Satelliten-Navigation USA packen Bonbons für Europäer aus

Statt auf Konfrontation setzen die GPS-Betreiber nun auf Deals mit den Europäern, um Störungen durch das geplante Galileo-Navigationssystem zu verhindern. Sie bieten ihr technisches Know How, wenn die Europäer ihnen bei den Frequenzen entgegenkommen.


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Der andauernde Streit zwischen den USA und der EU über das geplante Satellitennavigationssystem "Galileo" könnte sich zumindest teilweise legen. Nach Informationen des stellvertretenden Abteilungsleiter US-Außenministerium, Charles Ries, haben die Amerikaner den Europäern neue Vorschläge zur Zusammenarbeit unterbreitet und die EU darauf "positiv" reagiert. Ries betonte, es gebe jedoch noch keine offizielle Antwort aus Brüssel.

Die Amerikaner fürchten, dass ihnen die Europäer mit den für Galileo geplanten Frequenzen in die Quere kommen. Denn auch die GPS-Betreiber wollen diesen Frequenzbereich nutzen - und zwar für ihr künftiges Militär-GPS, auf das Raketen und intelligente Bomben zur metergenauen Navigation zurückgreifen.

Nach Angaben von Ries haben die USA angeregt, im Galileo-System eine Frequenz zu verwenden, die den verschlüsselten M-Code bei der militärischen Nutzung des amerikanischen GPS-Systems deutlich weniger stört als dies nach US-Auffassung bei der Umsetzung der bisherigen EU-Pläne der Fall wäre. Die vorgeschlagene Frequenz sei bei der zivilen Nutzung von Galileo genauso effizient wie die bislang geplante, betonte Ries.

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Im Gegenzug seien die USA bereit, ihr technologisches Know-how mit den Europäern zu teilen und ihr eigenes GPS-System so zu modernisieren, dass beide Systeme künftig kompatibel seien. Was die militärische Nutzung betreffe, seien die USA bereit, den NATO-Verbündeten ihr eigenes "sicheres" System zur Verfügung zu stellen. Die nächste Gesprächsrunde zwischen USA und EU zu Galileo, das im Jahr 2008 einsatzbereit sein soll, ist für Ende Januar geplant.

Die USA betrachten die Pläne der Europäer zu einem eigenen Satellitennavigationssystem mit Argwohn. Bislang haben sie allein das Monopol über die präzise Ortung. Das US-Verteidigungsministerium kann die Signale jederzeit verändern und hat die auch schon mehrfach getan, zum Beispiel während des Kosovo-Kriegs.

Mit Galileo wollen die Europäer sich aus dieser Abhängigkeit befreien. Die insgesamt 30 Satelliten sollen ab 2008 einsatzbereit sein und 3,2 Milliarden Euro kosten. Auch China und Indien wollen in das Projekt eingesteigen. Die Galileo-Betreiber versprechen sich langfristig Milliardenumsätze aus Lizenzgebühren für Endgeräte. Das System soll eine wesentlich genauer arbeiten als der Konkurrent GPS.

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