www.robocup2006.org

Beim Fußball am weitesten fortgeschritten ist die Simulationsliga, in der Software-Programme auf Rechnern virtuell gegeneinander kicken. Sie bekommen schon eine Abseitsfalle hin und lassen wie im wirklichen Leben eine Elf gegen eine andere spielen.

Beim RoboCup kommen auch nicht-sportliche Disziplinen zum Zug. Einige Maschinen orten zum Beispiel mit Wärme- und Audiosensoren in unwegsamem Gelände Verletzte und zeichnen Karten der Umgebung. Erstmals sollen Roboter auch in einem Service-Wettstreit demonstrieren, wie sie in einer häuslichen Umgebung Gegenstände aufheben und transportieren können.

Nützlich geht es aber auch beim Fußball-Schauen zu: Zwei Roboter in Menschengestalt werden Spiele der "Four-Legged-League" live kommentieren.

Imke Zimmermann, AP



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