Supercomputer IBM stößt Japans Schnellrechner vom Thron

Drei Jahre lang war der "Earth Simulator" aus Japan die mit Abstand schnellste Rechenmaschine der Welt. Jetzt haben sie zwei US-Systeme überholt. Der leistungsstärkste Computer heißt Blue Gene/L von IBM, auf Platz zwei rangiert ein neuer Großrechner der Nasa.

Nach mehr als zwei Jahren haben die USA wieder die Führung in der Weltrangliste der schnellsten Computer übernommen. IBMs neues Superhirn Blue Gene/L verdrängte den japanischen Konkurrenten NEC, dessen "Earth Simulator" den Spitzenplatz lange inne hatte. Laut der gestern veröffentlichten Top-500-Liste  rutschte der "Earth Simulator" gleich auf Rang drei. Auf Platz zwei liegt jetzt "Columbia", ein von Silicon Graphics für die Nasa entwickelter Großrechner.

Die Top-500-Liste wird von Forschern an den Universitäten in Mannheim und Tennessee sowie am Lawrence Berkeley National Laboratory geführt und alle sechs Monate aktualisiert.

Sowohl Blue Gene/L, der derzeit in Minnesota für das Lawrence Livermore Laboratory des US-Energieministeriums gebaut wird, als auch der Nasa-Rechner sind noch nicht fertig gebaut. Blue Gene/L schafft derzeit 70,72 Teraflops. Dies entspricht 70,72 Billionen Gleitkommazahlen-Operationen pro Sekunde, etwa Additionen oder Multiplikationen.

Im nächsten Jahr soll er 360 Teraflops erreichen - etwa die neunfache Rechenleistung des "Earth Simulators". Das Rechnerungetüm soll künftig im Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien zur Erforschung von Proteinen eingesetzt werden. Fertig gebaut, wird er mehr als eine Millionen Mal schneller sein als ein heutiger, moderner PC.

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Supercomputer: Die Welt der Teraflops

Sein Hunger nach Strom ist beachtlich - die jährlichen Kosten liegen bei einer Million Dollar. Das gilt allerdings als großer Forschritt, schließlich würde der bisherige Spitzenreiter "Earth Simulator" bei gleicher Leistung 60 Millionen Dollar Elektrizitätskosten verursachen. Auch beim Platzbedarf gibt sich Blue Gene/L genügsam: 2400 Quadratmeter reichen ihm, der japanische Rechner belegt 34.000.

Die neue Nummer Zwei "Columbia" kommt auf knapp 51,87 Teraflops. Der für die Nasa gebaute Computer wurde nach dem im Jahr 2003 abgestürzten Space Shuttle benannt und soll unter anderem Atomphysikern dabei helfen, die Alterungsprozesse von Atomwaffen zu untersuchen.

Der "Earth Simulator" von NEC belegt mit seinen 35,86 Teraflops immerhin noch den dritten Platz. Er hatte vor etwas mehr als zwei Jahren für Aufsehen gesorgt, als er die langjährige Vorherrschaft von Superrechnern US-amerikanischer Herkunft durchbrach. Der "Earth Simulator" wird in Yokohama im Institut für Erdwissenschaften zur Berechnung von globalen Klimaveränderungen eingesetzt.

Europas schnellsten Supercomputer, in der Top-500-Liste auf Platz 4, hatte IBM gemeinsam mit dem spanischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft erst vergangenen Freitag offiziell in Madrid vorgestellt. Die Anlage "MareNostrum" mit einer Leistung von derzeit 20,53 Teraflops soll an der polytechnischen Universität in Barcelona bei der Erforschung von Genen und Proteinen, Klimaveränderungen und neuen Medikamenten helfen.

Alle diese Großrechner nutzen Heerscharen von Prozessoren. Bei Blue Gene/L sind es 130.000, der zweitplatzierte Nasa-Computer begnügt sich mit 10.240. Der schnellste Supercomputer der Welt dürfte um die 100 Millionen Dollar kosten und ist damit deutlich günstiger als "Earth Simulator", für den 250 Millionen berappt wurden.

Aber es geht auch deutlich billiger: Die als "Big Mac" oder "SuperMac" bekannte Anlage der Virginia State University in Blacksbury kostete gerade mal rund fünf Millionen Dollar. Sie liegt mit 12,25 Teraflops immerhin auf Platz sieben der Liste und besteht aus 1100 Apple G5-Rechnern mit 2.3 Gigahertz Dualprozessor.

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