Server-Farmen Rechenzentren vergeuden 80 Prozent der Prozessorleistung

In Rechenzentren dösen zu viele Computer zu häufig ungenutzt vor sich hin. Ein junges Unternehmen aus Berlin will das ändern und als bezahlter Vermittler von Rechenleistung ins Geschäft kommen.

Von Christian Buck


Mikroprozessoren sind die meiste Zeit auf Arbeitssuche – in Rechenzentren bleiben durchschnittlich 80 Prozent ihrer Rechenleistung ungenutzt. Der Grund für diese Verschwendung: Auf jedem physikalischen Server läuft meist nur eine einzige Anwendung, und die kann die schlaue Maschine in der Regel nicht auslasten.

Rechenzentren: Durchschnittlich 80 Prozent der Rechenleistung ungenutzt
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Rechenzentren: Durchschnittlich 80 Prozent der Rechenleistung ungenutzt

Obendrein verbraucht die gelangweilte Hardware trotzdem auch noch reichlich Strom, was in Zeiten steigender Preise zusätzlich wehtut. Umgekehrt kann es aber auch passieren, dass plötzlich Rechenleistung benötigt wird und die Computer unter einem unerwarteten Ansturm einfach zusammenbrechen – so geschehen etwa am 11. September 2001, als Millionen Menschen im Internet nach Informationen über die Terroranschläge in New York suchten und zahlreiche Web-Seiten nur noch quälend langsam oder gar nicht mehr antworten konnten.

Ungenutzte Kapazität auf der einen Seite, zeitweise Überlastung auf der anderen – das schreit geradezu nach Vermittlung. Genau hier kommt das Berliner Unternehmen Zimory ins Spiel: Das Spin-off der Deutschen Telekom hat einen Internet-Marktplatz entwickelt, auf dem die Betreiber von Rechenzentren ungenutzte Computerpower weltweit verkaufen können.

"Adaptive IT-Infrastruktur" nennt Behrend Freese, CEO von Zimory, diesen Ansatz und vergleicht die Geschäftsidee mit Börsen für Wertpapiere oder Energie: "Dort wird mit standardisierten Kontrakten gehandelt, und genauso wollen wir ein standardisiertes Produkt für den Handel mit Rechenleistung anbieten." Dabei will Zimory nicht selbst als Anbieter auftreten, sondern beschränkt sich auf die Rolle des Vermittlers gegen Provision.

Wenn der Betreiber eines Rechenzentrums am Handel mit Computerpower teilnehmen will, muss er auf jedem beteiligten Server die Java-Software "Zimory Host" installieren. Mit dem "Zimory Manager" kann der Administrator die beteiligten Computer dann verwalten und beispielsweise festlegen, welcher Anteil der Rechenleistung zum Verkauf angeboten werden soll. Der "Zimory Marketplace" bringt schließlich Angebot und Nachfrage im Internet zusammen: Kunden auf der Suche nach freier Computerkapazität können dort nach der passenden Offerte suchen, indem sie Preise, Sicherheit und die garantierte Servicequalität miteinander vergleichen.

Den Betreibern von Rechenzentren verspricht Zimory mit diesem Modell eine Auslastung von bis zu 80 Prozent, die Abnehmer wiederum müssen nur für so viel Kapazität bezahlen, wie sie wirklich abrufen. Beispielsweise für Software-Tests: "Viele Firmen haben eine komplette Kopie ihrer Systemlandschaft, mit der sie ausschließlich neue Programmversionen testen, bevor sie in Betrieb genommen werden", erklärt Maximilian Ahrens, COO von Zimory. In Zukunft könnten solche Tests auf kurzfristig gemieteten Rechnern laufen.

Ahrens und Freese entwickelten ihre Geschäftsidee als Angestellte der Berliner T-Labs, der Denkfabrik der Deutschen Telekom an der TU Berlin. Bei der Gründung von Zimory im November 2007 nahmen sie von dort eine erste Version des Systems und eine Handvoll Mitarbeiter mit. Außerdem beteiligte sich die Telekom an der Finanzierung: Neben dem High-Tech-Gründerfonds war auch T-Venture bei der ersten Runde mit dabei.

Inzwischen gab es bereits eine weitere Geldspritze der beiden Erstinvestoren, und derzeit arbeiten Freese und Ahrens schon an der dritten Finanzierungsrunde – über die Summen wollen sie nicht sprechen. In den nächsten Wochen jedenfalls sollen die ersten Kunden und Rechenzentrums-Betreiber das System in einem "closed beta"-Test kennenlernen. Im dritten Quartal soll der Marktplatz dann öffentlich freigeschaltet werden.


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