Schräge Erfindungen Rock'n'Roll mit Luftgitarrengürtel

GPS-Petzen, Turborollschuhe und USB-Safes: Viele verrückte Innovationen auf der Entertainment-Megamesse CES bekamen viel zu wenig Aufmerksamkeit, findet SPIEGEL ONLINE - und präsentiert die besten, durchgeknalltesten, bizarrsten Technikwunder.

Die besten Plätze hatten sich die großen Konzerne gesichert: Microsoft-Chef Bill Gates sprach vor Tausenden Zuschauern im größten Saal der Stadt, Elektronikriese Sony belegte mit seinem Messestand tausende Quadratmeter. Kleine Firmen und Erfindungen werden dabei leicht übersehen.

Dabei haben oft gerade Startup-Firmen und One-man-Companies die besten Gadgets in Gepäck - die nicht selten später von den Konzernen aufgekauft oder einfach kopiert werden. SPIEGEL ONLINE hat sich in Las Vegas auf die Suche nach den verborgenen Perlen der Unterhaltungselektronikmesse CES begeben.

Dass diese Perlen nicht unbedingt Leichtgewichte sein müssen, bewies die Sentry Group mit ihren Neuvorstellungen. Das auf Safes für Datenspeicher spezialisierte Unternehmen präsentierte in Las Vegas eine Reihe neuer wasser- und feuerfester Safes für Privatleute und Büros.

Das wäre an sich nichts Besonderes, hätten die Neuvorstellungen nicht etwas, das sie aus der Masse der Stahlschränke heraushebt: einen USB-Anschluss. Der dient nicht etwa dazu, die Zahlenkombination per PC einzugeben. Stattdessen kann man über diese Buchse auf eine Festplatte zugreifen, die im Inneren gut geschützt vor jeglicher Unbill ausharrt. Ob man das braucht, ist eine ganz andere Frage - die sich allerdings auch bei einigen anderen der verborgenen CES-Highlights stellt. Sie alle haben gemein, dass sie keine Geräte sind, die man unbedingt haben muss - aber teils äußerst pfiffige Lösungen für sehr spezielle Probleme darstellen.

GPS-Petze Zoombak meldet Standort des Haushunds

Zwischen den riesigen lauten Fernsehern und Computern auf der Hightech-Show CES fällt das kleine schwarze Kästchen von Zoombak kaum auf: klein wie eine Geldbörse, leichter als eine Tafel Schokolade, unaufdringlich matt schwarz lackiert. In dem Kästchen stecken ein GPS-Empfänger und ein Mobiltelefon. Das Gerät soll man seinem Hund umschnallen oder in seinem Auto deponieren.

Warum? Zoombak-Boss Simon Buckingham spult am Messestand aus dem Stegreif zig Anwendungsmöglichkeiten auf:

  • Man schnallt das Gerät seinem Hund um, kann so verfolgen, wo im Garten (oder der Nachbarschaft) er sich herumtreibt.
  • Verlässt der Hund ein vorab definiertes Gebiet (zum Beispiel den Garten durch ein unentdecktes Loch im Zaun), schlägt der Zoombak-Dienst auf einem vorab definiertem Telefon Alarm.
  • Oder man verfolgt die Wege seines Wagens: Per Zoombak sieht man, wo die lieben Kinder gerade wirklich mit dem Familienauto unterwegs sind.

Die Batterie des kombinieren GPS-/GSM-Moduls soll fünf Tage lang halten. In den Vereinigten Staaten ist das Gerät bereits in Kalifornien erhältlich. Dort kostet ein Zoombak-Gerät 199 Dollar, für 9,99 Dollar monatlich kann man sich die Position beliebig oft zusenden und Alarm schlagen lassen. Im Februar startet der Zoombak-Dienst in Großbritannien, dort werden die Dollar-Preise wohl 1:1 in britische Pfund ungerechnet. Mitte dieses Jahres soll ein Zoombak-Dienst auch in Deutschland starten.

Die in Kalifornien beliebteste Zoombak-Anwendung hatten die Macher vorab überhaupt nicht auf dem Plan. Buckingham: "Die Hundebesitzer überwachen mit dem Zoombak-Halsband, ob ihre Hundesitter die Tiere tatsächlich ausführen, wo und wie lang sie unterwegs sind."

USB-Gesicht Tengu singt zu Computer-Musik

Der japanische Hersteller Solid Alliance hat in Las Vegas ein völlig nutzloses, aber sehr begehrtes USB-Gadget gezeigt. Sachlich lässt sich dazu nur soviel sagen: Tengu ist weiß, sieben Zentimeter hoch und vier Zentimeter breit. Zu der weißen Schachtel gehört noch ein ein Meter langes USB-Kabel.

Stöpselt man den Teng damit in einen Computer, erwacht es: Auf der weißen Oberfläche leuchtet ein rotes Gesicht aus Leuchtdioden auf. Pustet man es an, zuckt der Tengu, spielt man Musik laut ab oder spricht laut, singt der Tengu mit, versucht die Lippenbewegungen mit den Klangwellen zu synchronisieren.

Mehr macht Tengu nicht. Der Sinn? Der Schöpfer Crispin Jones, ein britischer Designer, schreibt dazu nur auf seiner Tengu-Seite: "Die Arbeit am Computer kann manchmal sehr einsam sein. Jetzt nicht mehr." Der USB-Tischgefährte kostet mit Versand aus Großbritannien umgerechnet etwas 35 Euro.

I'm walking in iShoes

Wenn's mal wieder etwas schneller gehen muss, sollen künftig auch Fußgänger auf Motor- statt auf Muskelkraft setzen. Um das zu erreichen, haben die Brüder Ilya und Boris Kaganovich die motorbetriebenen iShoes entwickelt. Auf denen soll man sich mit seinem Standard-Schuhwerk festschnallen und fortan mit bis zu 22 Stundenkilometern über Fußwege und Straßen sausen.

Die Idee zu den Spurt-Schuhen kam Ilya Kaganovich beim Bummel durch Manhatten. Die endlos langen Häuserschluchten machten ihm offenbar schwer zu schaffen, er wünschte sich eine schnellere Methode der Fortbewegung. Das Resultat sind Aluminium-Gestelle, die zunächst an Schneeschuhe erinnern, wären da nicht die Roller-Rollen. Bis zu fünf Kilometer weit sollen die Motor-Schuhe ihren Träger transportieren, dann ist ein Tankstopp fällig. Nach zwei Stunden an der Steckdose ist der Lithium-Ionen-Akku fit für die nächste Tour. Billig ist der Spaß allerdings nicht: 600 Dollar werden pro Paar fällig.

Luxus-Luftgitarre

Bock auf Rock, aber keine Ahnung von Noten? In solchen Fällen sind Luftgitarren das richtige Instrument. Sie verstimmen sich nie, es dauert nur Sekunden, bis man sie erlernt hat, und ins Handgepäck passen sie auch. Die Profivariante der Luftgitarre hat Spielzeughersteller Jada Toys in Las Vegas vorgestellt: die Air Guitar Rocker. Bestehend aus einen speziellen Gürtelschnalle und einem winzigen Verstärker zum Umhängen macht sie die Luftgitarre unabhängig von Stereoanlangen und Kofferradios.

Zehn Songs werden über ein Speichermodul in den Miniverstärker geladen und rocken ordentlich ab. In der Grundausstattung sind Luftgitarrenklassiker wie "Smoke on the Water" an Bord. Gespielt werden sie mit einem Plektrum, das man über die Gürtelschnalle streift. Wem die mitgelieferten Titel zu langweilig sind, dem soll künftig mit weiteren Speichermodulen Nachschub zur Verfügung stehen. Pro Modul werden allerdings zehn Dollar fällig. Die Luftgitarrengrundausstattung, bestehend aus Gürtelschnalle und Verstärker, soll für 30 Dollar in die Läden kommen.

Holz statt Plastik

Die fortgeschrittene Form der Luftgitarre ist das Musikspiel Guitar-Hero. Weil dessen Plastikgitarren aber arg nach Kinderspielzeug aussehen, hat sich der Instrumentenhersteller Peavey jetzt darauf verlegt, echte Gitarren für das Spiel zu modifizieren. Unter dem Titel Riffmaster bietet die Firma Instrumente an, die fast aussehen wie echt, wären da nicht die dicken Plastikknöpfe auf dem Griffbrett und der in Halsrichtung gestreckte Plektrum-Controller. Weil Saiten nur stören würden, hat man die gleich ganz weggelassen.

Vorbestellungen für die martialisch lackierten und in limitierter Auflage produzierten Klampfen werden ab sofort angenommen. Satte 399 Dollar verlangt der Hersteller pro Stück, ein Preis, zu dem man freilich auch schon recht ordentliche "echte" Gitarren kaufen kann - aber solchen Argumenten sind echte Guitar Heroes wohl kaum zugänglich.

Handy-Projektor

Noch ist es nur eine Prototyp. Doch was Technikzulieferer und Chip-Hersteller DLP einzelnen Journalisten hinter verschlossenen Türen auf der CES zeigte, lässt Hoffnung keimen: ein mobiler Projektor fürs Handy. Eingebaut in ein Pseudomobiltelefon projizierte das nur daumennagelgroße Gerät seine vorgespeicherten Bilder schon in ansehnlicher Qualität auf die Wände.

Auf Entfernungen bis zu etwa 1,5 Meter ist das Bild scharf und hell genug. Bei größerem Abstand zur Projektionsfläche verschwimmen jedoch die Farben, das Bild wird flau. Daran hat die eingebaute LED-Lampe Schuld. Die braucht zwar nur wenig Strom, ist dafür aber nicht sonderlich hell. Doch daran, das zu verbessern, arbeiten die Ingenieure schon eifrig. Erste Beispiele aus anderen Bereichen zeigen: Die LED als sparsame und langlebige Projektorlampe wird noch eine große Zukunft haben. Wann die ersten Projektorhandys kommen, mochte bei DLP aber niemand sagen. Ein bis zwei Jahre wird man sicher noch warten müssen.

Ladybug

Das Ziel, ein iPod-Dock zu entwickeln, "das anders ist als die üblichen iPod-Lautsprecher", hat Zubehörhersteller Vestalife ohne Zweifel erreicht. Im zusammengeklappten Zustand sieht der Ladybug aus, als wäre er einfach ein runder Mono-Lautsprecher. Klappt man jedoch seine "Flügel" auf, kommt die wahre Natur des "Marienkäfers" zum Vorschein: Im Inneren prangt ein iPod-Anschluss. Über den kann man nicht nur die Musik vom iPod anhören, sondern dessen Akku gleichzeitig laden lassen. Zudem liegt dem Gerät eine Fernbedienung bei, über die sich iPod und Lautsprecher steuern lassen.

Um die angepeilte Zielgruppe - Teens, Tweens und überhaupt die ganze Generation X - für das knubbelige Lautsprecherchen zu begeistern, hat sich Vestalife mit Element Skateboards zusammengetan. Dessen Designer liefern trendige Lackierungen für die Ladybugs. Gegenüber den einfarbigen Modellen, die für 110 Dollar über den Tresen gehen, ist für die derart gestylten Sondermodelle allerdings ein Aufpreis in Höhe von 15 Dollar fällig. Wann genau die Geräte in den Läden stehen werden, weiß der Hersteller bislang freilich noch nicht. Als grobes Ziel wird "das erste Quartal 2008" angepeilt.

Breitbild für Gamer

Davon haben PC-Spieler schon lange geträumt: ein Bildschirm, der so groß ist, dass er die reale Umwelt komplett ausblendet. Den hat die auf Highend-Spiele-PCs spezialisierte Dell-Tochter Alienware auf der CES gezeigt. Vier Rückprojektionschips sorgen für eine extrabreite Bildfläche. Deren leicht geschwungene Form sorgt dafür, dass man während des Spielen regelrecht in die Spielwelt hineingesogen wird. Die Auflösung beträgt 2880 x 900 Bildpunkte. Zur Ansteuerung, so ein Alienware-Mitarbeiter, genügt eine handelsübliche Grafikkarte, möglichst von der schnelleren Sorte.

Dass es sich bei dem ausgestellten Modell noch um einen Prototypen handelt, zeigte sich allerdings an hellen Streifen auf der Bildfläche. Sie zeigen die Überlappungsfläche der vier Projektionschips an. Einen Preis mochte man noch nicht nennen, ist sich aber sicher, das Produkt bald auf den Markt zu bringen. Ein Manager eines Konkurrenzunternehmens hingegen gab sich da nicht so zuversichtlich. An einem solchen Projekt habe man sich selbst schon einmal die Zähne ausgebissen, gab er unter der Hand zu. "Das schaffen die nie", so seine feste Meinung.

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