Start von Windows Vista Verfrühte Premierenfeier

Heute nachmittag gibt Microsoft den Startschuss für Windows Vista - allerdings nur für Firmenkunden. Diese werden sich aber hüten, sofort auf Vista umzusteigen - aus guten Gründen. Privatanwender können das neue Windows erst ab 30. Januar kaufen.

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Mit Windows Vista bringt Microsoft zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder ein neues Betriebssystem für PCs auf den Markt. Vista war eine schwere Geburt. Microsoft wollte konzeptionelle Fehler aus früheren Betriebsversionen ausbügeln, was nach Meinung von Experten auch ganz gut gelungen ist. Zu Recht stand das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik wegen diverser Sicherheitslücken in Windows. Vor allem der Browser Internet Explorer erwies sich als so großes Sicherheitsrisiko, dass Experten den Umstieg auf Alternativen wie Mozilla Firefox oder Opera empfahlen.

Seit heute können Unternehmenskunden Lizenzen für Windows Vista kaufen - für Privatkunden steht das neue System ab dem 30. Januar 2007 zur Verfügung. Mit Vista soll alles anders werden - das verspricht man zumindest bei Microsoft. Der neue Explorer 7, Teil von Vista, ist bereits seit einigen Wochen auf dem Markt, kann allerdings nur unter Windows XP installiert werden. Von allen neuen Sicherheitsfunktionen des Explorer profitieren wiederum nur Vista-Nutzer, denn nur unter dem neuen Windows läuft der Browser abgeschottet vom Betriebsystem. Bösartiger Code soll somit keinen Schaden mehr anrichten können.

Die eigene Firma als Testumgebung?

Auch optisch hat sich eine Menge getan - das neue Windows muss sich nicht mehr hinter Mac OS X verstecken. Die Benutzerkontenverwaltung wurde verbessert. Unter früheren Systemen meldeten sich viele Nutzer stets mit Administratorrechten an, weil sie nur dann bequem arbeiten und schnell mal ein neues Programm installieren konnten. Dies begünstigte Schadprogramme, denen vom System keine Grenzen gesetzt wurden. Unter Vista soll das Anmelden mit eingeschränkten Rechten zum Standard werden - so wünscht man sich das zumindest bei Microsoft.

Dass der Softwarekonzern das neue Vista ausgerechnet zuerst für Unternehmenskunden auf den Markt bringt, soll wohl vor allem ein Signal an Großkunden sein, einen Umstieg auf Vista ernsthaft ins Auge zu fassen. Aber kaum ein Systemadministrator wird seinem Geschäftsführer oder Vorstand guten Gewissens einen sofortigen Komplettumstieg empfehlen. Nicht nur, weil neue Betriebssysteme erfahrungsgemäß anfangs noch Bugs enthalten, die in den ersten Wochen und Monaten noch behoben werden müssen.

Die eigene Firma als Testumgebung für ein neues Betriebssystem? Da sagen Administratoren danke.

Zurückhaltung ist in Unternehmen auch deshalb angebracht, weil ein neues Betriebssystem mit den üblichen Unternehmensanwendungen problemlos zusammenarbeiten muss, was nicht selbstverständlich ist.

Hardwarebranche hofft auf Umsatzboom

Microsoft ist in vielen Unternehmen ohnehin nur mit älteren Versionen seiner Software präsent. Windows XP kennen viele Angestellte nur von ihrem Rechner zu Hause, im Büro läuft Windows 2000 oder gar eine noch ältere Version. Solange das Betriebssystem mit allen Spezialanwendungen des Unternehmens gut zusammenarbeitet, gibt es auch kaum einen Grund umzusteigen. Da sind Administratoren sehr konservativ.

Marktbeobachter wie Gartner Dataquest erwarten, dass sich Vista nur allmählich verbreiten wird. Die meisten Lizenzen dürften an Privatkunden gehen, zumindest in den ersten Monaten. Die Hardwarebranche sehnt den Vista-Start schon seit längerem herbei, schließlich ist das System ressourcenhungrig und könnte somit die Umsätze ankurbeln.

Neu auf dem Markt kommt übrigens auch das Programmpaket Office 2007. Die Oberfläche unterscheidet sich deutlich von der letzten, im Jahr 2003 erschienen Version. Betatester zeigten sich aber skeptisch, ob sich ein Umstieg wirklich lohnt. Zudem gibt es inzwischen interessante freie Alternativen wie OpenOffice oder Googles Textverarbeitung im Internet.

So oder so wird Vista sich durchsetzen, auch wenn es einige Jahre dauern wird. Dafür sorgen alleine die vielen PC-Hersteller, die das neue Vista auf ihren Komplettsystemen vorinstallieren. Ob die neuen Sicherheitsfunktionen funktionieren, die vorab von vielen Testern gelobt wurden, wird sich aber erst zeigen, wenn die installierte Basis groß genug ist und Vista zu einem lukrativen Ziel für Virenprogrammierer wird.

Mit AP



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