Seit 15 Uhr live dabei Die dritte Partie Mensch gegen Maschine

Beim Stand von 0,5 zu 1,5 zugunsten von Deep Fritz geht es in die dritte Partie. Wenn Schachweltmeister Wladimir Kramnik die eine Million Euro Siegprämie einstreichen will, muss er langsam punkten. Kann der Mensch Kramnik heute mit der Maschine gleichziehen? Wir übertragen die Partie live.


Eigentlich hatte der amtierende Schachweltmeister Wladimir Kramnik in den ersten zwei Partien des Schaukampfes gegen das Computerprogramm Deep Fritz, aufgesetzt auf einen leistungsfähigen Mehrprozessorrechner, seine enorme Spielstärke eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gerade in der zweiten Partie schien sich das Spiel zeitweilig sogar zu seinen Gunsten zu wenden. Am Ende aber siegte Deep Fritz, weil Rechnern nie passiert, was Kramnik schließlich unterlief: Er übersah schlicht eine Möglichkeit für Fritz, ihn Schach zu setzen.

Wladimir Kramnik während der zweiten Partie: Der Rechner verzeiht keinen Fehler
DPA

Wladimir Kramnik während der zweiten Partie: Der Rechner verzeiht keinen Fehler

Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob der Mensch die Maschine überhaupt noch besiegen kann. Die Stärke des Menschen liegt darin, strategisch agieren zu können: Mit langfristig gefasster Absicht zu ziehen und dem Spiel so bewusst eine Tendenz zu geben, die vom Rechner nicht antizipiert wird. Denn der rechnet stur, aber mächtig tief aus, welche Zugvarianten als Konsequenz aus einem anzunehmenden Zug möglich sind und bewertet schlicht, welche Varianten für ihn, den Rechner, vorteilhaft wären.

Live dabei: Zugübertragung plus Audiokommentar

Deep Fritz sieht so, wenn man will, bis zu neun Züge weit in alle potenziellen Zukünfte, die sich aus einem Zug ergeben - inklusive aller denkbaren Reaktionen seines Gegners. Innerhalb dieses Sichtfeldes unterlaufen ihm keine echten Fehler, wie Kramnik am Montag gerade einmal einer unterlief. Wer so eine Maschine schlagen will, muss strategisch und quasi außerhalb ihres Sichtfeldes agieren.

Der Schaukampf Mensch gegen Maschine bezieht gerade aus diesem Zusammenprall der Denkweisen seine Spannung. Frederic Friedel vom Fritz-Entwicklerteam geht soweit, bei Deep Fritz schon eine Form künstlicher Intelligenz am Werk zu sehen - wenn auch eine, die ganz auf eine einzige Aufgabe ausgerichtet ist. Für andere trifft hier schlicht brutale Rechenkraft und für einen Menschen nicht nachahmbare Gedächtnisleistung auf menschliche Kreativität und Flexibilität. Kein Schachexperte, der solche Schaukämpfe nicht mit einem gewissen Unbehagen beobachten würde: Was ist mehr Wert, was wirkt schwerer, was ist mächtiger? Menschlicher Geist oder die Kraft der Maschine?

In sehr naher Zukunft, da sind sich alle Experten einig, wird sich diese Frage zumindest beim Schach endgültig erledigt haben. Schon heute gibt es nur noch wenige Großmeister, die sich überhaupt noch mit Programmen wie Junior, Shredder, Rybka oder Fritz messen können. Auch Kramnik meinte vor dem Match, es sei möglich, dass er der letzte Weltmeister sein werde, der sich diesem Vergleich, diesem Schaukampf noch stellt. Ob das wirklich so sein wird, hängt auch davon ab, wie das Match weiter verläuft: Wenn er noch gewinnen will, wird es Zeit für Kramnik, zu punkten.

SPIEGEL ONLINE überträgt die Partie ab 15 Uhr live aus der Bundeskunsthalle in Bonn. Bis zum Spielbeginn dient unser Liveticker (siehe Kasten oben) als Archiv der bisher gespielten Partien.

pat



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.